Cham verbarrikadiert sich gegen das drohende Hochwasser vor Weihnachten

Die Feuerwehren der Stadt Cham haben begonnen Tausende von Sandsäcken zu füllen, während das Hochwasser unaufhörlich steigt. Als die Lagebesprechung am Samstag um 11.15 Uhr beginnt, geht gerade der Marktplatz am Biertor unter und die Polizei lässt abgestellte Fahrzeuge abschleppen, während in der benachbarten Schützenstraße Anwohner und Bauhofmitarbeiter die Eingänge verbarrikadieren.
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„Wir sind vorne dran“, versichert Bürgermeister Martin Stoiber bei der Lagebesprechung in der Feuerwehrzentrale. Der Pegel steht zu diesem Zeitpunkt bei 2,11 Metern. Ab 2,20 Metern wird die Hauptschlagader zwischen Altstadt und Janahof geflutet. Zu diesem Zeitpunkt hat die Stadt bereits eine Reihe von Verbindungen wie die nach Altenstadt oder Untertraubenbach sperren lassen. „Wir kennen aus der Erfahrung die Reihenfolge des Untergangs“, sagt Ordnungsamtsleiter Michael Bücherl.
Scheitel wohl gegen 2 Uhr morgens
Gegen 2 Uhr morgens – so die Vorhersage des Wasserwirtschaftsamts – wird der Wasserscheitel von 2,50 Metern erreicht.
Der Bürgermeister hofft, dass das nicht passiert und sich die Lage entspannt. Doch draußen vor der Türe sieht es gerade nicht danach aus. Im Depot der Feuerwache 3 unter der Bundesstraßenüberführung in Altenstadt arbeiten 3000 Meter weiter Dutzende von Feuerwehrkräften daran, palettenweise Sandsäcke an die Menschen zu bringen. Das ist nicht immer einfach. In Brunnendorf scheitert der Hubwagen an der abgesenkten Gehsteigkante. Der Gitterkasten mit zwei Dutzend bleischweren Sandsäcken muss vor der Hauseinfahrt stehen bleiben. „Mit 80 Jahren schlepp ich sowas nicht mehr da rein“, sagt der Wohnungsbesitzer und hofft auf Nachbarschaftshilfe, weil die Feuerwehr noch weiter verteilen muss.
Die Stadt ruft dringend dazu auf, die gefährdeten Parkplätze auf der Stadellohe und am Biertor zu räumen. Am Biertor hat sich der Regen gegen 11 Uhr mit einem kleinen Rinnsaal Zulauf verschafft zu den Parkplätzen, auf denen rund zwei Dutzend Autos stehen. Schon eine Stunde später hat sich dort eine Strömung gebildet. Den ersten Fahrzeugen steigt das Wasser bis zur Tür. Die Polizei ordnet das Abschleppen an. Der Abschleppdienst arbeitet gegen die Uhr, weil die Zufahrten volllaufen, und parkt die Autos kurzerhand auf die Brücke.
100 Einsatzkräfte auf den Beinen
100 Einsatzkräfte sind am Samstagmittag unterwegs. Auch im Landkreis, so berichtet Kreisbrandinspektor Marco Greil. Hochmuth laufen die ersten Einsätze. Entlang der Flüsse und Bäche werden Keller ausgepumpt.
Von einem Katastrophenalarm ist die Lage aber weit entfernt. Zum Vergleich: Beim Hochwasser 2002 stand der Pegel am Ende bei 3,11 Metern. „Es ist aber wichtig, vorbereitet zu sein. Und das sind wir“, sagt Bürgermeister Stoiber.
Im Gegensatz offensichtlich zu manchen Bürgern, die den Ernst der Lage und die Bedeutung der Absperrungen ignorieren. Mehrfach werden an diesem Tag die Absperrpylonen am Biertor weggeräumt und die gefluteten Straßen befahren. Wer mit dem heißen Motor ins kalte Wasser fährt, dem droht nicht nur ein Motorschaden. Bergungen sind zusätzlich teuer und das Umfahren von Absperrungen wird bestraft.



