Schwandorf legt Freundschaft mit Karamürsel auf Eis – und konzentriert sich auf italienische Stadt

14Jahre lang hatte Schwandorf versucht, eine Freundschaft mit der türkischen Stadtgemeinde Karamürsel zu pflegen. Doch von dort scheint es keinerlei Interesse mehr zu geben. Dafür gibt es nun einen neuen vielversprechenden Anwärter aus Italien.
Oberbürgermeister Andreas Feller (CSU) und die Mitglieder des Kulturausschusses waren sich am Montag einig: In eine solch einseitige Beziehung sollte kein Herzblut mehr gesteckt werden. „Was ist das für eine Freundschaft, wenn man sich nicht einmal mehr auf dem Papier austauscht?, fragte Feller in die Runde. Seit Jahren sei die Städtefreundschaft mit Karamürsel eine einseitige Geschichte, die zunächst eigentlich vielversprechend begonnen hatte. Wie der Oberbürgermeister Revue passieren ließ, wurde die Städtefreundschaft einst vom damaligen Stadtrat Ferdi Eraslan (FW) ins Leben gerufen.
Grund dafür: In Karmürsel (Region Marmara) liegen die Wurzeln der Familie Can. Drei Familienmitglieder kamen beim verheerenden Brandanschlag am 17. Dezember 1988 in Schwandorf ums Leben. Eine Tochter lebt nach wie vor in der Großen Kreisstadt. Deren Familie besucht jedes Jahr über mehrere Wochen die Verwandten in Karamürsel und hatte in der Vergangenheit immer wieder Gastgeschenke der Städte Schwandorf und Karamürsel ausgetauscht.
2009 brachte Eraslan erstmals den Vorschlag ins Gremium, eine Städtepartnerschaft einzugehen. Es folgten Schreiben an das türkische Generalkonsulat in Nürnberg und das Auswärtige Amt in Berlin. 2014 wurde schließlich eine unterschriebene Freundschaftserklärung von Schwandorf in die Türkei verschickt. Und der damalige Oberbürgermeister Helmut Hey hatte seinen türkischen Amtskollegen eingeladen, die Große Kreisstadt zu besuchen.
Schreiben aus Schwandorf blieben unbeantwortet
Damals habe es auch eine zeitnahe Rückmeldung gegeben. Zwar sagte der Bürgermeister seinen Besuch aufgrund der damaligen anstehenden Lokalwahlen ab, sendete aber eine unterzeichnete Freundschaftserklärung zurück nach Schwandorf. 2015 ließ der dann zum Schwandorfer Oberbürgermeister gewählte Feller eine erneute Einladung nach Karamürsel für einen Besuch in der Oberpfalz verschicken. Damals sei auch die Zusage aus der Türkei gekommen, doch der Besuch habe nie stattgefunden. Und nicht nur das: Auch sämtliche Schreiben in der Folgezeit aus Schwandorf blieben unbeantwortet.
Der Gipfel sei für Feller dann heuer im Februar erreicht worden. Nach dem schweren Erdbeben in der Türkei sendete Feller seine Anteilnahme nach Karamürsel und habe sogar Hilfe angeboten. Doch auch darauf habe es keine Rückmeldung gegeben.
Das war sozusagen der Sargnagel gewesen für eine Freundschaft, die unterm Strich seit Beginn der Unterzeichnung nur einseitig gelebt wurde. Feller schlug dem Kulturausschuss am Montag deswegen vor, die Bemühungen bis auf weiteres auf Eis zu legen. Das Gremium stimmte diesem Vorschlag nach einigen enttäuschten Wortmeldungen einstimmig zu. „Eine Weihnachtskarte können wir ja noch schreiben und dann schauen wir mal, ob aus der Türkei irgendwann mal wieder der Versuch auf eine Kontaktaufnahme kommt“, so Feller, der gleich zu einer erfreulicheren Tatsache überleitete.
Gualdo Tadino hat bereits eine Partnerschaft mit dem Carl-Friedrich-Gauß Gymnasium
Denn mit einer Kleinstadt aus Italien pflege man schon seit Längerem gute Kontakte, weshalb man dieser nun den Vorschlag auf eine Städtefreundschaft unterbreiten wolle. Dabei handelt es sich um die Kleinstadt Gualdo Tadino im mittelitalienischen Umbrien. Wie Feller berichtete, pflegt das Carl-Friedrich-Gauß Gymnasium in Schwandorf seit 2007 bereits eine Schulpartnerschaft mit dem Ort. Auch die beiden Rathauschefs hätten regelmäßig Briefkontakt, der sich in der Corona-Zeit intensiviert habe. Gegenseitige Besuche folgten. So reiste eine Delegation aus Italien nach Schwandorf zum Pfingstvolksfest im Juni 2022 und zum Bürgerfest im Juli 2023. Auch Feller sei zwischendurch in Gualdo Tadino gewesen.
Der Oberbürgermeister schlug im Kulturausschuss vor, Gualdo Tadino eine Städtefreundschaft anzubieten, die sich zu einem späteren Zeitpunkt zu einer Städtepartnerschaft entwickeln könnte. Das Gremium winkte den Vorschlag einstimmig durch.