Vorsorgende Politik: Landkreis Cham will sich gegen Folgen des Klimawandels wappnen

Der Klimawandel sei im Gange und die Folgen sichtbar – auch wenn es noch nicht alle einsähen, so Landrat Franz Löffler am Freitag im Ausschuss für Umwelt und Regionale Entwicklung. Um den Klimawandel zu bremsen und sich als Landkreis Cham auf dessen Folgen einzustellen, dafür hat der Ausschuss die Mitfinanzierung eines Klimafolgenanpassungskonzepts einstimmig befürwortet.
Hinter dem etwas umständlichen Wort verbergen sich unter anderem Beratungen und Informationen für die Kommunen zu Maßnahmen, um sich auf Wetterkapriolen wie Dürre, Starkregen, Hochwasser oder Stürme besser vorzubereiten. Es sei die Frage, wie eine vorsorgende Politik mit dem Thema umgehe, so Löffler. Es betreffe viele Bereiche vor Ort, wie Bauen, Landwirtschaft, Industrie, Biodiversität oder auch der Umgang mit Wald und Wasser. Deshalb wolle man für den Landkreis ein Konzept auf den Weg bringen.
Regionalmanager Markus Lemberger hatte als Referenten Matthias Häußler vom Bayerischen Landesamt für Umweltschutz (LfU) und Theresa Rauscher, deren Masterarbeit sich mit dem Klimawandel und dem Landkreis Cham beschäftigt hat, eingeladen. Matthias Häußler berichtete von spürbaren Veränderungen – auch im Landkreis Cham. Es gebe in Bayern , den Aufzeichnungen ab 1951 nach, heute neun Tage mehr mit einer Temperatur von über 30 Grad – gleichzeitig 15 Tage weniger, wo die Temperatur unter null Grad sinke. Es sei rein rechnerisch 13 Prozent trockener im Sommer als früher. „Das heißt, wir heizen die Erde auf!“ – und das werde sich fortsetzen, es werde bis 2050 immer wärmer werden in Bayern.
Folglich sei eine Reduzierung der Erderwärmung ebenso nötig wie eine Klimaanpassung vor Ort, betonte der LfU-Experte. Ende dieses Jahrhunderts lägen die Hitzetage mit über 30 Grad bei knapp 20 – gleichzeitig bleiben demnach sieben Tage, wo das Thermometer unter Null sinke. „Die Niederschläge nehmen leicht zu“, sagte Häußler. Doch werde der Regen im Sommer weniger, was zu einem Wasserdefizit in der Natur führe, und die Regengüsse würden stärker.
Hotspots identifizieren
Es gelte, regionale Hotspots wie etwa Sturzfluten oder Hochwasser zu identifizieren und hier entsprechend zu handeln. Kartenmaterial bekomme man dazu etwa beim Wasserwirtschaftsamt. „Man muss auch die Expertise etwa der Feuerwehr nutzen“ oder auch der Bürger, so Häußler.
Die Klimaanpassung könne durch ein naturnahes Bauen, sogenannte grün-blaue Infrastruktur zu schaffen, Ziel eines Konzepts sein. Es gehe darum, Parkplätze zu entsiegeln, Bäume und Zisternen anzulegen, Flachdächer zu begrünen – um Kaltluftschneisen in den Siedlungen zu schaffen. Ebenso müsse die Land- und Forstwirtschaft dem Wandel angepasst werden. „Die Informationen sind da. Es gilt, die Maßnahmen vor Ort umzusetzen!“, sagte Häußler. Und dafür sei ein konzeptioneller Rahmen, wie ihn der Landkreis anstrebe, sinnvoll. „Aus meiner Sicht muss der Fokus auf der Umsetzung liegen“, betonte der Experte. In der Schublade helfe ein Konzept nicht – es solle vielmehr in die Gemeinden getragen werden, um dringende Problemfelder im Blick zu haben. Theresa Rauscher stellte im Anschluss ihre Klimaanalyse für den Landkreis vor, die die Angaben von Häußler untermauerten. Als Quintessenz wäre ein gutes Klimaanpassungskonzept ein wichtiger Schritt, so Rauscher.
Informations- und Beratungsstelle wird eingerichtet
Im Landratsamt soll deshalb eine Informations- und Beratungsstelle für das Thema eingerichtet werden, um Anlaufpunkt für die Gemeinden und deren Fragen zu Klimaschutz und Klimaanpassung zu sein. Kreisrat Thomas Schwarzfischer berichtete von der ILE Vorderer Bayerischer Wald, wo zehn Gemeinden zusammenarbeiten. Hier gebe es einen Klimaschutzmanager – doch da der etwas koste, würden die ersten aussteigen. Dabei habe jede Kommune im Projekt viel gelernt. Kreisrat Michael Doblinger sah keinen Ausweg, als eine solche Beratungsstelle am Landratsamt einzurichten: „Das werden wir machen müssen!“ Es brauche einen Klimakümmerer, der als guter Diplomat sein Wissen vermittle und gute Dinge anstoße. Das sah auch Kreisrätin Claudia Zimmermann aus Cham so. Man dürfe die Zeit nicht verstreichen lassen. So gab es ein einstimmiges Votum für den Start für ein Klimaanpassungskonzept.
