Kosten pro Quadratmeter Bauland stiegen in Bayern in zehn Jahren um 90 Prozent

Bayerisches Bauland ist in den vergangenen Jahren teurer geworden. Sehr viel teurer, wie jetzt eine Auswertung des Deutschen Gewerkschaftsbundes zeigt. „Alarmierend“, nennt Bayerns DGB-Vorsitzender Bernhard Stiedl diesen Trend.
Der durchschnittliche Kaufwert pro Quadratmeter ist in den vergangenen zehn Jahren beispielsweise in Passau um 137,5 Prozent, in Regensburg um 292,8 Prozent und in Ingolstadt um 447,5 Prozent gestiegen. Ein Phänomen der Städte? Nein, auch in eher ländlichen Regionen liegt der Preisanstieg teilweise weit über 100 Prozent. „Alarmierend“, nennt Bayerns DGB-Vorsitzender Bernhard Stiedl diesen Trend.
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Insgesamt errechnet der DGB – der sich in seiner Auswertung auf Zahlen des Statistischen Bundesamt bezieht – für ganz Bayern eine durchschnittliche Preissteigerung von gut 90 Prozent in den vergangenen zehn Jahren. Heißt in Zahlen: Während man 2014 den bayerischen Bau-Quadratmeter für gut 234 Euro im Schnitt bekam, sind es 2022 knapp 430 Euro. Etwas milder fällt die aktuelle Teuerungsrate zwischen 2021 und 2022 aus: Hier zeigt die Auswertung eine Steigerung von 8,5 Prozent.
Bezahlbarer Wohnraum schon lange großes Problem
„Bezahlbarer Wohnraum ist bekanntermaßen schon seit langem ein großes Problem im Freistaat – und zwar nicht nur in den großen Ballungsräumen“, kommentiert DGB-Vorsitzender Bernhard Stiedl die Zahlen in der Pressemitteilung. „Die immer weiter steigenden Preise für Bauland sind daher alarmierend und führen zu immer noch teureren Mieten. Wir brauchen deshalb dringend mehr öffentlich geförderten Wohnraum“, fügt er an.
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Städte wie München – mit einer Teuerung von 276 Prozent – oder Ingolstadt seien bekannt für ihre hohen Preise, dort schlage die Verteuerung der Baulandpreise in den vergangenen zehn Jahren besonders stark zu Buche, so Stiedl.
Einzelne Regionen weit über 100 Prozent teurer
Doch auch in den Regionen fernab der Großstädte stiegen die Preise deutlich, wenn auch nicht überall gleich drastisch. Im Landkreis Regen etwa liegt die Teuerungsrate bei lediglich 36,2 Prozent, im Landkreis Rottal-Inn sind es 94,7 Prozent. Anders sieht es dagegen im Landkreis Freyung-Grafenau aus, in dem der Quadratmeter um 209 Prozent teurer wurde. Im oberbayerischen Weilheim-Schongau liegt die Steigerung gar bei 445 Prozent.
Der Freistaat habe dem wenig entgegen zu setzen. Gerade die Bilanz der Wohnungsbaugesellschaft BayernHeim, die „mit großem Tamtam“ gegründet wurde, wie Stiedl anmerkt, sei ernüchternd: „Von den angekündigten 70.000 neuen Wohnungen, davon 20.000 Sozialwohnungen, die jährlich gebaut werden müssten, ist die bayerische Staatsregierung weiter entfernt denn je. Stattdessen fallen sogar jährlich etwa 3000 Sozialwohnungen aus der Bindung“, so Stiedl.
Bauminister Bernreiter weist Kritik zurück
Diese Kritik weist Bauminister Christian Bernreiter (CSU) auf Anfrage der Mediengruppe Bayern zurück. Er nennt eigene Zahlen: „Alleine die BayernHeim hat bereits über 7000 Wohnungen auf den Weg gebracht und laufend kommen neue Projekte in ganz Bayern hinzu“, hält Bernreiter dagegen. Zusammen hätten die drei staatlichen Wohnungsbaugesellschaften 17.060 Wohnungen im Bestand, rund 3400 Wohnungen in Bau und 5700 Wohnungen in Planung oder Entwicklung, ergänzt er. Zudem habe man bei der Bindung von Sozialwohnungen nachgesteuert, „sodass in den kommenden Jahren voraussichtlich mehr Wohneinheiten gebunden als aus der Bindung fallen.“ Weiter habe der Freistaat heuer – „auf meine Initiative hin“, wie Bernreiter ergänzt – „mit dem Wohnbau-Booster Bayern und dem bayerischen Baukonjunkturprogramm auf vielen Ebenen gegengesteuert.“
Mit der Kritik sei der DGB daher an der falschen Adresse: „Richtiger Adressat wäre die Bundesregierung, die ein Förderprogramm nach dem anderen kürzt oder gar ganz streicht und dadurch das Vertrauen der Bauherren verspielt“, kontert Bernreiter.
„Abhängig von Angebot und Nachfrage“
Allgemein merkt er an, dass Baulandpreise „stark abhängig von Angebot und Nachfrage“ seien und auch die gestiegenen Baukosten, Fachkräftemangel sowie deutlich erhöhte Zinsen die Kosten für Wohnungsbau und Wohnen allgemein erhöhen.
Der DGB hat indes noch weitere, eher generelle, Kritikpunkte. Zum einen hätten viele Kommunen durch Privatisierung von öffentlichem Grund und Boden an Gestaltungsmöglichkeiten verloren. „Wir fordern ein preislimitiertes Vorkaufsrecht für Kommunen, sodass diese die spekulativen Preiserhöhungen der letzten Jahre nicht mitfinanzieren müssen und Wohnraum zurückerwerben können“, so Stiedl. Zum anderen würden privatisierte, baureife Grundstücke oftmals nicht bebaut, um sie später profitabel weiterzuverkaufen. Auch hier müsse der Gesetzgeber ran. „Wir setzen uns dafür ein, dass Gewinne, die durch bloße Spekulation zustande kommen, abgeschöpft werden“, erklärt Stiedl.