Kein Unfall, kein Ärger: Versenkbare Poller funktionieren auch in Regensburg

Anderswo sind versenkbare Poller sie seit vielen Jahren erfolgreich in Betrieb, in Regensburg musste erst einer getestet werden. Jetzt zieht die Stadt Bilanz.
Die Oberbürgermeisterin war sichtlich erstaunt darüber, wie schnell und geschmeidig der rot blinkende Zylinder im Boden verschwindet. Als am Hunnenplatz vor dem Kolpinghaus der erste versenkbare Poller unter städtischer Regie in Betrieb genommen wurde, eröffnete Gertrud Maltz-Schwarzfischer mit dem Druck aufs Knöpfchen des Handsenders die Testphase. Das ist nun genau ein Jahr her. Zeit also für eine erste Bilanz.
Aus städtischer Sicht schaut diese durchweg positiv aus. Mit einem knappen „Ja“beantwortet die Pressestelle die Frage, ob sich der Poller aus verkehrlicher Sicht bewährt hat. In diesem Fall ist die Wahrheit tatsächlich so einfach. Denn die zwischen dem Kolpinghaus und der Südseite des Bayern-Museums eingerichtete Fußgängerzone, die zuvor von zahllosen Autofahrern fröhlich ignoriert worden war, wurde unpassierbar für sie gemacht.
Spannender war die Frage, wie reibungslos sich der Poller-Betrieb gestalten würde. Tiefbauamts-Leiter Michael Köstlinger verwies vor einem Jahr mit durchaus bangem Blick nach Straubing, wo man in den ersten zwölf Monaten mit versenkbarem Poller mehr als ein halbes Dutzend Unfälle zu verzeichnen hatte, unter anderem war ein Linienbus dagegen gebrettert.
„Katastrophenfreier“ Ablauf
In Regensburg, so berichtet die Stadt, ereignete sich kein einziger Unfall. Ein Umstand, der sicher auch auf den wenig frequentierten Standort zurückzuführen ist. Darüber hinaus seien auch keine technischen Mätzchen aufgetreten: „Es gab weder Störungen noch Ausfälle.“ Zu guter Letzt seien auch keine negativen Rückmeldungen von Feuerwehr, Polizei und Rettungskräften eingegangen, die allesamt mit Handsendern ausgestattet sind und den Poller bei Einsätzen runterfahren können.
Thomas Burger, Chef der SPD-Stadtratsfraktion und seit langer Zeit Fürsprecher von versenkbaren Pollern, überrascht diese positive Rückschau überhaupt nicht. „Mich haben in der einjährigen Testphase erwartungsgemäß keine Meldungen von zerstörten und hochgehobenen Fahrzeugen erreicht“, sagt er und fügt augenzwinkernd hinzu: „Daher freut es mich, dass nun auch in Regensburg ein katastrophenfreies Funktionieren städtischer versenkbarer Poller bewiesen werden konnte.“
Und wie geht es jetzt weiter? Burger hofft auf eine Ausweitung des Feldversuchs: „Ich wünsche mir seit Jahren, dass mit dem Einsatz von versenkbaren Pollern mehr Flexibilität und damit eine zügigere Realisierung einer Verkehrsberuhigung in der Innenstadt ermöglicht wird.“ Die Stadt teilt indes mit, dass es zum aktuellen Zeitpunkt keine konkreten Planungen für weitere Poller gebe.
Warten aufs Altstadt-Konzept
Ihre prinzipielle Einsatzfähigkeit werde aber im Zuge weiterer Planungen zur Verkehrsberuhigung weiter geprüft. Gemeint ist damit das allseits mit Spannung erwartete Konzept zur Verkehrsberuhigung in der Altstadt, an dem derzeit gearbeitet wird. „Ich gehe davon aus, dass hier eine adäquate Einbeziehung von versenkbaren Pollern erfolgen wird“, meint Burger und kündigt an, bei diesem Thema noch einmal nachzuhaken.
KOMMENTAR: Dauert’s wieder so lang?
Versenkbare Poller funktionieren also. So lautet die Erkenntnis nach einem Jahr Testbetrieb am Kolpinghaus. Natürlich ist das alles andere als eine Überraschung. Schließlich gehören versenkbare Poller seit vielen, vielen Jahren zum Straßenbild in vielen, vielen europäischen Städten, wo sie problemlos und effizient ihren Dienst tun.
In Regensburg ist dieses Instrument der Verkehrslenkung auch schon lange ein Thema – allerdings nur in der Theorie. Dem im Dezember 2022 gestarteten Praxistest gingen endlose Debatten voraus, dass man es vielleicht ja irgendwann mal wo probieren könnte.
Nach der geglückten Versuchsphase wäre es nun an der Zeit, so einen Poller an einer wirklich relevanten Stelle aufzustellen. An Standorten, wo massenhaft durchfahrende unberechtigte Verkehrsteilnehmer ein dauerndes Ärgernis darstellen. Am Kohlenmarkt oder am Domplatz zum Beispiel.
Doch haben die diesbezüglichen Überlegungen in den vergangenen zwölf Monaten Fortschritte gemacht? Die ausweichenden Antworten von Verwaltung und Politik lassen diese Frage offen. Im Zweifel dauert’s weiterhin lang, bis Poller wirklich eine Rolle spielen.