Pfarrer Adolf Schöls spricht über seinen Start, die Kirchensanierung und seine Ziele

Pfarrer Adolf Schöls wirkt seit September in der neuen Pfarreiengemeinschaft Falkenstein-Rettenbach-Arrach. Im Interview mit der Pfarrei spricht er über seinen Start in Falkenstein und die Herausforderungen, die 2024 anstehen.
Herr Pfarrer Schöls, wie fühlen Sie sich nach den ersten Monaten in Ihrer neuen Pfarreiengemeinschaft? Gab es besondere Herausforderungen oder Überraschungen zu Beginn?
Schöls: Ich fühle mich hier sehr wohl. Mich freut es, dass die Menschen mich, unseren Pastoralassistenten Peter Lehner und meine Pfarrhausfrau Stephanie Bast so gut aufgenommen haben. Ich kann überhaupt nicht klagen. Es gibt hier viele engagierte Leute, die sehr selbstständig arbeiten und das finde ich gut. Mich freut, dass die Gläubigen flexibel geworden sind und auch mal die Gottesdienste in den anderen Pfarreien aufsuchen, wenn ihnen die Zeit oder die Gestaltung zusagen. Ich feiere heuer sehr entspannt das Weihnachtsfest, was auch daran liegt, dass ich heuer nur einen Schulgottesdienst habe, während in Nittenau fünf zu feiern waren. Von daher ist manches stressfreier. Außerdem gab es bisher keinen Ärger und keine Auseinandersetzung.
Mit den neuen Gottesdienstformen „Taizé-Gottesdienst“ und „Sternenzauber“ wurden neue Weichen in der Pfarreiengemeinschaft gestellt. Die Gottesdienste wurden von den Gläubigen zahlreich angenommen. Sind Sie zufrieden?
Ja, ich bin sehr zufrieden mit dem Gottesdienstbesuchen. Im Rückblick waren im Advent die Kirchen immer gut besucht und sogar voll. Daran gewöhnt man sich schnell, aber ich weiß auch, dass dies eine Momentaufnahme ist und die Gottesdienstbesucher im normalen Kirchenalltag wieder etwas weniger werden. Umso mehr war ich im Advent hocherfreut, dass die Gläubigen so zahlreich kamen. Ich denke, das tut auch den Gottesdienstbesuchern gut und belebt das Herz.
Sie sind jemand, der gerne unter den Menschen ist. Gibt es Momente, die Ihnen besonders im Gedächtnis geblieben sind?
Mir haben die Weihnachtsfeiern sehr gut gefallen. Sie waren liebevoll vorbereitet und alles war schön dekoriert. Besonders die Weihnachtsfeier der Ministranten hat mich berührt. Viktoria Wegmann, die sich in Rettenbach um die Ministranten kümmert, hat eine wunderbare Deko aufgebaut und eine besinnliche und tolle Weihnachtsfeier vorbereitet. Für Deko fehlt mir allerdings das Gefühl, das zählt nicht zu meinen „Leidenschaften“. Außerdem hat es mir Spaß gemacht, bei der Feuerwehr Falkenstein beim Einwintern der Fahrzeuge zu helfen.
Welche Herausforderungen haben Sie in den ersten Monaten erlebt?
Die erste Herausforderung war, ob die Menschen die Kürzungen der Gottesdienste annehmen und wie sie mit dem Rotationsprinzip zwischen den Pfarreien zurechtkommen. Ich bin erstaunt, wie gut das geklappt hat, und dass die Leute bereit sind, auch zu „wandern“. Ansonsten ist alles gut gelaufen. Hier spielt auch die Erfahrung oder mein Alter eine Rolle, da man manches lockerer sieht und weiß, „wie der Hase läuft“. Eine große Frage war, ob wir das Projekt „Kircheninnensanierung“ in Falkenstein noch hinbekommen. Aber es hat geklappt und ich bin dem Bischöflichen Ordinariat und allen anderen Stellen dankbar, dass es jetzt mit der Genehmigung doch so schnell gegangen ist.
Wie würden Sie den Gemeinschaftsgeist in Ihrer neuen Pfarreiengemeinschaft beschreiben?
Ich denke mir, dass die Pfarreien gut zusammenwachsen und schon erste positive Zeichen zu sehen sind. Die Entfernungen sind ja nicht groß. Maximal fünf Kilometer liegen die Kirchen auseinander, das ist natürlich ein Glücksfall. Mir gefällt auch, dass die Chöre schon zweimal miteinander gesungen haben und es gemeinsame Pfarrgemeinderatssitzungen gibt. Außerdem unternehmen wir mit den Ministranten nun manches gemeinsam. Von daher sehe ich die Zukunft positiv.
