Frau erstochen, Mann schwer verletzt: Bluttat erschüttert Parsberg

Von Markus Rath, Petra Schlierf · 28. Dezember 2023 um 19:04

Eine ruhige Siedlung in Parsberg im Landkreis Neumarkt, gleich nebenan Freibad, Sportheim und Kindergarten. Blutspuren am Eingang eines kleinen Mehrfamilienhauses markieren den Tatort und deuten auf eine folgenschwere Auseinandersetzung hin, wie sie die Nachbarn nur aus Fernsehkrimis kennen. Was ist hier in der Nacht auf Donnerstag passiert?

In die Tat verwickelt waren drei Personen: Das hat die Polizei nach Auskunft von Corinna Wild, Pressesprecherin des Polizeipräsidiums Oberpfalz, inzwischen ermittelt. Die aus Bulgarien stammende Frau, ein aus Äthiopien stammender 26-jähriger Mann sowie ein 47-jähriger Bulgare, der als mutmaßlicher Täter gilt. In welcher Beziehung die Personen untereinanderstanden, ist noch Gegenstand weiterer Ermittlungen. Man vermute aber, dass es sich um eine Beziehungstat handelt, berichtet Wild.

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Aktuell geht die Polizei davon aus, dass der 47-jährige Bulgare kurz vor Mitternacht in die Wohnung der Frau stürmte, wo sich auch der 26-jährige Äthiopier befand. Der mutmaßliche Täter attackierte beide. Die Opfer erlitten bei dem Angriff lebensgefährliche Stichverletzungen, an denen die Frau wahrscheinlich auch verstarb.

Der Äthiopier überlebte wohl nur, weil die Polizei unmittelbar nach der Tat alarmiert wurde. Dadurch waren innerhalb kürzester Zeit mehrere Streifenbesatzungen sowie Kräfte des Rettungsdienstes am Tatort. Für die schwer verletzte Frau kam dennoch jede Hilfe zu spät. Der 26-Jährige wurde in ein Krankenhaus gebracht. Eine Not-Operation konnte ihn retten.

Tatverdächtiger flüchtet zunächst

Nicht verhindern konnten die Polizisten aber, dass der Angreifer vom Tatort flüchtete und damit einen aufsehenerregenden Polizeieinsatz auslöste, der Parsberg bis in die Mittagsstunden in Atem hielt.

„Ich bin vor dem Fernseher eingeschlafen und gegen zwei Uhr wieder aufgewacht“, schildert eine Augenzeugin, die in der Nachbarschaft des Tatorts wohnt, das Geschehen, das sich vor ihrem Badfenster abspielte. Blinkende Blaulichter, eine nicht enden wollende Fahrzeugkolone am Straßenrand. „Sie haben alle auf der falschen Fahrbahnseite geparkt“, erinnert sie sich. Dazu jede Menge Polizeibeamte. Das Szenario erschreckt die Frau, die vorsichtig aus dem Fenster spähte, um zu erfahren, was in der sonst so stillen Siedlung passiert ist. Sie habe auch mehrfach den Standort gewechselt. Nur vor die Tür habe sie sich nicht getraut, weil offensichtlich war, dass die Polizei nach jemanden suchte.

„Wenn sowas passiert, bleibt man besser im Haus, macht die Tür zu und mischt sich nicht ein, damit man nicht in Gefahr kommt“, lautet ihre Überlegung angesichts des extrem großen Polizeiaufgebots, das Wild so kommentiert: „Wir hatten sehr schnell eine große Zahl Einsatzkräfte vor Ort, um den Tatverdächtigen zu suchen.“

Dabei gingen die Beamten in Uniform und Zivil, die Augenzeugin schätzt dass es mindestens 40 bis 50 waren, aus Sicht der Beobachterin am Fenster sehr konzentriert und akribisch vor. „Da hatte jeder ein eigenes Tablet und hat damit den Einsatz koordiniert.“

Wie mehrere weitere Anwohner aus Parsberg beobachtete die Frau einen Hubschrauber, der offensichtlich mehr als eine Stunde lang im Tiefflug den Boden absuchte. Außerdem gibt es Berichte, dass sich ein Fahrzeug eines Sondereinsatzkommandos am Bahnhof befunden hat.

„Wir hatten neben der Kriminalpolizei, Beamte der Polizeiinspektion Parsberg, ein Team der Spurensicherung und auch Spezialkräfte vor Ort“, sagt Wild. Diese seien im gesamten Stadtgebiet eingesetzt gewesen. Daher könne sie zu einzelnen Örtlichkeiten nichts sagen.

Gleichzeitig dementiert Wild aber weitere Augenzeugenberichte, bei denen von „vermummten Polizisten“, die gegen 10.30 Uhr ein Haus in der Industriestraße gestürmt hätten, und weitere Hausdurchsuchungen die Rede war.

Zu dieser Zeit waren auch mehrfach Zivilfahrzeuge mit Aufsteckblaulicht zu sehen, die mit hoher Geschwindigkeit durch die Straßen von Parsberg fuhren, während vor der Polizeiinspektion Parsberg ein Fahrzeug des Rettungsdienstes offensichtlich in Bereitschaft war.

Bestätigt wurde von der Polizei indessen, dass Spürhunde an der Fahndung nach dem mutmaßlichen Täter beteiligt waren. Diese wurden beim Parsberger Grill- und Zeltplatz gesehen, der nur rund hundert Meter Luftlinie vom Tatort entfernt liegt. Hier schließt sich dann der Kreis zum Fundort des mutmaßlichen Täters, den das Polizeipräsidium Oberpfalz in einer gegen Mittag verbreiteten Meldung als ein Waldstück in der Nähe das Tatorts beschrieb. Bei dem toten Mann wurde ein Messer sichergestellt. „Wir wissen allerdings noch nicht, ob es sich dabei um die Tatwaffe handelt“, sagt Wild.

Todesursache des Verdächtigen noch unklar

Auch wie der 47-jährige Mann starb, hat die Polizei bisher noch nicht bekannt gegeben. Wild spricht allerdings am Donnerstagnachmittag davon, dass die Polizei von einem Suizid ausgehe. Die Polizei betonte außerdem, dass trotz der Flucht des Tatverdächtigen zu keiner Zeit eine Gefahr für die Bevölkerung bestanden habe.

Das teilte die Polizei auch dem Parsberger Bürgermeister Josef Bauer mit, der sehr betroffen auf die Gewalttat reagierte. Es sei schrecklich, dass Menschen ihr Leben verloren hätten oder schwer verletzt wurden. Sein ganzes Mitgefühl gelte den Angehörigen der Opfer. Gleichzeitig sei er sehr froh, dass für die Bevölkerung keine Gefahr bestanden habe und der mutmaßliche Täter nicht mehr auf der Flucht sei.

In der Regel berichten wir nicht über Selbsttötungen – außer die Tat erfährt durch die Umstände besondere Aufmerksamkeit. Sollten Sie selbst das Gefühl haben, dass Sie Hilfe benötigen, kontaktieren Sie bitte umgehend die Telefonseelsorge. Unter der kostenlosen Rufnummer 0800/111-0111 oder 0800/111-0222 erhalten Sie Hilfe von Beratern, die Ihnen Auswege aus schwierigen Situationen aufzeigen können. Weitere Hilfsangebote gibt es beim Krisendienst Bayern unter der Telefonnummer 0800/655-3000 sowie der Deutschen Gesellschaft für Suizidprävention.

Vor der Polizeiinspektion in Parsberg wartete ein Rettungswagen in Bereitschaft. Foto: Markus Rath