Bürger protestieren gegen Umplanung: Keine Annäherung im Baugebiet Kleinfeld II

Die Stimmung ist nicht gut im Baugebiet Kleinfeld II. Die Familienstiftung VMAX will dort den Bebauungsplan ändern und mitten im Neutraublinger Baugebiet anstelle von elf Reihenhäusern drei Mehrfamilienhäuser errichten. Der größte Teil der Anwohner will das nicht. Mehr als zwei Stunden lang prallten bei einer Informationsveranstaltung die Argumente aufeinander. Näher kamen sich die Bürger und Stiftungsvertreterin Claudia Buchner dabei aber nicht.
Mehr als 30 Anwohner und eine Reihe von Stadträten waren in den Theatersaal des Kulturhauses gekommen. „Es wird wirklich schöner und auch offener im Baugebiet“, erklärte Buchner, die zusammen mit Volker Kronseder den Vorstand der Familienstiftung bildet. Ulrich Dyckiert von der EBB Ingenieurgesellschaft erläuterte die Details der Umplanung. Der nun vorliegende Entwurf umfasst die zweite Änderung für das Quartier WA 15. Gegenüber der Urfassung vom Dezember 2019 beinhaltete die erste Änderung die Wandhöhe der dreigeschossigen Reihenhäuser. Sie wurde von neun Metern auf 9,50 Meter geändert, was nach Auskunft von Dyckiert wegen der Begrünung der Flachdächer erforderlich wurde.
Zwei Reihenhaus-Blöcke
Genauso hoch sollen jetzt die neu geplanten Mehrfamilienhäuser werden. Demgegenüber unterscheiden sich die Baukörper deutlich. Während die Reihenhäuser als 51 und 43 Meter lange Blöcke an der Birkenfelder Allee geplant sind, sollen die drei Mehrfamilienhäuser jeweils nur 20 Meter lang werden. Dafür sind sie zwei Meter breiter, benötigen aber weniger überbaute Fläche.
Deutlich abgespeckt hat die Familienstiftung die Wohneinheiten in den Mehrfamilienhäusern. So hatte der im Oktober dem Stadtrat vorgelegte Entwurf noch jeweils neun Wohnungen in den Mehrfamilienhäusern vorgesehen. Jetzt sollen es jeweils nur noch sechs, also insgesamt 18 Wohnungen sein, allesamt ausgelegt als Dreizimmerwohnung mit gut 90 Quadratmetern.
Mehr Stellflächen bei Reihenhäusern
Damit fällt auch die Wohnfläche aller Mietwohnungen deutlich geringer aus als in den Reihenhäusern, wo jeweils maximal 220 Quadratmeter vorgesehen sind. Wird diese Wohnfläche voll genutzt, dann müssen bei den Reihenhäusern 33 Stellflächen nachgewiesen werden. Bei den Mehrfamilienhäusern sind es maximal 30, wobei auf den beiden geplanten Parkplätzen insgesamt 36 Autos parken können.
„Wir wollen keine Blöcke, sondern eine offene und luftigere Bebauung“, führte Claudia Buchner als zentralen Grund für die Umplanung an. Die Verantwortlichen der Familienstiftung seien über die ursprüngliche Planung zunehmend unglücklich gewesen. „Das ist nichts, mit dem wir Ihnen schaden wollen“, betonte sie in Richtung der Anwohner. Dort sorgte die Verringerung der Wohneinheiten in den Mehrfamilienhäusern für eine überraschte Skepsis.
Unterschriftenliste gegen die Umplanung
Einer der Anwohner, der seinen Namen ebenso wie eine Reihe anderer nicht in der Zeitung lesen wollte, bezweifelte allerdings, dass diese neuerliche Änderung tatsächlich auch so umgesetzt wird. Er verwies auf eine Unterschriftenliste, mit der sich 34 Familien aus dem Baugebiet gegen die Mehrfamilienhäuser ausgesprochen haben. „Das bringt das Konzept, wie wir unsere Häuser hingestellt haben, völlig durcheinander“, nannte er einen zentralen Kritikpunkt der Bürger. Die Bauherren hätten sich bei der Wahl ihrer Grundstücke am gültigen Bebauungsplan orientiert. Doch durch die Umplanung ändere sich der Gebietscharakter im Quartier WA 15, kritisierten die Bürger.
Große und kleine Verlierer
„Die Umplanung bringt Verlierer, große und kleine“, brachte eine Anwohnerin die Stimmung im Baugebiet auf den Punkt. Das verdeutlichte eine Reihe von Beispielen aus den Reihen der Bürger, die zu der Informationsveranstaltung gekommen waren. Da ist eine Familie, die sich aus früherer Erfahrung eigens ein Grundstück ausgesucht hat, das nicht an einem Garagenhof liegt. Jetzt grenzt ihr Grundstück direkt an einen der beiden Parkplätze zwischen den Mehrfamilienhäusern. Da ist eine weitere Familie, die ihr Haus mit großen Fensterfronten dort gebaut hat, wo eigentlich eine Freifläche zwischen den beiden Reihenhaus-Blöcken einen offenen Blick ermöglicht hätte. Jetzt schauen sie direkt auf eines der Mietshäuser. Und da ist eine Familie, die ihren Garten nach Norden zu den Reihenhäusern ausrichtete. Jetzt befürchten sie, dass er von einem näher herangerückten Mehrfamilienhaus beschattet wird.
Auf den Appell der Anwohner, auf die Umplanung zu verzichten, ging Claudia Buchner am Dienstagabend nicht ein. Sie machte deutlich, dass sie zum jetzigen Zeitpunkt dazu keine Aussagen treffen werde, verwies andererseits aber darauf, dass Neutraubling dringend Wohnraum brauche. Den biete die VMAX Stiftung zu Preisen an, die unter dem Durchschnitt in der Stadt Neutraubling liegen.
Bürgermeister fordert: Kompromiss finden
Bürgermeister Harald Stadler appellierte an Anwohner und Stiftungsvertreter, einen Kompromiss zu finden. Andernfalls müsse der Stadtrat die Interessen abwägen und eine Entscheidung treffen. Die Bürger können zweimal Stellungnahmen zur Änderung des Bebauungsplans abzugeben. Noch bis zum 30. November können sie das im Rahmen der frühzeitigen Bürgerbeteiligung. Im Anschluss wird das eigentliche Verfahren zur Änderung des Bebauungsplans eingeleitet. Auch hier können die Bürger Stellung nehmen. Der Satzungsb

