Dialekt-Papst liefert Sprach-Schmankerl

Von Anna Häckel-König · 21. November 2023 um 09:06

Ludwig Zehetner stellte am Montag den nunmehr fünften Band der Reihe „Basst scho!“ vor. Grundlage für diesen sind die Dialektanfragen aus der Leserschaft der Mittelbayerischen Zeitung von 2012 bis 2023. Unterhaltsam und informativ präsentierte er im Lesesaal der Staatlichen Bibliothek eine kleine, vielseitige Auswahl der 1300 im Buch gesammelten Wörter und Lautformen. Eine Lesung, die Lust auf mehr macht.

Wie groß das Interesse an der Heimatsprache Altbayerns ist, zeigte sich an den zahlreichen Zuhörern, die den Lesesaal komplett füllten. Selbst die Treppe wurde als zusätzliche Sitzgelegenheit genutzt. „Servus – Hawedeare – Griaßgood“ mit diesen kurzen, knappen und typisch bayerischen Grußworten starteten Norbert Stellner, der Verleger, Bernhard Lübbers, der Leiter der Staatlichen Bibliothek, und Peter Kaspar als Vertreter der Johann-Andreas-Schmeller-Gesellschaft in den Abend.

„A gscheida Kirda“

Zehetner begann seine Auswahl mit den im Publikum bekannten, aber kaum mehr verwendeten Begriffen wie den Wochentagen „Irda“ (Dienstag) und „Pfinzda“ (Donnerstag). Er erläuterte ihre Herkunft und Entwicklung durch die räumliche und zeitliche Verbreitung. Daneben wies er auch auf die richtige Verwendung des Artikels hin, wenn es beim Kirchweihtag zwar die „Kirwa“, aber der „Kirda“ heißt. Aufschluss geben hier die beiden letzten Silben „wa“ für die Weihe und „da“ für der Tag. Dass es sich dabei auch um ein mehrere Tage dauerndes Fest handeln kann, zeigte das Anwendungsbeispiel: „A gscheida Kirda geht bis zum Iada, und ko se aa schicka no bis am Micka.“ Über den Sonntag hinaus wird die Feierlichkeit bis zum Dienstag oder Mittwoch verlängert.

Auch auf seltener anzutreffende Begriffe wie „a diam“, gleichbedeutend mit „äiamol“, ging Ludwig Zehetner ein. Wörtlich übersetzt aus dem mittelhochdeutschen „et-ië-mal“ bzw. „ië-ein-mal“ erhält man „je-ein-mal“. Hier zeigt sich bereits die Bedeutung der beiden Worte, welche mit „immer wieder einmal“, „gelegentlich“ oder „manchmal“ ersetzt werden könnten. So heißt es in der „Steinpfalz-Hymne“: „Äiamol hamma Erpfl ghod, äiamol niat aa.“ Die Erdäpfel- bzw. Kartoffelernte war also nur manchmal ausreichend, ein Sinnbild für das karge Leben.

Lustige Missverständnisse

Die weiteren Beispiele blieben jedoch überwiegend heiter und sorgten für ausgelassenes Lachen. Dass das Naheliegendste nicht immer richtig sein muss, zeigte der Autor an Begriffen, die in anderen Gegenden Deutschlands eine andere Bedeutung haben. Bekanntestes Beispiel hierfür dürfte „Fotzen“ sein, aber auch das Verb „vergehen“ (im Sinne von verlaufen) kann zu Verständigungsproblemen führen. Dass vermeintlich Derbes auch ganz harmlos sein kann, verdeutlichte er am Beispiel „brunzen“, was so viel heißt wie „Brünnlein fließen lassen“ und in deutschen Sprachgebieten Rumäniens ganz ungeniert verwendet wird.

Neben den wohligen Klängen der bayerischen Mundart sorgte die musikalische Begleitung durch den Akkordeonisten Daniel Zacher für einen gelungenen Abend. Dieser spielte erstmals ein noch namenloses, selbstkomponiertes Stück, welches großen Anklang fand.