Lucki Maurer meldet sich nach zweiter Krebsdiagnose zurück – So feiert er Weihnachten

Um Rinderzüchter und Koch Lucki Maurer war es in den vergangenen Monaten sehr ruhig geworden. Zum zweiten Mal nahm er den Kampf gegen eine Krebserkrankung auf. Jetzt ist der 43-Jährige zurück und freut sich auf Weihnachten mit Stille Nacht und Entenbraten.
Ein offener Stall, Heu, Stroh und Ochsen, die die Besucher neugierig beäugen. Eine Kulisse wie aus der Weihnachtsgeschichte. Fehlt nur noch die Krippe mit Maria, Josef und dem Jesukind, kommt einem in den Sinn. Doch hier, auf dem 300 Jahre alten Hof in Schergengrub (Lkr. Straubing-Bogen), findet kein Krippenspiel statt. Der Typ im Stall, mit dem naturroten Pferdeschwanz, Ziegenbärtchen und zahlreichen Piercings in Ohrläppchen und Nase, hat auch wenig mit Kirche am Hut. Er glaubt an Karma, nicht an den Katechismus. Rock‘n‘Roll und Stille Nacht fügen sich an diesem Ort aber trotzdem zusammen. Und auch die Weihnachtsbotschaft passt ins Bild. „Fürchtet euch nicht.“ Deutschlands bekanntester Rinderzüchter und Koch Lucki Maurer hat in den vergangenen Monaten zum zweiten Mal dem Krebs die Stirn geboten. Seine mentale Stärke hat sich ausgezahlt.
„Mir geht‘s richtig gut“, sagt der 43-Jährige, der nach seiner Darmkrebs-Operation mit anschließender Chemotherapie schon wieder Termin an Termin reiht. Am Wochenende hat er mit Christian Lohse in seinem Stoi-Restaurant Sterneküche serviert. Am Montagmorgen wurde eines seiner Wagyu-Rinder geschlachtet. Und wenige Tage vor dem Fest brummt es im Hofladen – der hier Stoi-Shop heißt – in dem es das biozertifizierte Edelfleisch zu kaufen gibt. Dazwischen ist Lucki, der Tausendsassa, der das große Wagyu-Orchester dirigiert und zwischen Büro, Shop und Stall auch noch Fernsehproduktionen und Interviews quetscht.
„Großer Christbaum, Kripperl, Bescherung
Wie feiert also so ein Energiebündel Weihnachten? Wie erreicht ein Lucki Maurer den maximalen Besinnlichkeits-Modus? Ganz traditionell, verrät der beliebte Fernsehkoch. „Sehr romantisch“ verbringe er den Abend mit seiner Frau Steffi, den Schwiegereltern und Eltern. „Großer Christbaum, Kripperl, Bescherung, Glühwein, Platzerl“, zählt er auf. „So, wie man sich Weihnachten eben vorstellt.“ Das sei auch seinen Eltern immer sehr wichtig gewesen, den Heiligen Abend in einem familiären Rahmen zu feiern. Denn der Advent war im Hause Maurer stets turbulent, sagt der 43-Jährige. Dabei wurde wohl hier der Grundstock gelegt, dass aus dem kleinen Lucki der Entertainer wurde, der an der Seite von Kollegen wie Tim Mälzer, Roland Trettl oder Stefan Marquard, den er als seinen kulinarischen Ziehvater bezeichnet, beliebte Fernsehformate belebt.
Lesen Sie hier: Lucky Maurer gibt Tipps für die Grillsaison
Die Familie Maurer bot damals in ihrem Betrieb, dem Waldschlößl in Neukirchen b. hl. Blut, dreitägige Arrangements an, bei denen sich die Gäste auf die Weihnachtszeit einstimmen lassen konnten. „Mit Ausflügen nach Passau oder Regensburg und buntem Abendprogramm.“ Der Schulbub Lucki spielte weihnachtliche Weisen auf dem Akkordeon, sein Bruder Sepp musizierte auf dem Keyboard, dazwischen sagten sie Gedichte auf, die Mama spielte mit dem Vater Sketche, las lustige Geschichten vor und verkleidete sich als Nikolaus. Sogar ein Krippenspiel inszenierten sie. Das habe von der ersten Klasse bis in die Pubertät seine Einstellung zum Fest geprägt. „Bis heute verbinde ich das Musizieren und Gedichte aufsagen mit Weihnachten“, sagt Maurer. Und ja, durch diesen tagtäglichen Umgang mit den Gästen habe er wohl auch die Scheu vor öffentlichen Auftritten abgelegt. „Da hieß es: Der Stammgast an Tisch 8 hat heute Geburtstag. Geh hin und sag ein Gedicht auf“, erinnert sich Maurer.
