Gedenkveranstaltung in Schwandorf: Opfer des rassistischen Brandanschlags sind unvergessen

35 Jahre. So lange ist es her, dass bei einem rassistischen Brandanschlag auf das Habermeier-Haus in Schwandorf vier Menschen gestorben sind. Jetzt hat die Stadt wieder an die Opfer erinnert – und ein Zeichen gegen rechte Gewalt gesetzt.
Etwa 40 Menschen hatten sich am Montag vor dem ehemaligen Habermeier-Haus versammelt. Genau hier geschah das Unfassbare: Ein 19-jähriger Neonazi hatte einen Brand gelegt. In einem später widerrufenen Geständnis hatte Josef S. behauptet, dass er die „Ausländer nur ärgern“ habe wollen.
Tat wurde in Schwandorf lange verdrängt
Es war Rassismus, der die Leben der türkischen Familie Osman, Fatma und ihrem Sohn Mehmet Can, aber auch das von Jürgen Hübener forderte. Viele weitere Menschen wurden teils schwer verletzt.
Und doch war die Tat jahrelang fast vergessen. Auch die Stadt hat sich lange gegen ein Gedenken gesträubt. Bis heute fallen eher die Namen der Städte Mölln oder Solingen, wenn es um rechte Anschläge geht. Dort forderte Rassismus 1992 und 1993 mehrere Todesopfer.
In Schwandorf hat erst langsam ein Umdenken eingesetzt. Es hat 19 Jahre gedauert, bis 2007 eine Gedenktafel für die Opfer angebracht wurde, und 28 Jahre, bis 2016 ein größerer Gedenkstein am Schlesierplatz aufgestellt wurde. Eine offizielle Gedenkstunde der Stadt gibt es seit 2009 – ganze 21 Jahre nach der Tat.
Und so stand Oberbürgermeister Andreas Feller (CSU) am Montag wieder vor der Gedenktafel. An seiner Seite übersetzte Ferdi Eraslan die Rede ins Türkische. Unter den Gästen waren Stadt- und Kreisräte, Alt-OB Helmut Hey, Vertreter der katholischen und evangelischen Kirche sowie der türkisch-islamischen Gemeinde. Zudem nahmen Vertreter des türkischen Generalkonsulats teil.
Feller zollte Leyla Kellecioglu „höchsten Respekt“, dass sie bis heute in Schwandorf ihren Lebensmittelpunkt hat – obwohl sie bei dem Anschlag ihre Eltern und ihren jüngeren Bruder verloren hat. Das gelte auch für die Hinterbliebenen der Familie Hübener. „Wir stehen an Ihrer Seite“, sagte Feller. Der Brandanschlag dürfe „niemals vergessen werden – aus Respekt und Demut den Opfern und ihren Angehörigen gegenüber“.
„Erinnern, mitfühlen, aber auch mahnen“
Man wolle „erinnern, mitfühlen, aber auch mahnen, dass mit aller Entschlossenheit gegen rechtsextremistische Bedrohungen vorgegangen werden muss“. Rassismus, Hass und Hetze müssten „entschieden bekämpft werden“.
Die Welt sei noch immer kein friedlicher Ort, sagte der OB und erinnerte an radikale Gruppen, die Angst und Schrecken verbreiten sowie „mit gewaltsamen Übergriffen die Demokratie untergraben“ wollen . Man müsse in allen Bereichen entschieden gegen Hetze und Verleumdungen eintreten. Denn, so Feller: „Wir müssen uns darüber im Klaren sein, wohin Verblendung, Intoleranz, Fremdenfeindlichkeit, Hass und Gewalt gegenüber Andersdenkenden oder Menschen anderer Herkunft oder gegenüber Schwachen führen.“ Der Brandanschlag sei dafür nur ein Beispiel.
Die Stadt werde „alles daran setzen, dass sich eine solche Tat nicht wiederholt“, versprach Feller. „Rechte Hetze und Gewalt dürfen keinen Platz haben.“ Man müsse Verantwortung übernehmen und dürfe nicht wegsehen, wenn Mitbürger wegen ihrer Abstammung oder ihrer Religion belästigt, diskriminiert oder angegriffen würden.
Auch die türkische Generalkonsulin Fatma Tasan Cebeci brachte ihr Mitgefühl mit den Hinterbliebenen zum Ausdruck. Sie erinnerte an die Anschläge, die auf Schwandorf gefolgt sind, sowie an die rechtsterroristischen Morde des NSU. Auch aktuell würden die Aktivitäten und die Rhetorik rechtsextremer Kreise weiter für Unruhe sorgen, so die Diplomatin.
Nur gemeinsam stark
Es sei notwendig, den Aufstieg der extremen Rechten in Deutschland und Europa genau zu analysieren – um zu verhindern, „dass sich solche schrecklichen Ereignisse wiederholen“. Sie rief dazu auf, Menschen anderer Herkunft nicht als Ausländer zu sehen, sondern als wesentlichen Bestandteil des Landes. Es brauche Solidarität und gesunden Menschenverstand.
Denn, so Cebeci: „Nur gemeinsam und entschlossen sind wir stark genug gegen jegliche Angriffe und Gefahren, die eine Bedrohung für die deutsch-türkische Freundschaft darstellen.“ Auch deshalb sei das jährliche Gedenken in Schwandorf von besonderer Bedeutung. Aus der Stadt werde so eine „klare Botschaft gesendet, dass kein Platz für Fremdenfeindlichkeit und Rechtsextremismus ist“.
Dieses Miteinander symbolisierte auch das ökumenische Friedensgebet, das der katholische Pfarrer Christian Kalis, sein evangelischer Kollege Stefan Drechsler und Imam Yasar Yildiz von der türkisch-islamischen Gemeinde zu Schwandorf gestalten. Zum Abschluss legten die Teilnehmer vor dem Gedenkstein Blumen nieder.