Freundschaft der langen Wege: Das nächste Neustadt-Treffen findet in Rumänien statt

Städtepartnerschaften gibt es viele im Landkreis Kelheim. Doch wie sinnvoll sind Partnerschaften mit Kommunen, die weit entfernt sind? Darum ging es jetzt im Hauptausschuss des Neustädter Stadtrats.
Anlass war eine Einladung im Rahmen der Organisation „Neustadt in Europa“. Sie ist eine der größten Städtefreundschaften in Europa und umfasst 36 Städte, Gemeinden und Ortsteile mit dem Namen „Neustadt“ in sieben mitteleuropäischen Ländern, davon 27 in Deutschland, zwei in Österreich, drei in der Tschechischen Republik, eine in Polen, eine in den Niederlanden, eine in der Slowakischen Republik und eine in Rumänien. Einmal im Jahr treffen sich Delegationen in einem der Neustadts.
Im Sommer war Neustadt a.d. Donau Gastgeber für die Organisation und die in ihr zusammen geschlossenen Kommunen. Anlass war das Stadtfest und das Jubiläumsjahr „750 Jahre Stadtrechte". Als sich die Delegationen in Neustadt a.d. Donau trafen, sah es noch ganz so aus, als würde es im kommenden Jahr kein Treffen geben. Doch da legte unerwartet Cristian Neustadt aus Rumänien eine Einladung für August 2024 vor.
„Rumänien?“ dürfte es da manchem Neustädter Stadtrat durch den Kopf gefahren sein. Ein Gedanke: sehr weit weg. Bisher hatten die Treffen vor allem in Deutschland stattgefunden.
Entfernung und Kosten
Die große Entfernung und die damit verbundenen Kosten schlugen sich deshalb auch unlängst in der Sitzung des Kulturausschusses nieder. Im Hauptausschuss ging es vor wenigen Tagen ein weiteres Mal um das Thema. Klar war, dass eine Teilnahme nicht abgelehnt werden konnte, nachdem Neustadt a.d. Donau Gastgeber im Jahr 2023 gewesen war.
Cristian Neustadt wurde im Jahr 1200 gegründet, hat 5720 Einwohner und befindet sich sieben Kilometer entfernt von Kronstadt/Brasov, was nahe an der einstigen östlichen Grenze des österreich-ungarischem Kaiserreichs in den Karpaten ist.
Aber es ist eben eine weite Reise bis nach Cristian Neustadt. Im Hauptausschuss hieß es deshalb unmissverständlich: „Eine Busreise kommt aufgrund sehr hoher Kosten und der langen Fahrtdauer von bis zu 24 Stunden nicht in Frage.“ Also doch absagen? Das wollten die Mitglieder mit Hinweise auf die Ausrichtung des Treffens in diesem Jahr in Neustadt a.d. Donau auch nicht.
Während Stadtrat Anton Stadler (CSU) klar für die Teilnahme plädierte, wies Elke Wolf (WGMG) auf die hohen Kosten hin. Für die sechstägige Reise nach Rumänien seien 1100 Euro pro Person veranschlagt worden – ohne Mahlzeiten. Da würden auch die 300 Euro Zuschuss, die im Beschlussvorschlag des Hauptausschusses pro Person genannt wurden, nicht helfen, meinte sie. Zweiter Bürgermeister Günter Schweiger (WGS) stimmte zu. „Neustadt-Treffen sollten in Zukunft nicht nur etwas für privilegierte Familien sein“, meinte er.
Bernhard Rieger (SPD) verwies auf den Werbewert der Treffen, die diese für die beteiligten Kommunen mit sich brächten. Aber, sagte er weiter, es müsse auch den Kontakt zu den Menschen und innerhalb der Organisation geben. „Das ist eine der Aufgaben der Arbeitsgemeinschaft ‘Neustadt in Europa‘“, betonte Rieger. Richtig glücklich war Rieger über die Einladung dennoch nicht. „Das ist keine langfristige Geschichte“, meinte er.
Auch erster Bürgermeister Thomas Memmel (CSU) hatte leichte Bauchschmerzen aufgrund der Einladung. Er sagte, dass es für das Treffen in Rumänien keine Entscheidung der Arbeitsgemeinschaft „Neustadt in Europa“ gebe.
Kritische Worte im Gremium
Kritische Worte fielen im Gremium schließlich auch noch an die Adressen anderer Kommunen in der Region, die Partnerschaften in Übersee haben. „Wer kann denn daran als normaler Bürger teilhaben“, fragten sich Neustädter Stadträte. „So eine Partnerschaft soll doch auch die Möglichkeit beinhalten, dass man sich trifft.“
Die Lösung im Fall des Neustadt-Treffens in Rumänien im August 2024 fiel im Hauptausschuss nach ausführlicher Diskussion einstimmig aus. Es sollen bis zu 15 Flüge gebucht werden.
Die Teilnehmer werden in einem Hotel in der Nähe von Christian Neustadt untergebracht und erhalten einen Zuschuss in Höhe von 300 Euro pro Person zu den Gesamtkosten, die jeder Person entstehen. Zu den Kosten für Flug und Übernachtungen kommen auch noch die Kosten für Ausflüge und Mahlzeiten.