Was sind Ihre langfristigen Ziele und Visionen für die Pfarreiengemeinschaft?
Meine größte Vision wäre, wenn die Menschen in unserer Pfarreiengemeinschaft spüren, dass es guttut, in der Gemeinschaft der Kirche zu sein, auch wenn diese so manche Fehler und Schwächen hat. Ich denke die Hauptaufgabe wird sein, den Menschen zu vermitteln, dass es sich mit Gott viel besser leben lässt und dass mein Leben durch den Glauben erst einen Mehrwert bekommt. Wenn ich gar keinen Halt mehr habe, wenn ich an keinen Gott mehr glauben kann, der mich liebt und sich für mich interessiert, dann führe ich meiner Meinung nach ein Leben, das letztlich keine Perspektive hat und für mich sehr einseitig und eng ist. Mit unserem Glauben haben wir ein viel besseres Lebensgefühl und eine ganz andere Freiheit, weil ich mich nicht dauernd beweisen muss, weil ich Fehler haben darf und mich trotzdem geliebt wissen darf. Es wäre schön, wenn wir das den Menschen vermitteln könnten.
Falkenstein feiert im Jahr 2024 „100 Jahre Pfarrei St. Sebastian“. Gibt es besondere Veranstaltungen oder Initiativen im Rahmen dieses Jubiläums?
Ja, es sind verschiedenen Angebote vorgesehen. Am 20. Januar 2024 feiern wir in unserer Pfarrkirche das Patrozinium als Beginn der 100-Jahrfeier, dann beginnt hier am darauffolgenden Montag schon die Renovierung. Es wird eine Fotoausstellung im Alten Lokschuppen geben und in den Ferien ein Kinderprogramm. Außerdem ist eine Wanderung um Falkensteins religiöse Orte vorgesehen und Filme von früher werden gezeigt. Eine Festschrift wird ebenfalls erstellt. Der Höhepunkt wird sicherlich der Besuch unseres Bischofs am 16. Juni 2024 sein. Dann wird auch die Pfarrkirche wieder in einem neuen Glanz erscheinen. Den Abschluss bildet zum 1. Advent 2024 ein Konzert mit den Domspatzen. Das genaue Programm ist im Mitteilungsblatt der Gemeinde Falkenstein erschienen und wird auch im neuen Pfarrbrief zu finden sein.
Eigentlich sollte die Kirchenrenovierung in Falkenstein bereits 2023 abgeschlossen sein. Nun beginnt die Renovierung im Januar 2024. Können Sie uns etwas über die Pläne erzählen?
Ja, es geht nicht immer so schnell, wie man es gerne hätte. Kirchenrenovierungen sind mit vielen Stellen und Ämtern verbunden und das braucht Zeit. Von daher hat es bei uns gut geklappt. Nur ein Jahr Planung und Genehmigung ist wirklich schnell und ich darf der Architektin der Diözese, Sabine Faderl, besonders danken, dass sie sich so stark für uns eingesetzt hat und alles so schnell in die Gänge gebracht hat. Auch unserem Architekten Dr. Martin Räke und der Unteren Denkmalschutzbehörde des Landratsamtes darf ich für ihren Einsatz danken sowie der Kirchenverwaltung Falkenstein, die sich hier wirklich voll engagiert. Wir werden mit den Gottesdiensten ab Ende Januar 2024 am Samstag und am Dienstag sowie bei Beerdigungen zur Christusbruderschaft ausweichen und zu den Sonntagsgottesdiensten in die Filialkirche nach Gfäll. Ich halte es für ein schönes Zeichen der Ökumene, dass wir bei der evangelischen Christusbruderschaft die große Kapelle benützen dürfen.
Wie sehen Sie die künftigen Perspektiven für die Pfarreiengemeinschaften?
Momentan kann ich da noch nichts sagen, weil ich zuerst einmal ein Jahr zuschauen möchte, was es hier so alles gibt und was zur Tradition gehört. Auf jeden Fall möchte ich ab 2025 Pfarreiwallfahrten anbieten und auch mit den Ministranten länger fortfahren. Außerdem hoffe ich auf weitere gute Ideen unseres Pastoralassistenten Peter Lehner, der eine Bereicherung für uns ist.