Pilotprojekt: Stadt Cham saniert Kanäle mit Einlege-Schläuchen für 4,1 Millionen Euro

Von Johannes Schiedermeier · 15. Dezember 2023 um 05:00

Viele Kommunen stehen auf dem Schlauch, wenn sie kilometerweise ihre Abwasserkanäle sanieren sollen. Die Stadt Cham macht das nun zur Methode. Sie will marode Kanäle in einem bayernweiten Pilotprojekt durch Einziehen von Kunststoffschläuchen sanieren. Der Stadtrat ließ sich durch eine Reihe von Vorteilen überzeugen: schnelles Verfahren, Langlebigkeit, preiswerte Methode.

Mehr als vier Millionen Euro will die Stadt 2024 in Kanal und Abwasser investieren. So soll die Pumpstation in Ried am Sand für rund 630000 Euro erneuert werden. Pro Jahr werde rund eine Million Euro an Förderung ausbezahlt. Allerdings müsse die Stadt dabei vorfinanzieren, so Bürgermeister Martin Stoiber.

Bauingenieur Josef Ried berichtete über die Erneuerung der Pumpstation Ried am Sand über die das Abwasser in Richtung Vilzing gepumpt werde. Die Erneuerung sei rentabler und erhalte die Fäkalienentsorgung aufrecht während des Neubaus. Für den Eigenbedarf werde eine Photovoltaik installiert. Die Lieferzeit liege in etwa bei einem dreiviertel Jahr. Der Stadtrat genehmigte das Projekt.

Einlegeschlauch in Asbest

556000 Euro soll es kosten, den Kanal zwischen Kammerdorf und Altenstadt mit einem Einlegeschlauch in der sogenannten „Inliner-Technik“ zu sanieren. Die Strecke ist 1,4 Kilometer lang, unterbrochen von vier Schächten. Die Sanierung sei nicht einfach, weil die Regierung das Inliner-Verfahren noch nicht zugelassen habe, berichtete Tiefbau-Ingenieur Josef Ried dem Stadtrat. Der Schlauch werde gefaltet und eingezogen. Durch Einblasen warmer Luft passe sich der Schlauch dem Umgebungsrohr an. Das Verfahren sei nun durch das Gewerbeaufsichtsamt als „grundsätzlich mögliches Pilotprojekt“ eingestuft worden. Wenn es funktioniert, so Bauingenieur Ried, dann könne die Stadt für ihre Vorhaben eine eigene Zulassung bestellen.

Die Lage im Landschaftsschutzgebiet sei etwas sensibel, aber die Zustimmung des Landratsamtes sei erteilt worden, weil das Vorhaben nur vorübergehend sei mit einer Bauzeit von sechs Wochen. Eine klassische Sanierung mit Baggereinsatz und Ausbau der Rohre samt Asbestschutz und Entsorgungsprogramm würde laut Ried ein Vielfaches kosten. Während der Sanierung werde das Abwasser durch eine Leitung abgepumpt, die provisorisch neben der Trasse verlegt wird. Die Haltbarkeit werde mit 50 bis 70 Jahren angesetzt. Das entspreche einem Neubau, so Ried.

Die Stadt ist verpflichtet im Zehnjahresrhythmus ihre kompletten Kanäle zu befahren. Das Ergebnis: 57 Kanäle in allen Stadtteilen seien auf 2,4 Kilometern Gesamtlänge zu sanieren. Diese Sanierungen werden laut Ried bis zu einem dreiviertel Jahr dauern. Auch hier sollen wieder Inliner eingebracht werden. In Gegensatz zu Einzelsanierungen wäre diese Gesamtmaßnahme förderfähig. Die Kosten liegen bei 2,3 Millionen Euro.

Projekt Weiherhausstraße

Die Weiherhausstraße hat einen überlasteten Kanal, der eine komplette Sanierung braucht. Die Anlieger sollen im Frühjahr bei einer Versammlung informiert werden. Das Abwasser komme aus dem Bereich beim Panoramapark und habe wegen der Steigung einen enormen Druck. Deshalb sei der Kanal mehrfach übergelaufen. Die Leitung sei schlicht unterdimensioniert auf einer Länge von 350 Metern. Der Querschnitt soll deshalb auf 80 Zentimeter erhöht werden.

Gleichzeitig werde durch die Stadtwerke die Wasserleitung erneuert. Die Straße soll in diesem Zug oberflächensaniert und die gesamte Straßenbeleuchtung erneuert werden bis zur Gartenstraße. Die Gesamtkosten liegen laut Ried bei 10,1 Millionen Euro, wobei der Kanal wieder mit 70 Prozent bezuschusst werde.

Die Kanaltrasse Altenstadt-Kammerdorf soll ebenfalls durch Einlegen eines Inliner-Schlauches saniert werden.