Jahn-Sportchef Beierlorzer über Diawusie, Kaderpläne, Zwarts – und den Höhenflug

Von Felix Kronawitter · 22. Dezember 2023 um 11:29

Im Interview spricht Jahn-Sport-Geschäftsführer Achim Beierlorzer über den tragischen Tod von Agyemang Diawusie, der den Klub in tiefe Trauer gestürzt hat. Zudem äußert sich der Sportchef zum sportlichen Höhenflug der Regensburger, möglichen Wintertransfers – und zu Joel Zwarts und den Löwen.

Herr Beierlorzer, der Jahn ist die große Überraschung in der 3. Liga? Wie fühlt sich das an, dass es so gut läuft mit der fast neu zusammengestellten Mannschaft?

Achim Beierlorzer: Sportlich gesehen sind wir sehr zufrieden, das hätten wir in der Dimension nicht erwartet, dass wir nach 20 Spielen eine solche Bilanz haben. Das hätte keiner erwartet und jeder vorher so unterschrieben.

Besteht überhaupt der Bedarf, im Winter nachzurüsten?

Beierlorzer: Vor Wochen hätte ich diese Frage verneint. Nach dem Kreuzbandriss von Eric Hottmann und dem tragischen Tod von Agy Diawusie sieht es aber anders aus. Zuvor hatte ich allen Beratern, die sich schon fleißig erkundigt hatten, erklärt, dass wir eher nichts machen, weil wir in der Spitze und in der Breite eine gute Mannschaft haben. Jetzt fehlen uns aber zwei Spieler, weshalb wir natürlich schon überlegen. Das sind zwei Positionen, die uns jetzt beschäftigen. Wir wollen uns ja nicht schlechter stellen als zu Beginn der Saison.

Sie sind nicht als schadenfroher Mensch bekannt. Entlockt Ihnen der Umstand, dass es bei Joel Zwarts und den Löwen semioptimal läuft, nicht zumindest ein Schmunzeln?

Beierlorzer: Das interessiert mich eigentlich gar nicht. Ich nehme das zur Kenntnis. Es bestätigt mich in unserer Entscheidung, diesen Wechsel vollzogen zu haben. Ich habe da aber keine Schadenfreude. Es ist aber schon interessant zu sehen, was bei anderen Vereinen und deren Umfeld passiert, die mindestens dieselbe Qualität in ihren Reihen hätten.

Kann man rückblickend betrachtet sagen, dass das vielleicht sogar einer der wichtigsten Transfers für die Teamchemie war?

Beierlorzer: Wenn ein Spieler unzufrieden ist, dann macht es keinen Sinn, ihn zu halten.

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Leider geriet der sportliche Höhenflug des SSV Jahn Regensburg in den Hintergrund wegen der schrecklichen Nachricht vom Tode von Agyemang Diawusie. Am Dienstag der Vorwoche war seine Beerdigung. Wie weit ist die Mannschaft im Verarbeitungsprozess?

Beierlorzer: Das kann ich nicht beurteilen. Das ist bei jedem individuell anders. Das wird uns mindestens die ganze Saison beschäftigen. Das ist so ein brutaler Einschnitt in unser Gefüge, dass man da nicht sagen kann, wie weit wir sind.

Wie geht es auch Ihnen persönlich mit dieser enormen emotionalen Belastung?

Beierlorzer: Ich versuche, meinen Fokus auf das Tagesgeschäft zu richten. Wir können uns nicht vergraben. Es beschäftigt mich aber immer wieder. Wenn mich jemand fragt, wie es mir geht, dann kann ich nicht gut sagen, was man ansonsten in unserer Situation sagen würde. Es ist momentan nicht alles gut, weil wir jemanden aus unserer Mitte verloren haben. Das ist einfach eine brutale Geschichte.

Welche Lehren zieht man beim Jahn aus diesem schlimmen Todesfall?

Beierlorzer: Wir haben in den Tagen danach alles auf links gedreht und sind dabei zu dem Schluss gekommen, dass wir in unseren Prozessen alles Nötige in die Wege leiten und geleitet haben. Wir haben vorab sämtliche Untersuchungen durchgeführt, die vom DFB für die Lizenzierung gefordert sind. Wir haben alles exakt durchgeführt. Wir sensibilisieren die Spieler zusätzlich, dass sie die Angebote für Nahrungsergänzung wahrnehmen. Wir haben bei unseren Physios alles bereitliegen. Alles, was man zusätzlich nehmen kann. Bei jedem Infekt schicken wir zudem unsere Spieler zu unseren Ärzten, die mit Aufbaumitteln ihr Immunsystem stärken, damit die Infekte schnellstmöglich aus dem Körper verschwinden. Das ist das Tragische. Mehr konnten wir nicht machen.

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Seinen letzten Drittliga-Einsatz hatte Diawusie in München. Danach hatte er offenbar über Atemprobleme geklagt. Wie hat der Verein damals darauf reagiert?

Beierlorzer: Wir haben sämtliche Checks durchführen lassen. Agy war beim Internisten, beim Kardiologen und es wurden mehrere Krankheitsbilder überprüft. Wir haben alles in die Wege geleitet. Die Probleme kamen wieder und waren dann wieder weg. Wir haben eine große Sorgfaltspflicht. Nach dem Testspiel gegen Augsburg und der Pause ist er mit einem Infekt zurückgekommen, wir haben ihn dann ganz rausgenommen und alle Maßnahmen ergriffen, die ich vorher geschildert habe. Wir haben alles gemacht, damit der Infekt schnellstmöglich wieder aus dem Körper rausgeht. Alle Befunde waren unauffällig. Hier sieht man deutlich unsere Vergänglichkeit.

Wie wird der schlimme Fall in der medizinischen Abteilung aufgearbeitet?

Beierlorzer: Es bestand der Verdacht einer Herzmuskelentzündung. Laut Amtsarzt kann das dann im schlimmsten Falle zu solchen Komplikationen führen. Solche Herzmuskelentzündungen kann man oft erst danach erkennen. Wir haben alles hinterfragt, nochmal alles durchgesehen, was genau gemacht worden ist. Die Untersuchungen waren lückenlos. Das ist eine fürchterliche Geschichte.

Fünf Tage nach der schrecklichen Nachricht hat der Jahn wieder gespielt – und gewonnen. Das war eine mentale Glanzleistung. Es war eine Mischung aus Trauer und Jubel im Jahnstadion. Wie schwierig war das Spiel gegen Freiburg 2?

Beierlorzer: Es war extrem – in allen Belangen. Die Mannschaft wollte unbedingt spielen – und irgendwann konnte ich das dann auch nachvollziehen, dass es besser ist, zu spielen als daheim zu hocken. Die Spieler wollten agieren, um das so besser verarbeiten zu können. Alle Beteiligten, auch Familie und engste Freunde, haben die Entscheidung mitgetragen.

Wie geht es Agys Familie? Stehen sie weiter in Kontakt?

Beierlorzer: Die Familie trauert natürlich genauso, wie man das erwarten kann, wenn man einen 25 Jahre alten Sohn, Bruder und Freund verliert. Es ist noch immer unfassbar und nicht zu greifen. So geht es auch der Familie.