Abschied nach 27 Jahren: Christian Schneider übergibt das Ruder in der Kultdisco Easy

Von Tanja Fenzl · 22. Dezember 2023 um 19:00

So eine Bescherung: Ausgerechnet zu Weihnachten endet im Easy heuer eine Ära. Christian „Bobbesch“ Schneider und seine Frau Johanna übergeben die Kultdisco in neue Hände. „Wir hatten 27 Jahre lang Party“, sagt der 54-Jährige.

Sein halbes Leben hat der gelernte Kfz-Mechaniker damit als Wirt zugebracht – völlig unerwartet, „weil als wir das Easy übernommen haben, und keiner hat gedacht, dass wir das so lange machen“. Die Bedienung und Scheider, die sich auch in ihrem Stammlokal kennengelernt hatten, hatten das Easy 1996 übernommen, als der frühere Besitzer schließen wollte.

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„Ich sage immer, die ersten 27 Jahre meines Lebens waren megaklasse, die zweiten 27 Jahre supermegaklasse, und in den dritten 27 Jahren will ich das auf jeden Fall noch toppen“, grinst Schneider. Immerhin: Ganz wird er dem Easy nicht verloren gehen, er erwartet vom nächsten Betreiber Tobia Orlandini ein paar Hilferufe in der Übergangszeit. „Und ich werde ja auch als Gast noch hier sein.“

„Wie wenig man braucht“

Trotzdem – die Entscheidung, jetzt aufzuhören, bereut Schneider nicht, sagt er. Während der Corona-Pandemie war Schneider eineinhalb Jahre lang in Südamerika, hauptsächlich in Paraguay. „Da lernt man, wie wenig man eigentlich zum Leben braucht. Ein bisschen was zum Essen, einen Platz zum Schlafen, mehr braucht man nicht zum Glücklichsein“, ist er überzeugt. In den eineinhalb Jahren, die das Easy nach den Pandemie-Beschränkungen nun wieder geöffnet hatte, habe er gemerkt: „Ich habe mich verändert. Ich dachte erst, ich bin derselbe, aber das bin ich nicht.“ Er selbst habe sich durch die Pandemie verändert, aber auch seine Gäste. Es gehen weniger Leute weg, und es habe sich eine Art Event-Fortgehen etabliert.

„Man muss den Leuten immer etwas Besonderes bieten. Einfach aufmachen und Musik spielen wie früher reicht nicht.“ Seien noch vor zehn Jahren 80 Prozent Stammgäste ins Easy gekommen, habe sich das inzwischen ins Gegenteil gekehrt. „Vielleicht 20 Prozent Stammgäste“, schätzt der Wirt. „Die jungen Leute gehen anders weg als zu unserer Zeit“, sagt Schneider. „Vor Kurzem hat mir ein Mädel einen schönen Gruß von ihrer Oma ausgerichtet“, lacht Bobbesch. „Wenn man fast immer der Alteste im Lokal ist, sollte man vielleicht auch ans Aufhören denken“, grinst er. Die Zeit der legendären Partys, „jetzt kann ich es ja sagen: Die Sperrstunde haben wir nicht immer eingehalten“ – ist für ihn vorbei.

Was kommt als Nächstes? „Für die Rente bin ich nicht gemacht. Erst ein paar Monate Auszeit, alles wirken lassen, und dann schaun wir mal“, sagt er. „Die Zeit wandelt sich gerade unglaublich, man muss sich darauf einlassen, sonst wird man fertig“, philosophiert der Wirt, der aus seiner Easy-Zeit viele Lebensweisheiten mitgenommen hat.

Dramen und mehr im Easy

„Was man da von den Gästen alles mitbekommt, Dramen, Liebesgeschichten, irre“, blickt er zurück. Die neuen Chancen – die sieht er für sich vielleicht in einem ganz anderen Berufsfeld. „Ich glaube, das Kapitel Gastronom ist für mich abgeschlossen.“ Vielmehr könne er sich vorstellen, „irgendwas mit alternativer Medizin zu machen“. Das Thema habe ihn schon immer interessiert, „da habe ich schon vor ’zig Jahren viel dazu gelesen“.

Das Easy weiß er derweil in guten Händen, sagt er. Orlandini will viel Personal übernehmen, „so ändert sich für die Gäste gar nicht so viel, sie sehen bekannte Gesichter.“ Über Tobia Orlandini sagt Bobbesch: „Der wird das Easy in unserem Sinne weiterführen.“

Corona habe alles verändert, auch ihn selbst, sagt der „Bobbesch“. Er sei froh, dass er das Lokal in guten Händen wisse, sagt er.