Busse fahren bald auf dem Donau-Radweg: Straße nach Bach wird längere Zeit gesperrt

Von Micha Matthes · 21. Dezember 2023 um 05:00

Der kleine Weinbauort Bach liegt malerisch im östlichen Landkreis. Er liegt aber auch genau an einer Engstelle. Denn Bach ist für Autofahrer nur über die Staatsstraße 2125 von Donaustauf oder Wörth aus zu erreichen. Und genau die soll in den nächsten beiden Jahren ausgebaut werden. Damit einher geht eine Sperrung, die zu erheblichen Beeinträchtigungen führen wird.

Die Situation ist so ausweglos, dass die Busse der Gesellschaft zur Förderung des öffentlichen Personennahverkehrs im Landkreis Regensburg mbH (GFN) in beiden Fahrtrichtungen auf den bei Touristen, aber auch Einheimischen, sehr beliebten Donau-Radweg ausweichen sollen. Für die GFN sei damit eine gute Lösung gefunden worden, sagt Geschäftsführer Josef Weigl. Es werde zwar schon zu Beeinträchtigungen und Verspätungen kommen. Aber die Taktung bleibe, fast alle Haltestellen könnten wie bisher bedient werden. Für die Busse im Gegenverkehr seien am Donau-Radweg auch bereits Ausweichstellen geschaffen worden. „Wir kommen da gut weg.“

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Umleitung über Wörth: Sehr weiter Umweg für Autofahrer

Diese Umleitung gilt allerdings nur für die Busse. Autofahrer müssen einen großen Umweg in Kauf nehmen und können den Ort nur noch über Wörth anfahren. Die offizielle Umleitung verläuft ab Sulzbach/Donaustauf über die Donaubrücke bei Donaustauf, die B 8 und die Donaubrücke bei Pfatter zurück zur St 2125 bei Wiesent. Gemeindebürger von Bach sollen allerdings auf dem Donau-Radweg geduldet werden. Wie das dann letztlich kontrolliert werden soll, dazu möchte sich die Polizeiinspektion Wörth im Augenblick noch nicht festlegen. Das wäre noch zu früh, sagt Polizeihauptmeister Christian Kurth. Noch liege keine verkehrsrechtliche Anordnung vor.

Zur Baustelle selbst sagt Manfred Rieger, Abteilungsleiter Straßenbau im Staatlichen Bauamt: Es sei bereits mit Vorarbeiten begonnen worden. Ab Anfang März bis Ende April werde dann die Niederschlagsentwässerungsleitung in Neudemling gebaut. Dazu sei wegen der beengten Verhältnisse eine Vollsperrung der St 2125 erforderlich.

Sperrung für Straßenneubau zwischen Neudemling und Bach

Für den ersten eigentlichen Straßenbauabschnitt werde derzeit die Ausschreibung vorbereitet, sagt Rieger. Dieser umfasst den Straßenneubau zwischen Neudemling und Bach. Dafür sei ebenfalls eine Vollsperrung erforderlich. „Ziel wäre eine Bauzeit von Mai bis Ende 2024. Ob mit dem Bau im Mai tatsächlich begonnen werden kann, hängt von der momentan noch nicht entschiedenen Haushaltsplanung für 2024 ab.“ Bach ist über die St 2125 aus Richtung Wiesent während der gesamten Bauzeit immer zu erreichen. Der zweite Bauabschnitt umfasst dann den Straßenneubau zwischen Sulzbach und Neudemling. Die Umsetzung ist 2025 geplant.

Gemeinderäte aus Bach und auch die BI Bach, die sich in Zusammenhang mit der Verlegung des Flüchtlingsschiffes MS Rossini in den Ort Anfang des Jahres gegründet hatte, haben wegen dieser Baustelle schon große Bedenken geäußert. Denn Ende Februar soll das Hotelschiff, das der Landkreis als Notunterkunft für bis zu 200 Flüchtlinge nutzt, erneut in Bach anlegen – „was sicherlich die Logistik für das Schiff und die sich darauf befindlichen Menschen nicht vereinfachen dürfte“, sagt etwa Gemeinderätin Gertraud Rissmann (CBV). Donaustauf sei infrastrukturell wesentlich besser angebunden.

