350 Klinik-Mitarbeiter streiken für mehr Lohn und machen auf Personalmangel aufmerksam

Mehr als 350Menschen begaben sich am Donnerstagmorgen in einen Hörsaal der Universität. Soweit nichts Ungewöhnliches. Dass sie dabei laut in Trillerpfeifen bliesen und Streiktag riefen, passiert dann aber doch nicht jeden Tag. Die Menschen im Hörsaal waren auch keine Studenten, es waren Mitarbeiter des Uniklinikums. Sie legten ihre Arbeit nieder, um für ein besseres Gehalt zu demonstrieren und auf den Personalmangel im Klinikum aufmerksam zu machen.
Verschiedene Sprecher kritisierten „Einschüchterungsversuche“ der Arbeitgeberseite. Laut Verdi und etwa 60 aus Erlangen angereisten Streikenden des dortigen Klinikums habe es offenbar Androhungen von Kündigungen gegen Betriebsräte, die an Verhandlungen teilgenommen hätten, gegeben.
Knochenjob Krankenpfleger
In Regensburg habe es den Aussagen von Verdi zufolge keine solchen Drohungen gegeben. Die „nicht ausreichende“ Bezahlung sei aber auch hier großes Thema, genau wie der Personalmangel. Das erlebt der 29-jährige Dominik Hornauer täglich mit. Der Krankenpfleger für Anästhesie und Intensivmedizin hat 2014 seine Ausbildung abgeschlossen. Mittlerweile ist er auf der operativen Intensivstation des Uniklinikums tätig. Hornauer arbeitet, wie fast alle seine Kollegen, im Schichtsystem. Das bedeute Feiertags-Arbeit, Nachtdienste sowie weniger Zeit für Kinder und Hobbys. Zudem sei die Schichtarbeit in der Klinik extrem anstrengend, emotional belastend und „Raubbau am Körper“.
„Bei uns gibt es keinen Schlafrhythmus“
Der Schlafrhythmus etwa gerate komplett durcheinander. Immer wieder zum Beispiel arbeite er auch zehn Tage am Stück, berichtet Hornauer. Bei Kollegen auf anderen Stationen seien es zum Teil noch mehr.
Verdi forderte 10,5 Prozent mehr Lohn für das Pflege- und Reinigungspersonal an den Kliniken, mindestens jedoch 500Euro sollten es werden. Außerdem werden 200 Euro mehr für Auszubildende gefordert. Die Streikenden betonten, wie wichtig es sei, Anreize zu schaffen, um neue Arbeitskräfte zu gewinnen – auch, weil immer mehr Pfleger abwanderten. „Wir merken, dass viele erfahrene Kollegen in Zeitarbeit, oder in besser bezahlte Jobs wechseln“, berichtet Hornauer.
Expertise geht verloren
Manche Zeitarbeitsfirmen würden fast das Doppelte zahlen. Das Problem: Die abgeworbenen Pfleger würden dann oft in Fachgebieten aushelfen, in denen sie wenig bis keine Erfahrung hätten. Dafür gehe ihre Expertise auf der ursprünglichen Station verloren.
Vor allem auf der Intensivstation sei es schwierig, neue Kollegen zu halten, die die Abgewanderten gleichwertig ersetzen könnten. „Die Verweildauer von jungen Krankenpflegern ist auf der Intensivstation oft sehr kurz. Da fängt ein Schwung von acht bis neun an und ein Jahr später haben wir nur noch zwei, die dann meist auch bleiben“, erzählt Hornauer.
Streit dauert an
Laut Verdi hätten die bisherigen Verhandlungen keine Einigung ergeben. Bei den ersten beiden Verhandlungen habe es nicht einmal ein Angebot der Arbeitgeberseite gegeben. Weitere Streiks seien daher auch für die nächsten beiden Wochen geplant.
Patienten litten darunter laut Hornauer nicht. „Es wären deutlich mehr Pfleger unserer Station bereit gewesen, zu streiken, aber wir sorgen dafür, dass kein Patient wegen der Streiks zu Schaden kommt.“
