Ein offenes Ohr haben und ein Korrektiv sein: Für die Jugendlichen ist Georg Eichinger ein Fixpunkt

Neustart für den Jugendtreff in Abensberg: Georg Eichinger hat sein erstes Jahr als Jugendbetreuer im Gleis 1 hinter sich. Mit seiner Elternzeit wartet in den kommenden Wochen eine neue Aufgabe auf ihn. Im Februar soll es dann im Gleis 1 weiter gehen.
Grenzen aufzeigen, aber auch einen Schutzraum anbieten, ein offenes Ohr haben oder aber auch ein Korrektiv sein: Georg Eichinger muss all dies leisten. Seit Februar betreut er im Gleis 1 die Jugendlichen zwischen 13 bis 19. Im Schnitt sind es 21, „an einem Tag lag der Peak auch schon mal bei 53, da kann es dann schon mal voll werden“, so Eichinger, der nach dem Studium der Sozialen Arbeit mit der Stelle als Jugendbetreuer quasi ins kalte Wasser gesprungen ist. „Als Berufsanfänger ist das schon sehr spannend. Die Jugendlichen testen natürlich ihre Grenzen aus, sind energetisch.“ Nun ist sein erstes Jahr fast rum, mit der Geburt seines Kindes steht ein neuer Lebensabschnitt an.
Stammpublikum aufgebaut
Anders als so mancher Vorgänger konnte Eichinger nur auf wenig „Stammpublikum“ aufbauen. Nach der Coronapause waren die „Alten“ weg, die normalerweise den Neuen erklären, wie es so läuft. Es galt, neue Jugendliche anzuwerben und zu denen erst einmal eine Beziehung aufzubauen. „Ich bin die Schulen gegangen und musste Werbung machen, habe die Eröffnung kommuniziert.“
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Das habe ganz gut geklappt, so Eichinger. Mittlerweile sei das Gleis 1 für einige Jugendliche fast ein zweites Wohnzimmer. Sie kämen nach der Arbeit oder der Schule hier her, um Zeit mit anderen Jugendlichen zu verbringen. Der Billardtisch ist das Herzstück des Jugendtreffs, aber auch der Kickerraum, in den sie sich zurückziehen und ihre Musik anhören können. An einem Boxsack können sie überschüssige Energien loswerden, sofern sie wollen, oder sich beim Airhockey aneinander messen.
Einmal im Monat ist zudem Open Stage, eine offene Bühne, auf der sich auch die Jugendlichen ausprobieren können. Eichinger ist selbst auch Musiker, spielt Gitarre und Schlagzeug und kann den Jugendlichen nicht nur die Musik näher bringen, sondern auch Programme zeigen, mit denen sie sich aufnehmen können. So mancher Teenager sieht hier zum ersten Mal einen Probenraum von innen.
In den Ferien bietet Eichinger zudem verschiedene Aktionen an, wie etwa Graffitisprühen, Eis herstellen oder Lagerfeuer mit Stockbrot, „gerade am Lagerfeuer kommt man ganz gut mit den Jugendlichen ins Gespräch“.
Die Themen, mit denen sich die Jugendlichen beschäftigen, seien die „klassischen Entwicklungsthemen“, wie Eichinger sagt: Freundschaften, Beziehungen, Mediennutzung oder auch der Einstieg ins Berufsleben und Ausbildung. Auch gesellschaftspolitische Themen gehen nicht an den Jugendlichen vorbei. „Die politische Sozialisation findet ja im Teenageralter statt“, so Eichinger. Gerade die Auseinandersetzung mit Medien oder mit Musik – Deutschrap ist bei einigen Jugendlichen sehr beliebt – nimmt Eichinger gerne zum Anlass, um über die Inhalte zu sprechen, „es ist immer gut, wenn man als erwachsene Person auch mal dagegen anhält“. Sich auch kritisch-reflexiv mit Tic Toc und Co. auseinander zu setzen, das ist ihm wichtig. „Jeder soll sich hier wohlfühlen“, sagt Eichinger. Aber freilich ist auch im Gleis 1 nicht immer alles Friede, Freude, Eierkuchen. Manchmal heizt sich die Stimmung ein bisschen auf zwischen dem einen oder anderem Jugendlichen, unterschiedliche kulturelle Hintergründe spielen da sicherlich auch eine Rolle. Eichinger mischt sich nicht ein, schlichtet aber, wenn die Jugendlichen den Konflikt nicht alleine lösen können: „Die müssen lernen, wie man gut mit Konflikten umgeht.“
Gut zuhören ist wichtig
Wenn dann – was ganz selten vorkommt – einer sich gar nicht am Riemen reißen kann, dann schickt ihn Eichinger auch mal nach Hause. „Auch verbal gibt es Dinge, die ,no go‘ sind.“ Als letztes Mittel gibt es auch schon einmal zeitweiliges Hausverbot, dann heißt es ,„für heute reicht es“. Wenn der Jugendliche dann wieder kommt, ist es Eichinger wichtig, noch einmal ein nachbereitendes Gespräch zu führen, auch zu erläutern, warum es das Hausverbot gab.
Ein ,No Go‘ sind im offenen Betrieb Alkohol, oder gar Drogen. Auch das Rauchen ist hier verboten. Was die Teens außerhalb des Gleis 1 machen, darauf hat Eichinger natürlich nur wenig Einfluss, eine gewisse Selbstverantwortung gehöre zum Erwachsenwerden dazu. Wohl aber kann er „offen und ehrlich mit ihnen reden und ein paar Infos zur Verfügung stellen, ich glaube, das ist das Wichtigste“.
Gut zuzuhören sei auch wichtig, selbst wenn einem Dinge, die man hört, vielleicht nicht gefallen. Man sollte dann zumindest erst einmal ein wohlwollendes Gespräch suchen, ohne den erhobenen Zeigefinger von Eltern. Eine Leitplanke sein in den Wirren der Jugend, das, und nicht weniger, ist Eichingers Aufgabe.
Treffpunkt für Jugendliche, Veranstaltungsort für Konzerte:
Gleis 1: Bis Februar ist der offene Treff jetzt erst einmal zu. Voraussichtlich ab 20. Februar ist wieder geöffnet. Das Jugendzentrum ist immer dienstags und donnerstags von 16 bis 20 Uhr und freitags von 15 bis 21 Uhr geöffnet.
Georg Eichinger ist zu den Öffnungszeiten unter der Telefonnummer (0 94 43) 9 10 35 27 zu erreichen.
Verein: Der Verein Jugend- und Kulturzentrum Abensberg e.V. ist Kooperationspartner. Er veranstaltet immer wieder Konzerte im Gleis 1, auch die Open Stage, die offene Bühne, auf der sich lokale Musiker spontan ausprobieren können gehört dazu.
Der Verein ist auch offen für jene, die musikalischen Anschluss suchen, und zwar per E-Mail an jugendzentrum-abensbger@web.de.