Die BI Bach sieht Folgen für Berufspendler und Schüler. Aber auch die Versorgung der MS Rossini mit Wasser, die Dieselbetankung und die Ver- und Entsorgungsfahrten für das große Hotelschiff spielten eine Rolle. Diese seien bereits ohne Vollsperrung schwierig, weiß die BI aus den Erfahrungen der Vergangenheit.

Wo rollen die Versorgungslaster zum Flüchtlingsschiff MS Rossini?

Das Landratsamt schreibt dazu: In der Phase des ersten Abschnitts sei die Versorgung der MS Rossini ohne Einschränkungen möglich. „Welche Auswirkungen der zweite Bauabschnitt hat, kann zum jetzigen Zeitpunkt nicht gesagt werden.“ Das Landratsamt werde in jedem Fall für eine Versorgung des Schiffes sorgen. Die Frage, auf welcher Route die Versorgungsfahrzeuge zum Anleger gelangen, lässt das Landratsamt unbeantwortet.

Bei gastronomischen Betrieben vor Ort, die ja auch vom Tourismus leben, sind die Meinungen durchwachsen. Die Besucherzahlen bei Walhalla und Nepalpark nähmen zu. Daher werde der Tourismus sicher weiterfunktionieren, sagt Raja Glötzl, Inhaberin des Bacherer Landgasthofs. Gäste aus Regensburg müssten Bach dann halt von der anderen Seite anfahren. Für die Radfahrer sei diese Situation sicher auch nicht einfach, sagt ihr Mann Peter Glötzl. Insgesamt gebe es da bestimmt Einbußen. Jetzt werde noch die Mehrwertsteuer angehoben und gleichzeitig stiegen Strom- und Lebensmittelpreise. „Abgesperrt und dann auch noch teurer – das wird sicher nicht viele anlocken.“

Karl Eibl von der gleichnamigen Weinstube sieht der Situation entspannt entgegen. An der Baustelle könne man nichts ändern, die Straße müsse nun mal gemacht werden. „Diejenigen, die zu uns kommen wollen, werden trotzdem zu uns kommen“, sagt er.

Das sagen Tourismusverband Ostbayern und ADFC Regensburg:

Ulrike Eberl-Walter, Pressereferentin des Tourismusverbands Ostbayern, bei dem auch Stadt und Landkreis Regensburg Mitglieder sind, bleibt gelassen. „Die Tatsache, dass der ÖPNV für einige Zeit auf der gleichen Trasse unterwegs sein wird, wird sich nicht auf den Donau-Radtourismus auswirken“, sagt sie. „Wir sind sicher, dass die Fachstellen sensibel abgewogen haben, wie der Verkehrsfluss bei der Straßensperrung bestmöglich zu lösen ist.“ Bei entsprechender Rücksichtnahme auf die jeweils anderen, werde keiner die Begegnung als Störung empfinden, sondern als Einschränkung für eine gewisse Zeit.

Durch Schulung der Linienbusfahrer müsse sichergestellt werden, dass die Rücksichtnahme auf Radfahrer vordringlich zu beachten ist, sagt Klaus Wörle, Vorsitzender des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs in Regensburg. Auch der Radverkehr müsse durch Schilder verständnisvoll informiert werden. Ansonsten könne der Unmut Einzelner z. B. über soziale Medien schnell eine nachhaltig negative Stimmung gegen den Donauradweg oder die Region bewirken. Es sei zu befürchten, dass die Umleitung auch durch skrupellose Autofahrer genutzt werde. Es könne wohl höchstens punktuell kontrolliert werden. Bußgelder seien lächerlich gering.

Wenn die Hauptstraße gesperrt wird, bleibt als geteerte Ost-West-Verbindung in Bach eigentlich nur noch der Radweg neben der Donau übrig. Foto: Stefan Satz