Pferdeprofi Bernd Hackl ist nach Aus seiner Vox-Sendung bereit für neue Abenteuer

Irgendwo tue es noch weh – schließlich habe er die Sendung mit aufgebaut und zehn Jahre lang begleitet, sagt Bernd Hackl. Doch der Mann, der einem Millionenpublikum aus der Vox-Serie „Die Pferdeprofis“ bekannt ist, weint trotz des leisen Schmerzes dem abgesetzten Format an sich keine Träne nach.
Es seien mehr die über die Jahre liebgewonnenen Menschen gewesen, die er wie seine Co-Trainerin Kerstin Rester vermissen.
Ansonsten seien die teils stressigen Drehtage wie auch die finanzielle Vergütung dafür wenig, was man vermissen müsse, sagt er im Reiterstübchen der 7P-Ranch im verschneiten Bruckmühl in der Gemeinde Michelsneukirchen beim Kaffee. Die Serie sei vor allem eine gute Werbeplattform gewesen, um bekannt zu werden. Schließlich schauten zeitweise über eine Millionen Zuschauer hin, wie Bernd Hackl und Kerstin Rester störrische, ängstliche oder traumatisierte Pferde wieder zugänglich machten.
Das Aus in Corona-Zeiten
Auch nach dem Ende der Serie, die nach Meinung von Bernd Hackl mit Ansage des Inhabers der Produktionsfirma 2022/23 ins Abseits gebracht wurde, dürfte der Oberpfälzer der bekannteste Pferdetrainer Deutschlands sein. 2021 trennten sich die Wege Hackls und des Fernseh-Teams. Die Trennung sei letztlich eine Folge von Corona gewesen. Nachdem er bei den ersten zwei Impfungen massive Probleme gehabt habe, habe er eine dritte abgelehnt.
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Bei den ersten Impfungen habe er spastische Lähmungen gehabt, Erstickungsanfälle und habe am Ende weinend im Stall gestanden, weil er gedacht habe, alles sei verloren, weil er nichts mehr machen konnte: „Ich habe schief auf dem Pferd gesessen, aber gedacht, ich sitze gerade!“ Ihm sei mit der Impfung der Gleichgewichtssinn abhandengekommen. Ohne das Einspringen seiner Co-Trainerin und Schwägerin Kerstin Rester wäre es damals vorbei gewesen, ist sich Hackl sicher.
Seine Impfablehnung aus gesundheitlichen Gründen habe der Inhaber der Produktionsfirma der Serie nicht akzeptiert, ihn als Querulant dargestellt, gar in eine rechte politische Ecke gestellt. Daher hätten sich die Wege getrennt, erläutert Hackl. Und im Anschluss war auch schnell ganz Ende mit den Vox-Pferdeprofis, nachdem Tierfreunde gegen einen neuen Trainer und sein Tun auf die Barrikaden gegangen waren. Wobei Hackl darin ein bewusst gewolltes Aus durch den Firmeninhaber sieht, der immer getönt habe, das das Reiten von Pferden verboten gehört.
Und was hieß das TV-Ende für ihn und seine 7P-Ranch? Finanziell sei daraus kein Problem entstanden, vielmehr habe es keinen Stress mehr mit TV-Aufnahmeterminen gegeben. Und nach dem Aus sei es zudem sogar zu einem Schub an Öffentlichkeit für die Ranch und seine Arbeit gekommen. „Die Leute haben gemerkt, dass ich nicht irgendein TV-Fuzzi bin“, sagt er.
Also hat er jetzt mehr Zeit für die Familie? Bei der Frage lachen beide – Simone Rester und Bernd Hackl. Mehr Zeit hätten sie dann für schon länger geplante, eigene Produktionen gehabt. So bauten sie einen Youtube-Kanal für Pferdefreunde auf, wie die 7P-Coffee Time. Der Kanal habe mittlerweile 30.000 Follower, die sich an Tipps, Expertengesprächen und einem Extra-Mitgliederbereich mit exklusivem Inhalt erfreuen. Dazu sei das Standbein der Comedytour weitergeführt worden, die in der Corona-Zeit startete.
Und die Ranch? „Alle Boxen sind voll“, sagt Kerstin Rester. Die Nachfrage sei groß. Zum einen sei normaler Reitunterricht im Angebot als Intensivtraining, zum anderen gebe es weiterhin Pferdetraining für Tiere, die Korrekturen brauchten. Da ständen ihnen die beiden Ponyhorses Fips und Ferox zur Seite, „doch das Risiko ist heute kalkulierbarer als zu Vox-Zeiten!“ Man könne sich die Pferde heute aussuchen, die man betreue. Und die Ranch habe viele Stammkunden, die seit Jahren kämen.
Für die Dosis Cowboy
Und mancher komme mit seinem Pferd, um mal „durchzuschnaufen“ in der Ruhe des Landes, um Urlaub in der Region zu machen und das eigene Pferd hier abzugeben: „Das sind die, die sich hier ihre Dosis Cowboy für den Alltag abholen!“ Im Übrigen will Hackl auch noch Rinder anschaffen – für die Pferdeausbildung. Und er will ein professionelles TV-Format produzieren, um es 2025 auf Youtube zu veröffentlichen.
Kerstin Rester und Hackl versuchen zudem, ihren „Cowboygedanken“ an die Besitzer zu vermitteln. Andere Pferdetrainer aus größeren Städten, aus der Schweiz, Belgien oder München, die als Trainer herkamen, hätten die Ruhe vor Ort und die Konzentration auf die Vierbeiner oft nicht lange ausgehalten. „Wir brauchen Leute, die Pferde leben!“, sagt Hackl. Bereut haben er und Kerstin Rester den Gang nach Bruckmühl nie – „es ist genau das, was wir gesucht haben, wir genießen die Ruhe!“
