Firma Kosik feiert 100-Jähriges: Apparate und Behälter „made in Kelheim“

Von Beate Weigert · 22. November 2023 um 19:00

In einer kleinen Hinterhof-Kupferschmiede fing alles an. Heutzutage rollen immer wieder vielachsige Schwertransporter vom Firmengelände in Kelheim. Doch tonnenschwere Behälter mit großem Volumen sind eigentlich nicht „der Standard“, sagt Firmenchef Alexander Kosik.

„Bei uns geht es nicht nur um Größe und Volumen“, so der Geschäftsführer, der in dritter Generation das Familienunternehmen leitet. Vielmehr seien Produkte mit einem komplexen Innenleben eine Kosik-Spezialität. Die Rohrbündel-Wärmeaustauscher sind so ein typisches Produkt. Wie der Gang mit dem Firmenchef durch eine Produktionshalle zeigt, fertigt die Belegschaft diese in unterschiedlichsten Varianten. Sie kommen in Raffinerien, der chemischen Industrie aber auch in Kraftwerken zum Einsatz.

225 Mitarbeiter sind Kosik

Die Firma Kosik wird in diesem Jahr 100 Jahre alt. Aktuell beschäftigt das Kelheimer Unternehmen mit Sitz im Stadtteil Hohenpfahl 225 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Die Anfänge der Firma liegen aber woanders. In einer schlesischen Hinterhof-Werkstatt fing 1923 alles an. 15 Jahre später kauften Alexander Kosiks Großvater Adalbert und dessen Bruder Carl eine stillgelegte Maschinenfabrik in Hirschberg (damals Schlesien/heute Polen).

Aufträge beim Bau von Zellwolle- und Zellulosefabriken

Aufträge für die im Deutschen Reich zu der Zeit entstehenden Zellwolle- und Zellulosefabriken lassen die Firma laut eigener Chronik schnell wachsen. „Auf zwischenzeitlich über 1000 Mitarbeiter.“ Nach dem Zweiten Weltkrieg werden die Brüder Kosik vom polnischen Staat enteignet, als Vertriebene landen sie im Raum Kelheim. Mit einem Häuflein ehemaliger Mitarbeiter fangen sie hier 1946 ganz von vorne an. Zunächst bieten sie industriellen Betrieben Reparaturen an. Dem Kalkwerk in Saal etwa.

Bald schon fertigen sie aber auch Maschinen und Apparate für die Kunstfaserindustrie, die auch in Kelheim existierte. Dafür brauchte es 1951 ein Grundstück. Kosiks werden in Hohenpfahl, neben der damaligen Parkett-Fabrik, fündig. Bis heute ist die Firma dort angesiedelt. Aus einem Handwerksbetrieb ist längst ein mittelständisches Industrieunternehmen geworden.

Davon profitierte das Unternehmen in den 1950ern

In den 1950ern profitierte die Firma auch davon, dass in der Nähe Raffinerien entstehen und Fernheizkraftwerke gebaut werden. Sie zählen bis heute zu wichtigen Kunden, wie auch der Kelheimer Faserproduzent. So wirkten sich zwei Großbrände 2018 bei den langjährigen Kunden in Vohburg und Kelheim auch auf Kosik aus.

Der Blick in die Firmen-Geschichte zeigt, dass nahezu jedes Jahrzehnt neue Krisen und Probleme bereithielt. Kosik reagierte mit den eigenen Stärken und die haben laut Alexander Kosik immer auch mit den Mitarbeitern zu tun. Die sind laut ihrem Chef „überdurchschnittlich qualifiziert“. Sie sind Instandhaltungs- und Revisionsexperten, Spezialisten für „Feuerwehraufträge“ sprich für schnelle Reparaturen, aber auch für technische Innovationen, für das Entwickeln und Fertigen – vom Ersatzteil bis zum Prototypen für großformatige Sondermaschinen und einiges mehr.

Alexander Kosik: „Wir stecken viel Mühe in den Nachwuchs“

Damit das so bleibt, legt man Wert auf eine „starke Ausbildung“, so Kosik. Sein Vater Christian initiierte Ende der 1970er mit der IHK ein überbetriebliches Ausbildungszentrum. Heute findet sich in den Räumen eine auf Kosik zugeschnittene Ausbildungswerkstatt. Pro Lehrjahr bildet das Unternehmen acht bis zehn junge Leute aus, etwa als Anlagen- und Industriemechaniker. Auch in Praktika stecke man „viel Mühe“. Meist zahle sich das aus.

Zwei-Millionen-Invest im Jubiläumsjahr

Im Jubiläumsjahr investiert die Firma zwei Millionen in einen neuen Sozialtrakt und ein neues Bürogebäude. Damit soll sich nicht nur das Erscheinungsbild ändern, sondern vor allem Arbeitsumfeld und Kommunikationswege, sagt Kosik. Die Wege hin zu den Gebäuden sind frisch asphaltiert. Vor kurzem stand hier noch das Festzelt, in dem Mitarbeiter, Angehörige und Kunden das 100-Jährige feierten.

Nun sind es neue Wege, auf denen sich Chef und Mitarbeiter in die Zukunft aufmachen. „Im Team aus Profis“, sagt Alexander Kosik.

Seit 1951 in Hohenpfahl

Firmenname: Der Name A. & C. Kosik GmbH geht auf Alexander Kosiks Großvater Adalbert und dessen Bruder Carl zurück. Die Anfänge liegen in Oberschlesien. Ab 1923 war fanden sich dort die Ursprünge des heutigen Rohrleitungs-, Apparate- und Behälterbauers in einer Hinterhof-Werkstatt.

Firmensitz: Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die Brüder Kosik vertrieben. Im Raum Kelheim starteten sie 1946 von vorne. Seit 1951 findet sich die Firma im Kelheimer Stadtteil Hohenpfahl. In der ersten Halle wurden Maschinen und Apparate für die Kunstfaserindustrie gefertigt.

Größe: Heute hat das Unternehmen eine Produktionsfläche von 35.000 Quadratmetern (inklusive Freiflächen) und bis zu 150 Tonnen Kran-Kapazität. 225 Mitarbeiter beschäftigt die Firma Kosik. Sie entwickeln und bauen Druckapparate, Maschinen, Rohrleitungen und Anlagen.

Spektrum: Das Kelheimer Unternehmen bietet Neufertigung, Reparaturen, Ersatzteile, Engineering, Montage und Stillstände, sprich die Revision von Industrie-Anlagen. Die Kunden sind Raffinerien, Petrochemie-Betriebe, Maschinen- und Anlagenbauer oder auch Kraftwerke.

Immer wieder braucht es Schwertransporte, um die Produkte zum Kunden zu bringen.
Luftbild von 1956: Neben Bahngleisen die erste Kosik-Halle, dahinter die Parkettfabrik
Hier entsteht eine Kosik-„Spezialität“ – ein Rohrbündel-Wärmeaustauscher.
Geschäftsführer Alexander Kosik vor dem neuen Bürotrakt. 2024 soll er bezogen werden.
Im Hinterhof dieses Hauses im oberschlesischen Beuthen fing 1923 in einer kleinen Kupferschmiede alles an.
Die Anfänge in Hohenpfahl in den 1950ern. Im Hintergrund (Bildmitte) sieht man das Areal auf dem heute das Berufsschulzentrum steht.
Schwarz-Weiß-Aufnahme aus früheren Zeiten