„Video von Festnahme hat aufgerüttelt“: Klimaaktivist Simon Lachner zieht Bilanz

Von Philip Hell · 1. Januar 2024 um 05:00

Sie haben im Juni mehrere Stunden in der Zelle verbracht. Das Video der Ingewahrsamnahme ging um die Welt. Wie blicken Sie heute darauf?

Simon Lachner: In dem Moment war mir nicht bewusst, dass dieses Video und die Gewahrsamnahme der Polizei solche Wellen schlagen würde. Wenn ich jetzt zurückblicke, dann ist es für mich sehr bewegend, was diese Überreaktion der Polizei ausgelöst hat. Mein Mitbewohner hat an der Blockade teilgenommen und immer wieder erzählen mir seitdem Menschen, dass sie dieses Video aufgerüttelt hat. Viele Menschen fangen an, sich zu positionieren, wenn sie feststellen, dass mit Protestierenden für mehr Klimaschutz falsch umgegangen wird.

Sie avancierten heuer zu einem bundesweiten Gesicht der Letzten Generation. Was haben Sie im kommenden Jahr vor?

Lachner: Mein größtes Ziel wäre es, wieder in einem Büro zu sitzen und Photovoltaikanlagen oder andere Energiesysteme zu planen. Damit ich das mit gutem Gewissen tun kann, braucht es aber eine Regierung, die mutig den Klimaschutz anpackt. Es braucht umfangreiche politische Maßnahmen, um Kohle, Gas und Öl endlich loswerden zu können. Dazu müsste die Krise ehrlich kommuniziert werden.

Was fordern Sie von der Politik?

Lachner: Unser Kanzler müsste sich hinstellen und sagen: Leute schaut her, der letzte November hat das 1,5-Grad-Limit gerissen. Wir sind auf keinem guten Pfad, lasst uns jetzt gemeinsam alle nötigen Anstrengungen erbringen, um wegzukommen von den fossilen Energien.

Insgesamt betrachtet: War 2023 ein gutes Jahr für die Letzte Generation?

Lachner: Weiterhin steigen die Emissionen, die Regierung bricht immer noch die Verfassung und das Klimaabkommen von Paris. Das Jahr war ganz klar kein Erfolg für die Letzte Generation, da wir als Gesellschaft versagen – in dieser Krise.

Und wie lief das Jahr für Ihre Gruppe in Regensburg?

Lachner: Hier in Regensburg haben wir immer wieder das Versagen der Regierung in den wichtigen Klimafragen auf der Straße sichtbar gemacht, es gab ein Gespräch mit der Oberbürgermeisterin Getrud Maltz-Schwarzfischer, Vernetzung mit anderen Teilen der Gesellschaft und viele Bildungsvorträge über Klima und Beteiligung in einer Demokratie.

Das Interview führte Philip Hell