Heute folgt ihm ein Millionenpublikum in Shows wie „Kitchen impossible“. „Landfrauenküche“ oder auf seinen Food-Reportagen. Seine offene und unverblümte Art kommt an. Doch 2022 wurde es plötzlich sehr ruhig um den Niederbayern. Völlig unvermittelt bekam Maurer seine zweite Krebsdiagnose, nachdem er als 18-Jähriger bereits ein weit vorgeschrittenes Stadium von Lymphdrüsenkrebs überlebte. Nun fanden die Ärzte zwei Geschwüre in seinem Darm. „Aber nun wusste ich schon, wie man dem Mistvieh entgegentritt.“ Ganz nüchtern, ganz pragmatisch, habe er den Kampf aufgenommen. Er zog sich ins Private zurück, um nicht mit Durchhalteparolen auf WhatsApp überschwemmt zu werden, sagt er. „Ich wollte während der Zeit der Therapie meine Ruhe haben.“ Am Klinikum in Straubing wurde er operiert. Vor dem Eingriff habe ihm der Professor Mut gemacht, erzählte er kürzlich im Podcast „Rolling Pin“. „Den Auspuff kriegen wir wieder hin“, sagte er zu Maurer und traf damit genau dessen Humor.
Wie die Kinder von Angelina Jolie und Brad Pitt
Mit Humor, emotionaler Stärke und dem festen Vorsatz wieder gesund zu werden, ging Maurer in die Chemotherapie. Die größte Herausforderung für den Genesungsprozess sei, den Stress zu minimieren, sagt er. Es falle ihm schwer, interessante Angebote für Fernseh-Reportagen, Catering bei tollen Heavy Metal Bands oder etwa ein Kochspecial mit The Boss Hoss auszuschlagen. Aber er tue viel für seine Gesundheit, lebe sehr bewusst und esse wenig rotes Fleisch. Er habe das Rauchen aufgehört, achte auf seinen Alkoholkonsum und halte sich körperlich fit. Die Arbeit im Stall sei eine körperliche Betätigung, die seinen Tagesrhythmus bestimme.
Lesen Sie hier: Reise in die Vergangenheit
Dabei nennt sich Maurer einen „faulen Landwirt“, da er weder Ackerbau noch Mutterkuhhaltung betreibt. Seine 60 bis 70 Wagys leben so natürlich, wie dies im Umfeld eines landwirtschaftlichen Betriebs nur möglich ist. Zuchtbulle „Taipan“, Abkömmling eines World Champions, den sich Maurer als Geschenk zum 40. Geburtstag machte, zeugt seinen Nachwuchs selbst. Der Züchter achtet dabei lediglich darauf, ihm die schönsten Damen vorzuführen. „Das Ergebnis musst du dir vorstellen, wie die Kinder von Angelina Jolie und Brad Pitt“, ordnet Maurer seine Jungtiere ein. Vier, manchmal auch fünf Jahre wachsen die Rinder heran. Ein schlachtreifer Ochse bringt an die 1000 Kilo auf die Waage. Als Vertreter der „Nose to Tail“-Philosophie, bei der das ganze Tier verwertet wird, hat Maurer seinen persönlichen Umgang mit der Nutztierhaltung gefunden, wenngleich er sagt, dass die Schlachtung für ihn bis heute mit Emotionen verbunden ist.
Und während seine Rinder an Weihnachten an so mancher Festtafel kredenzt werden, verzichtet Maurer selbst darauf. Seine Schwiegermutter sei die beste Köchin der Welt und werde ihn mit Mettenwürsten, Ente, Knödel und Blaukraut am ersten Weihnachtsfeiertag und einem „abgefahrenen“ Schweinefilet mit Bananen-Currysoße am zweiten Feiertag verwöhnen. Und auch einen Profitipp hat Maurer noch parat: Gans und Ente vorgaren, einfrieren und am Festtag im Backofen bei niedriger Temperatur und kurzem Übergrillen regenerieren. Dann haben auch die Hausfrauen ein entspanntes Fest mit ein wenig Rock‘n‘Roll und ganz viel Stille Nacht.