Verschneit, verräumt, verrostet? Winter in der Fahrradstadt Regensburg

Von Daniel Pfeifer · 7. Dezember 2023 um 18:00

Der Wintereinbruch machte aus herrenlosen Schrotträdern abstrakte Schnee-Skulpturen und aus manchen Fahrradwegen unbefahrbare Schlitter-Pisten. Die Stadt Regensburg geht gegen beide Probleme mal mehr mal weniger vor. Und ein Fahrrad-Experte erklärt, was der Winter mit Drahteseln macht, die im Tiefschnee draußen stehen.

• Stadt entfernt Schrotträder: Wie Kunstwerke ragen sie aus Schneehaufen, wie Mahnmale blockieren sie Stellplätze: herrenlose Fahrräder. Allein der neue Parkplatz am Hauptbahnhof zählt 150 Räder, die offensichtlich seit dem ersten Schnee des Jahres nicht mehr bewegt wurden, bei einigen fehlen Teile, andere rosten vor sich hin. In der Altstadt ist es ähnlich. Dort hat die Stadt Regensburg nun wieder eine Aufräum-Aktion gestartet. Seit November wurden 100 „eindeutig als Abfall identifizierbare Fahrräder“ entsorgt und „verwahrlost aussende Fahrräder“ vorgemerkt bis zu einer Nachbegehung im Januar 2024, wie die Stadt schreibt.

• Warum manche Radwege nicht geräumt werden: Auch Tage nach dem Schneefall waren einige vielbefahrene Radwege noch ungeräumt – auf der Klenzebrücke oder nahe der Albertstraße zum Beispiel. Die Stadt teilt mit: „Je nach Witterung können die Leistungen im Winterdienst von Einsatz zu Einsatz stark variieren und müssen priorisiert werden.“ Oft zulasten des Radwegenetzes. Eine Rangordnung unter Radwegen gebe es nicht. Manchmal gelten Sonderlagen: So hat die Klenzebrücke keinen Platz für Räumschnee, außer am Radweg. Dass doch manche Radwege besser aussehen als andere, ergebe sich laut Aussage der Stadt dadurch, dass vor allem an Radwegen entlang von Straßen Salz gestreut wird und auf separaten Wegen eine 10:1-Mischung aus Splitt und Salz. Für all diese Fälle gibt es aber auch ein ausgewiesenes „Radwegenetz Winter“ in Regensburg.

• Tipps vom Radmechaniker: Selbst wenn man sein Rad nicht öffentlich entsorgt, sondern nur für den Winter zwischenlagert, sollte man ein paar Dinge beachten. Dass es nicht so gut ist, wenn tagelang Schnee die Kette umhüllt, sollte klar sein. „Eine feuchte Kette zieht allerlei Dreck“, sagt der Regensburger Mechaniker Viktor von Hugo, „aber ein Rad ist ein Outdoorgerät und kein Kuschelhund.“ Den Winter halte so ein Rad schon aus, eine rostige Ketten sei aber dennoch schlecht für die Ritzl vorne und hinten. Daher hat er Tipps: Salz und Schmutz mit dem Autowäsche-Dampfstrahler abwaschen, Winterfett gegen den Rost auftragen und im Frühjahr zur Wartung. „Am besten bei einer lokalen Radwerkstatt“, sagt von Hugo grinsend.

Eine Schlitterpartie war der Radweg nahe der Albertstraße auch noch Mitte der Woche.
Auf der Klenzestraße der Radweg komplett von Schneehaufen bedeckt. Es ist eine Sondersituation: Der Schnee von der Straße und vom Gehweg darf nicht auf die Gleise unter der Brücke, deswegen muss er auf den Radweg geschoben werden.