Neuer Vorstand: Damit es im Arbeitskreis „Cham erleben“ wieder rund läuft

Von Johannes Schiedermeier · 14. November 2023 um 15:00

Wenn David Engl-Baumeister von seinem Schreibtischstuhl aufsteht, dann wird es dunkler im Raum. Mit seinem Gardemaß von 2,02 Metern wirft er einen langen Schatten. Das ist sicher nicht hinderlich, denn der 30-Jährige hat Großes vor und will etwas bewegen. Seit nun fünf Jahren ist er Mit-Geschäftsführer des Autohauses Cham und seit ein paar Tagen Vorsitzender des Stadtmarketing-Arbeitskreises „Cham erleben“.

Ist das Autohaus kein Ganztags-Job mehr? Engl-Baumeister lacht: „Doch, ist es, ganz bestimmt. Und wenn meine Adoptivmutter nicht wäre und wir nicht 90 extrem selbstständige Mitarbeiter hätten, dann ginge das alles auf einmal ganz sicher nicht.“

Die Idee mit den Porsche

Es kommt ihm zugute, dass die Fronten im Autohaus seit Jahren endgültig geklärt sind. Fünf Jahre lang hat er sich in einem Autohaus in München-Süd akklimatisiert. Dem Job seines Vaters als Architekt hat er sich nie gewachsen gefühlt: „Da fehlt mir das Vorstellungsvermögen und die räumliche Phantasie. Aber Autos waren schon immer meine Welt.“

Deswegen war der Schritt ins Autohaus Cham am Ende genauso logisch wie seine Adoption durch Mit-Geschäftsführerin Karin Baumeister: „Ich bin bei meinem Vater und Karin aufgewachsen. Diese Entwicklung lag auf der Hand.“ Seit der Nachfolger seinen Schreibtisch im Ausstellungsgebäude bezogen hat, ist auch die Fusionsdebatte von einst endgültig Geschichte. Das Autohaus Cham hat sich für die Zukunft selbst aufgestellt.

Vor dem Fenster des Büros steht – zum greifen nah – ein Weinlese-Bulldog von Porsche. Knallrot. „Den liebe ich. Oft kommen Leute nur deswegen in den Ausstellungsraum. Manchmal auch Kinder.“ Doch neben dem Oldtimer stehen noch ein gutes Dutzend Porsche-Sportwagen dort. Was machen die da? Dort, wo eigentlich Audi, VW und Skoda verkauft werden sollen?

Das ist eine der zunächst verwegen anmutenden Ideen, von denen demnächst auch der Arbeitskreis „Cham erleben“ profitieren könne. Mit den exklusiven Porsche-Modellen hat Engl-Baumeister die Klientel der Firmen-Chefs ins Haus gelockt, mit denen er so ins Geschäft gekommen ist...

Und jetzt also „Cham erleben“. Wie kommt man auf die Idee? Wo es doch ein offenes Geheimnis war, dass es im Arbeitskreis seit einigen Jahren nicht mehr rund lief. „Bürgermeister Martin Stoiber hat mich angerufen und mich gefragt, ob ich mir das vorstellen könnte. Ich hab mir das angesehen und mir gedacht: Das wäre ein Blick über den Tellerrand hinaus. Da habe ich Ja gesagt!“ Den Blick über den Tellerrand hat Karin Baumeister übrigens auch schon genossen.

Doch die Entscheidung erwies sich im Nachgang als weitreichend. „Es hat da ein paar Versäumnisse in der Vergangenheit gegeben , die sich mit einer Reihe unglückseliger Umstände verkettet haben – zum Beispiel mit Corona“, sagt der neue Vorsitzende. Nun wird nachgearbeitet. „Cham erleben“ brauche eine finanzielle Verschnaufpause. „Wir sind gerade dabei, die rund 90 Mitgliedsbeiträge 2023 einzuziehen und der Stadtrat hat beschlossen, dass die Stadt heuer die Weihnachtsbeleuchtung alleine trägt. Ab April 2024 läuft es wieder rund“, sagt Engl-Baumeister.

Das heißt aber nicht, dass bis dahin nichts passiert. „Wir haben einen tollen Vorstand, der zum Großteil ganz neu im Amt ist. Wir wollen richtig was bewegen“, so der Vorsitzende. Einen Vorgeschmack soll die große Weihnachtsaktion geben. Bei Einkäufen in den Mitgliedgeschäften wird es 4500 Lose geben im Wert von 22000 Euro. Vom Kleingewinn bis zum Balkonkraftwerk ist alles dabei. „Wir wollen ein Zeichen setzen, dass wir wieder da sind“, sagt er.

In seinem Schreibtisch wächst gerade eine Mitgliederoffensive. Der Marketing-Arbeitskreis werde die 100 Mitgliedermarke locker im nächsten Jahr sprengen, verspricht Engl-Baumeister. Er will dazu auch neue Wege gehen. Er will erreichen, dass sich auch das Handwerk mit einbringt.

Auto, Mode und (viel) mehr

„Das ist eine ganz interessante Kombination für beide Seiten: Handel und Handwerk. Diese Kommunikation sei wichtig, denn nicht jeder Handwerker sei ein guter Verkäufer. Und umgekehrt gelte dasselbe. Die erste Frucht dieser neuen Zusammenarbeit: Im Autohaus Cham wird es künftig auch möglich sein, Photovoltaik zu erwerben.

Doch das soll noch lange nicht alles sein. Beim verkaufsoffenen Sonntag im April will der Vorsitzende mit seinem neuen Vorstand buchstäblich „mehr“ auf die Beine stellen. Denn Autos und Mode laufen ja schon sehr gut. Aber das „und mehr“ – da möchte der Vorsitzende für „Auto, Mode und mehr“ wirklich mehr draus machen. Was genau, will er noch nicht verraten.

Es scheint wieder rund zu laufen im Arbeitskreis.