Viele Hände lassen in Biburg den Christbaum schweben

Ein Christbaum steht in diesen Tagen in jeder Kirche. Im Biburger Gotteshaus sucht man vergebens einen Christbaumständer. Hier entwickelte sich eine neue Idee – die eigentlich ganz alt ist.
Es ist kurz nach 14 Uhr in der Biburger Pfarrkirche. Der Christbaum steht bereits fest an seinem Platz. Zumindest scheint es so. Ein Teil der rund 20 anwesenden Biburgerinnen und Biburger ist dabei, Lichterketten am Baum zu befestigen. Der Rest sortiert schon einmal die roten Christbaumkugeln.
Erst, wenn man richtig hinschaut, sieht man: Der Baum hängt an einem Seil, das aus einem Loch an der Decke der Apsis hängt. Denn rund 90 Minuten später zieht Armin Schmidbauer, der Kirchenpfleger der Pfarrei, über eine Seilzuganlage den Christbaum rund fünf Meter in die Höhe.
Seit drei Jahren gibt es nach seinen Worten in Biburg einen schwebenden Christbaum. Er freut sich darüber: „So etwas gibt es ja weit und breit nicht.“ Pfarrer Wolfgang Schillinger berichtet, dass seither mehr Besucher zu den Gottesdiensten an den Weihnachtsfeiertagen kommen als bisher. Für ihn hat solch ein Christbaum eine theologische Bedeutung: „Er symbolisiert die Leichtigkeit des Glaubens.“ Er sei ein Zeichen für die Freude.
Denn vor allem am Abend sei der Anblick des beleuchteten Baums richtig magisch, wie es eine der Helferinnen in der Kirche gegenüber der Mittelbayerischen beschreibt. Uns so kämen laut Schmidbauer längst Gäste von außerhalb, um sich den kuriosen Baum anzusehen.
Corona spielte eine Rolle
Alles habe laut Schmidbauer damit begonnen, dass vor einigen Jahren der bisherige Lieferant der Weihnachtsbäume für die Biburger Kirche ausgefallen war. Gleichzeitig durften wegen Corona, die Frauen, welche die Weihnachtskränze flochten, dazu nicht zusammenkommen.
Diese Kränze hingen immer von der Decke der Apsis herunter. Den Baum spendet mittlerweile der Kirchenpfleger. Und von Schillinger ist die Idee, doch den Christbaum ins Kirchenschiff zu hängen. Der Geistliche kannte die Tradition des Weihnachtsbaumes, wusste davon, dass diese Jahrhunderte lange auf diese Weise Kirchen schmückten. Das zeigt auch ein Blick in die umfangreiche Literatur zum Thema Christbaum. Die Mode, den Baum auf den Boden zu stellen, kam erst im vorigen Jahrhunderten auf.
Blick in die Vergangenheit
Historiker und Volkskundler gehen mittlerweile davon aus, dass sich die Tradition des schwebendes Christbaums aus römischen und germanischen Brauchtum heraus entwickelt hat. Seinerzeit holten sich die Menschen im Winter, in der dunklen Jahreszeit, Pflanzen ins Haus. Sie hängten sich grüne Zweige an die Wände – als Erinnerung an das Frühjahr, wenn die Natur wieder zum Leben erwacht.
Den Brauch behielten die Menschen nach ihrer Christianisierung bei. Waren es anfänglich verschiedene Pflanzen, so verlegte man sich mehr und mehr, Tannen- und Fichtenzweige zu nehmen. Bis eines Tages ganze Nadelbäume in Häusern und Kirchen hingen. Dass diese Bäume an den Decken hingen, war jahrhundertelang Brauch, der sich erst im 18. Jahrhundert allmählich änderte.
„Jetzt hängen wir die Kugeln auf“, kommt ein klares Kommando aus dem Mund von Schmidbauer. Um eher fragend nachzuschieben: „Die Kleinen oben, die großen Unten – oder.“ Spätestens jetzt macht sich die relativ große Zahl an Helfern bezahlt. Es dauert nicht lange, und der ganze Baum ist geschmückt.
Aus vielen Vereinen in Biburg
Es seien nicht nur Mitglieder des Pfarrgemeinderats, sondern Biburger aus verschiedenen Vereinen, die seit drei Jahren mithelfen. Die sind mittlerweile eingespielt, wie beim Arbeitseinsatz in der Pfarrkirche gut zu sehen ist.
Schmidbauer und seine Mitstreiter werfen derweil einen prüfenden Blick auf den Baum. Er passt. Bis zu Maria Lichtmess kann er von Besuchern der Kirche noch bewundert werden.


