Kann die Chamer Fichte ein Haus werden? Josef Karl bricht eine Lanze für das heimische Holz

Hat Kreisrat Gerhard Blab die Fichten, Tannen, Lärchen und Douglasien im Bayerwald beleidigt? Jedenfalls hat er im Kreisausschuss das zehn Jahre alte Zitat eines Holzhausbauers wieder auf den Ratstisch gebracht, der den Bayerwald-Bäumen die Eignung für den Hausbau abgesprochen hat. Damit hat er den Vollholz-Hausbauer Josef Karl mit seiner Firma Teredo etwas verwirrt, der sich seitdem fragt: Was mache ich dann eigentlich seit 29 Jahren?
Deswegen hat sich Josef Karl mit unserer Zeitung an einen Tisch gesetzt und eine Lanze gebrochen für den unterschätzten Bayerwald-Baum. Er sieht nämlich ganz viele Vorteile in dem, was er seit fast drei Jahrzehnten tut: „Wir wissen, woher der Rohstoff kommt, wir bleiben in der Region, wir haben eine überschaubare Logistik und beim Waldbauern kommt mehr Geld an!“
Dann wurde es kompliziert
Natürlich kommt auch Karl nicht jeder Bayerwald-Baum ins Haus. Da gibt es ungeeignete Randbäume oder knorrige und verästelte wilde Gesellen. Die dürfen im Wald bleiben. Viel Holz holt er von den Waldbauern im Lamer Winkel, weil die Qualität ab einer Höhenlage von 600 Metern besonders gut ist. Der Holzhausbauer aus Waffenbrunn mit seinem Standort in Waldmünchen kennt aber auch Lagen um die 400 Meter, die besonders trocken sind und langsam wachsendes Holz produzieren.
Früher hat man das Holz eingeschlagen, gesägt und im Frühjahr lufttrocken eingebaut. Das klappte, weil der Baustoff auch im Dachstuhl noch austrocknen konnte. Heute würde man damit nur noch Schimmel und Bauschäden produzieren.
Die Lage für den Häuslebauer hat sich verkompliziert. Als der Gesetzgeber anfing, DIN-Normen für die Hausdämmung zu berechnen,. So erhielten die Häuser luftdichte Hüllen und es wurden Sperrfolien eingezogen. Die Folgen waren vor allem für die kleineren Produzenten von Bauholz erheblich. Denn ohne hohe Investitionen in Hobelanlagen, Heizungen und Trockenkammern gab es plötzlich keine Möglichkeit mehr, gedämmte Häuser mit KfW-Förderung zu bauen. Für viele kleine Anbieter gab es keine Chance an die Unterstützung des Staates zu kommen, weil die bis vor ein paar Jahren noch Investitionen in Höhe von mindestens 500 000 Euro voraussetzten, berichtet Karl.
Auch Teredo musste sich nach der Decke strecken, um den regionalen Vorsätzen der Firma treu bleiben zu können. Josef Karl ist bei seinen Abläufen geblieben: Er kauft regional das Holz bei den Waldbauern und beim Staatsforst ein, transportiert das Rundholz zum Sägewerk in der Klinglmühle, schreibt eine auftragsbezogene Holzliste. Schon vor Jahren hat er sich in Waldmünchen eine Trocknungsanlage aufgekauft. Er überwacht dort Mengen und Qualität selbst, bildet aus und schult seine Mitarbeiter. Am Ende entsorgt er noch die Hobelspäne.
„Das macht sehr viel Mühe, aber auch ganz viel Sinn“, sagt Karl. Und letztlich hat er ein ganz altes Erfolgsgeheimnis: Es funktioniert nur, weil viel Herzblut in der Idee steckt und weil ihm die Arbeit so viel Freude macht, dass er heute noch gerne mit seinen Lehrlingen an der Hobelbank steht.
Karl bedauert das Verschwinden vieler kleiner Sägewerker, die an der Zertifizierung verzweifelt sind oder daran, dass deren Mehrkosten von Bauherrn und Zimmerern nicht bezahlt werden wollten. „Da reden wir über zehn Euro für den Kubikmeter. Und für einen Dachstuhl braucht es fünf bis zehn.“
Jede Anstrengung wert
Nach 30 Jahren Vollholz-Hausbau ist Josef Karl überzeugt: Das Endprodukt gehobeltes Bauholz aus lokaler Produktion hat den gleichen Preis wie Holz, das durch halb Deutschland und Österreich und dann wieder zurück gekarrt worden ist. Die eigene Mehrarbeit hat er da nicht eingerechnet. Das ist es ihm wert.
Wenn es aber gleich viel kostet, wo liegt dann der Unterschied? „Der Unterschied liegt darin, dass die regionalen Waldbesitzer 30 Prozent mehr Geld für Bayerwald-Bäume bekommen, die Wertschöpfung nicht bei den einst hoch subventionierten Großsägewerken landet und viele Kilometer auf der Straße eingespart werden“, sagt Karl.
Er macht auch kein Geheimnis daraus, dass er ein Parteigänger der Grünen ist. Aber er ist kein Klassenkämpfer. Ohne die Großsägewerke könne man die schweren Schäden nicht aufarbeiten, die bei Stürmen entstehen, sagt er. Aber die Qualität der Bayerwald-Bäume sei sehr gut und die Regionalität beim Hausbau jede Anstrengung wert.
