„Massive“ Böller-Attacke überschattet sonst friedlichen Jahreswechsel in Regensburg

Gefährlicher Böller-Hagel auf Polizei und Feuerwehr in Regensburg: In der Humboldtstraße hat eine größere Gruppe in der Silvesternacht die anrückenden Einsatzkräfte minutenlang mit brennenden Feuerwerkskörpern beworfen.
Die Attacke sei massiv gewesen, sagte Kommissarin Lisa-Marie John von der Polizei Regensburg Süd. Berufsfeuerwehr und Polizeibeamte rückten an, weil eine Brandmeldeanlage ausgelöst hatte. Schnell wurde klar, dass es sich um einen Fehlalarm handelte. Zum Glück blieben die Einsatzkräfte unverletzt. Weder Polizei noch Feuerwehr beantworteten an Neujahr weitere Fragen zu dem erschreckenden Vorfall. Die Böller-Attacke überschattete ein sonst weitgehend friedliches Silvester.
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Hunderte Menschen versammelten sich gegen Mitternacht an der Thundorferstraße und auf der Eisernen Brücke, um das neue Jahr zu begrüßen. Die Stadt hatte die beliebte Steinerne Brücke gesperrt, weil es dort in früheren Jahren zu Sicherheitsproblemen gekommen war. Erstmals war auch der ebenfalls denkmalgeschützte Eiserne Steg wegen seines schlechten baulichen Zustands abgeriegelt.
Verbot interessiert nicht
Trotz des Böllerverbots in der Altstadt zündeten Nachtschwärmer die mitgebrachten Feuerwerkskörper. Andere stießen mit Sekt an und ließen Wunderkerzen leuchten. Elmar Kadic und Anja Köck, Pflegefachkräfte im Krankenhaus der Barmherzigen Brüdern, wünschten sich zum Jahreswechsel „Gesundheit und eine schöne Zeit für alle Menschen“. Mit Wunderkerzen ließen die Freundinnen Isi, Vroni und Lisa 2023 ausklingen. Sie hoffen auf „ganz viel Liebe für alle“. Kurz nach Mitternacht bahnte sich der erste Krankenwagen den Weg über die Eiserne Brücke. Nur zögerlich wichen die Feiernden aus.
Die Kehrseite von Silvester: Unmengen an Müll blieben liegen, vor allem Flaschen, Böller und Fastfood-Kartons. Sieben bis zehn Tonnen sind es stets.
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Die Notaufnahmen behandelten eine ganze Reihe Verletzter. „Unser Personal war gut eingespannt“, sagte Sprecher Martin Straler vom Krankenhaus der Barmherzigen Brüder. Häufig kümmerten sich die Ärzte um Verbrennungen durch Böller und Schnitte durch zerbrochenes Glas. Eine Patientenzahl nennt die Klinik nicht. 42 Patienten suchten an Silvester im Caritas-Krankenhaus St. Josef Hilfe. Oft hingen die Notfälle laut Sprecherin Katja Vogel mit übermäßigem Alkoholkonsum zusammen. Die Mediziner versorgten Partygänger mit Alkoholvergiftung – aber auch Herzkranke, wie es das ganze Jahr über vorkommt.
Am Neujahrsmorgen fiel in der Innenstadt kaum mehr Müll auf. Die Kommune ließ alles sehr früh reinigen. Am Neupfarrplatz radelten Kinder über eine blitzsaubere Fläche.
Ein 38-Jähriger eilte durch die Maximilianstraße. Seit 15 Jahren feiert der Lehrer den Jahreswechsel in Regensburg. „Es war so wenig los wie noch nie“, urteilt er. Bei fünf Grad war er mit T-Shirt unterwegs, weil er in der Alten Mälzerei seine Jacke nicht mehr fand.
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Kfz-Mechatroniker Peter Sedlak (24) und sein Kumpel Ludwig Schneider, Objektleiter in einer Reinigungsfirma, hatten die ganze Nacht gefeiert. Im 24-Sieben-Shop in der Drei-Helm-Gasse wollten sie sich Bier holen. Es wurden dann zwei Pfeffis, kleine Pfefferminzliköre. Sie finden, das Böllerverbot in der Altstadt habe überhaupt nichts bewirkt. Ab 22 Uhr hätten Jugendliche auf dem Neupfarrplatz Raketen gezündet. Die Brückensperrung sei ein „Schmarrn“ gewesen.
„Eigentlich lobenswert“
Ludwig Schneider (20, Name geändert) räumt jedoch ein: „Die Nacht war lustig. Kein Stress an Silvester, das ist eigentlich schon lobenswert.“
Die Rechnung der Stadt scheint aufgegangen zu sein. Wegen der Sperrungen und Verbote waren weniger Passanten im Welterbe unterwegs. Die Nacht war sicherer und ruhiger als in früheren Jahren. Außer der Böller-Attacke in der Humboldtstraße meldete die Polizei nur eine Sachbeschädigung an einem Auto in der Sonderburger Straße und einen wegen seiner Promille eigentlich nicht mehr fahrtüchtigen 35-Jährigen, der auf der B16 bei Haslbach unterwegs war.
Das Präsidium spricht von „üblichen Einsätzen an Silvester“. Die Beamten wurden in der Oberpfalz zu 57 Ruhestörungen, 26 Sachbeschädigungen, 22 Unfällen und 36 Körperverletzungen gerufen.


