Jahn rückt noch enger zusammen: Regensburger widmen Sieg Diawusie − und beschwören Teamgedanken

Von Felix Kronawitter · 4. Dezember 2023 um 13:44

Nicht mal Konrad Faber huschte ein Lächeln über die Lippen. Und das muss was heißen! „Mir fehlen die Worte. Und die fehlen mir nicht oft“, sagte die Frohnatur des Fußball-Drittligisten SSV Jahn Regensburg nach dem 3:2 (2:1) gegen Freiburg II. Es war nicht nur kein normaler Jahn-Sieg, weil es der zehnte Erfolg in Serie und damit ein historischer war. Im Jahnstadion Regensburg herrschte am Sonntagnachmittag eine ganz eigenartige Mischung aus Trauer und Jubel.

Fünf Tage nach dem plötzlichen Herztod ihres Mitspielers Agyemang Diawusie wollten die Regensburger unbedingt antreten. „Wir wollten unbedingt für Agy spielen und gewinnen. Wir wollten uns so reinwerfen, dass es keinen anderen Sieger als uns geben kann“, erklärte Faber. Der Führungsspieler war sichtlich ergriffen – wie viele andere beim Jahn und unter den Anhängern. „Es war eine Woche, die ich so in meinem Leben noch nicht erlebt habe. Sie war voller Herausforderungen“, sagte Faber. Umso stolzer sei er auf den Verein und die Mannschaft. „Dass wir das heute für Agy gewinnen konnten.“

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Gemeinsame Verarbeitung

Auch Benedikt Saller war ein klarer Befürworter dafür, anzutreten. „Es war die richtige Entscheidung. Es bringt nichts, das erste Spiel aufzuschieben. Es wäre immer schwierig geworden.“ Der Vizekapitän betonte: „Es tut immer noch extrem weh. Das geht auch nicht so schnell vorbei. Das ist ein Prozess, den wir durchmachen müssen.“

Beim Jahn rückt man in diesen Tagen noch enger zusammen. „Was wir diese Woche ausgehalten haben, das macht uns noch stärker und schweißt uns als Einheit noch mehr zusammen“, erklärte Saller.

Der Teamgedanke wird bei den Regensburgern generell großgeschrieben. Nach der Schreckensnachricht umso mehr. „Die Woche war keiner allein. Überall wurde angeboten, ob wir nicht wo gemeinsam übernachten. Es haben teilweise drei bis vier Pärchen zusammen in einer Wohnung geschlafen. Ich bin einfach nur froh, dass ich Teil dieses Teams sein darf“, sagte Faber, der zudem unterstreichen wollte, dass jeder anders mit Trauer umgehe. „Erstens tut es gut, sich abzulenken. Und Zweitens hilft es, seine Freunde um sich herumzuhaben.“

Als Kommunikatoren sind in diesen Tagen vor allem die Führungsspieler um Faber, Saller und Co. gefordert. „Wir haben eine sehr gute Gemeinschaft, die jetzt noch mal enger zusammenrücken muss.“ Auch Kapitän Andreas Geipl wusste nach dem Schlusspfiff: „Da müssen wir zusammen durch. Wir müssen füreinander da sein und dann werden wir das hoffentlich irgendwie hinbekommen. Es wird aber noch länger andauern.“

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Unter normalen Umständen wäre der Jubel unglaublich gewesen nach dem Abpfiff. Vor allem nach dem Blick auf die Tabelle und das zuvor Geleistete. Zehn Dreier hintereinander stehen nun zu Buche, der Drittliga-Rekord des Karlsruher SC aus der Saison 2012/13 ist eingestellt. Der Jahn ist drauf und dran, der Konkurrenz zu enteilen. Dresden hat die dritte Niederlage in Folge kassiert, der Abstand des Spitzenreiters auf den ersten Verfolger beträgt nun bereits sechs Punkte. Verl liegt schon zehn Zähler dahinter. Der Vierte aus Ulm hat elf Punkte Rückstand auf den Absteiger, der sich völlig neu zusammenwürfelt ergebnistechnisch so brillant präsentiert – ohne dabei auf dem Platz zu glänzen. Aber auch das war am Sonntag zweitrangig.

Schwieriger Spagat

Auch Coach Joe Enochs ging es nach eigenem Bekunden nach Schlusspfiff nicht gut. Der Trainer musste seine Schützlinge auf den schweren Gang einstellen. Und dabei versuchen, den sportlichen Blick zu bewahren. Ein schweres Unterfangen. Es war ihm nach eigener Aussage aber wichtig, dass sein Team nicht nur mit Emotionalität unterwegs sei.

„Wir können stolz sein, dass wir das trotz der Umstände geschafft haben“, sagte Faber mit Blick auf Sieg Nummer zehn. „Die Freude über den Rekord kommt vielleicht die nächsten Tage.“ Kommenden Sonntag (13.30 Uhr) gibt es beim nächsten Heimspiel gegen Viktoria Köln die Chance, den elften Streich in Serie einzufahren – und damit vielleicht auch noch mal einen kleinen Minischritt in Richtung Normalität zu kommen.