Neue Container für Flüchtlinge in Cham: Bester Platz am Rande

Sicher gibt es Plätze, die sind noch weiter vom Schuss, wie dieser an der Hans-Eder-Straße. Etwa der Standort der Flüchtlingscontainer in Roding, der schlecht angebunden und weit weg von jeder Versorgung ist. Doch auch die Chamer Asylbewerber sollen nun dahin, wo sie nicht stören – zwischen drei Hallen und einer Wiese. Das hat das Landratsamt so ausgetüftelt – und der Stadtrat hat dafür am Dienstag sein einstimmiges Votum gegeben.
Der Platz, bislang eine grüne Wiese, aktuell noch abgesperrt mit Bauzaun, soll noch vor Weihnachten mit doppelstöckigen Containern bestückt werden, wie Christoph Serwuschok vom Hochbau am Landratsamt am Dienstag dem Stadtrat erläutert. Seinen Worten nach wie auch nach denen von Bürgermeister Stoiber ist es nicht klar, ob dort gleich auch schon Menschen einziehen werden. Man will mehr auf alles vorbereitet sein, was kommen kann. Und dafür wird der Platz für bis zu 80 Geflüchtete bereit gemacht.
Bürgermeister Martin Stoiber betont zunächst, dass das Landratsamt die Koordination übernehme und es dort auch eine extra „Bewachung“ gebe, so dass dort nichts passieren könne und sich die Stadt um nichts kümmern müsse: „Das ist ein Vorteil!“ Vielleicht sagt er nur, was er denkt, doch eigentlich bekommt die Container-Siedlung im Gewerbegebiet aufgrund ihrer Größe die gesetzlich vorgeschriebene „Betreuung“, die aber natürlich auch einer Bewachung gleichkommt. Wie bei der anderen Container-Siedlung, die im Wohnbereich beim Landratsamt steht, auch.
„Das ist kein einfaches Thema“, meint Bürgermeister Stoiber zu Beginn. Doch sei es ein notwendiges – jeden Tag kämen Flüchtlinge, die unterzubringen seien. „Wir wissen nicht, wie es weitergeht“, sagt er, auch wenn in Berlin mittlerweile das Thema angegangen werde. Baurechtlich ist die Einrichtung der Siedlung kein großes Thema, wie Stoiber erläutert. Es gebe so viele Sonderregelungen von der Regierung, so dass solche Flüchtlingswohnheime auch ohne Probleme im Gewerbegebiet gebaut werden könnten. Der Platz habe einiges für sich – es gebe eine gute Anbindung ans ÖPNV-Netz und Geschäfte wie Lebensmitteler seien fußläufig gut zu erreichen.
Zudem verhindere man durch den Bau der Containersiedlung, dass Schulturnhallen belegt werden müssten, so der Bürgermeister. Und es gibt dort keine Nachbarn im eigentlichen Sinne – das sagte Stoiber zwar nicht, doch ist auch das für die Planer ein Pluspunkt. So hatte es bei der anderen Container-Siedlung durchaus kritische Stimmen aus der Nachbarschaft zur Planung des Landratsamts gegeben. Die dürften hier ausbleiben. Sicher sei es für eine Integration besser, wenn die Geflüchteten in einzelne Wohnungen verteilt würden. Doch gebe das der Wohnungsmarkt in der Stadt nicht her, auch wenn mancher Privatbesitzer noch Wohnungen frei habe und vermieten könne, stellt Martin Stoiber fest: „Die Wohnungssituation ist erschöpft!“ Das treffe auch die Studenten. Günther Lommer befand den Platz als „am wenigsten problematisch.“
Einzige mahnende Stimme ist Stadtrat Christian Bauer, der für Janahof im Gremium sitzt. Er erinnert daran, dass der Ortsteil bereits ein Haus für Flüchtlinge habe, wo aktuell Ukrainer wohnen. Es sei ihm wichtig, dass mit der zusätzlichen Unterkunft, die nun entstehe, dann Ende sei in dem Ortsteil und es keinen weiteren Ausbau über die anvisierten 80 Plätze gebe. „Noch mal das Doppelte wäre nicht in meinem Sinne“, sagt Bauer.
Auch wenn es ihm nicht leicht sei, hier Ja zu sagen, werde es sonst wohl woanders „schmerzlicher“. Doch sollte es nach dem Bau dieser Siedlung dort nicht weitergehen, bekräftigt er.
Radverkehrskonzept für Cham verabschiedet
Gegenstimme: Mit einer Gegenstimme ist am Dienstag das Radverkehrskonzept für Cham verabschiedet worden. Die kam von CSU-Stadtrat Günther Lommer, der wenig Sinn in einem fahrradfreundlicheren Umbau der Straßen sah. Er sei Radfahrer und habe noch nie Probleme gehabt. Die 133 Seiten des Konzepts würden darüber sprechen, wie gut die Sitzungen des Verkehrsforums angenommen worden seien – er sehe das nicht. Nur wenige Bürger hätten sich beteiligt. Er sei auch gespannt, ob das Ziel, den Radverkehr von einem auf fünf Prozent zu erhöhen, erreicht werde und mahnte an, bei den gleichen, schlechten Wetterbedingungen zu zählen wie beim Auftakt. Zudem werde er von vielen angesprochen, was das solle mit den Radwegen auf den Hauptverkehrsstraßen: „Daher werde ich dagegen stimmen!“
Entgegnung: Stadträtin Claudia Zimmermann sprach gegen Lommers Erfahrung, in der Stadt sei Radfahren kein Problem. Sie habe schon oft sehr gefährliche Situationen als Radfahrerin in der Innenstadt erlebt. „Das war bisher kein Spaß als Radfahrer!“, so Zimmermnann. „Die fahren um dich vielleicht einen ehrfürchtigen Bogen“, mutmaßte sie Richtung Lommer. Sie habe anderes erlebt. Die Stadt habe bislang kein Alltagsradkonzept gehabt. Sie sei oft von bürgern angesprochen worden, die mit dem Rad unterwegs seien, dass die Stadt nun endlich eine Verbesserung anstrebe.
Konzeptmacher: Die Konzeptschreiber, Nikola Richter und Christian Fahnberg vom Büro INGEVOST, wiesen darauf hin, dass das Konzept für Normalradler sei und immer weiter entwickelt werden müsse. Es gebe gut ein Drittel der Bürger, die das Rad für den Alltag nutzen könnten. Den Radverkehr auszubauen, sei auch Staatsziel. Und ebenso Stadtziel, so Bürgermeister Stoiber, wie 2021 beschlossen.
