Zu Fuß durch Schottland: Friedhelm Mutschler und Johann Oswald als Backpacker unterwegs

Wie kommt ein Lotus-Freak wie Friedhelm „Mac“ Mutschler auf die Idee, Schottland mit Rucksack und Zelt zu erkunden? Dies und viele Erlebnisse vom Abenteuer-Trip erzählen Mutschler und sein Schwager Johann „Ossi“ Oswald bei ihrem Reisebericht.
Schottland ist das nördlichste Land Großbritanniens und wird von schroffen Berglandschaften wie den Cairngorms und den Northwest Highlands geprägt. Dazwischen erstrecken sich Gletschertäler (Glens) und Seen (Lochs). Weder auf die Städte, noch die Golfplätze hatten es die beiden abgesehen: Sie wollten die Natur auf sich wirken lassen.
Bekannt durch Lotus-Treffen
Mutschler, der von seinen Freunden „Mac“ gerufen wird, ist Mitglied der Seven-IG, eine Interessengemeinschaft der legendären Kult-Roadster „Lotus Super Seven“, deren Nachfolgemodellen sowie der Lotus Elise. Mutschler, den es von der Kurpfalz über die Pfalz nach Aufgabe seines Küchenstudios in die Oberpfalz, den Wurzeln seiner Frau Roswitha, verschlug, hat bereits zwei Lotus-Treffen in Roding organisiert und dabei für Aufsehen gesorgt. Wenn „Mac“ nicht gerade mit einem seiner Oldtimer „on the Road“ ist, verbringt er seine Freizeit in der Natur mit Wandertouren.
Ein noch extremerer Naturfreak und Nordland-Typ ist sein Schwager Johann Oswald, den alle „Ossi“ rufen. Er ist in Stamsried groß geworden und war nach dem Maschinenbaustudium in Regensburg bei der damaligen MBB in Augsburg mit dem Eurofighter-Projekt beschäftigt. Bei Airbus leitete er das Eurocopter-Projekt „Zivile Hubschrauber“ und später „Tiger“, der für den Einsatz in Afghanistan bestimmt war. Zum Ende seines beruflichen Werdegangs jettete Oswald als Leiter der Airbus Akademie zwischen Donauwörth, Marseille und Toulouse hin und her. Um bei diesem stressigen Business die Bodenhaftung nicht zu verlieren, suchte und fand er den Ausgleich in der Natur.
Von der Landschaft fasziniert
Aufgrund der beruflichen Aktivitäten in England sei er mit Schottland verbunden gewesen und ihn habe die einmalige Landschaft fasziniert, gesteht er, der von Trails mit üppiger Vegetation und genialem Farbenspiel gelesen habe und sich in deren Bann gezogen fühlte. Mit einem Trailführer von seiner Frau und einem Sabbatical (sechs Monate Auszeit von der Arbeit) habe dann alles angefangen. Nach einigen mehrwöchigen Einzeltouren wurden auch Trips mit Frau Monika, Schwester Roswitha und deren Ehemann Friedhelm unternommen.
Im vergangenen September nahmen „Mac“ und „Ossi“ eine insgesamt über 200 Kilometer lange Tour, darunter auch den etwa 60 Kilometer langen Glen Affric Trail von Drumnadrochit (Loch Ness) nach Morvich/Shiel Bridge in Angriff.
20 Kilogramm Gepäck
Mit 20 Kilogramm Gepäck, unter anderem Zelt, Schlafsack, Ultraleichtluftmatratze, Kocher und Adventure Food (gefriergetrocknete Nahrung und Powerriegel) ging es von Frankfurt nach Glasgow und weiter mit der Eisenbahn „Scot-Rail“ nach Fort William. „Dort haben wir den restlichen Proviant sowie Gas zugekauft und zwei Tage im Zelt zum Eingewöhnen verbracht“, erzählt Mutschler.
Dann ging es auf Schusters Rappen Richtung Ben Nevis, dem mit 1345 Metern höchsten Berg ganz Großbritanniens. „Über Stock und Stein, unter Baumstümpfen und mannshohen Farn ging es auf schmalen Wegen und Schaftrampelpfaden durch die schroffe Landschaft“, schwärmen beide. Das Wetter sei sehr schlecht gewesen, oft Nebel, und Orkanausläufer peitschten den Regen gegen die Zeltplane. „Manche Nacht habe ich fast kein Auge zugetan, während Ossi schlief“, gibt „Mac“ die bleibenden Eindrücke wieder. „Doch der Blick am Morgen aus dem Zelt entschädigte für vieles.“
Nicht ohne Vorkenntnisse starten
Man sei der Natur ausgeliefert – aber auch irgendwie verbunden, mit sich selbst beschäftigt, konzentriere sich auf jeden Schritt und schärfe seine Sinne. „Man riecht und sieht anders, viel intensiver, und ist mit dem Puls der Natur verbunden“, versichern die beiden Rucksacktouristen. Das Wasser aus den Bächen mit Moorgeschmack habe als Durstlöscher gedient und das Hungergefühl habe sich in Grenzen gehalten. „Für die Abendruhe suchten wir immer einen erhöhten Platz, damit es uns bei Starkregen nicht wegschwemmte“, erzählen die Naturliebhaber mit einem Schmunzeln.
Ganz ohne Vorkenntnisse sollte man eine solche Tour nicht starten, denn sie verlangt diszipliniertes Vorgehen, und das bereits beim Ein- und Auspacken des Rucksacks, berichten die beiden. Zudem gibt es keinen Handyempfang und keine Bergwacht, somit müsste man bei einer Verletzung zwei bis drei Tage auf Hilfe warten. „Nach anstrengenden Tagen und Nächten im Zelt unter freiem Himmel haben wir uns auf ein Pint, schottisches Ale (Bier) und Haggis (Lamminnereien, Kartoffelpüree mit Whiskeysoße) gefreut. Nach einer kurzen Ruhepause folgten noch ein paar Tagestouren. Da sei man auch an Drehorten wie „Eilean donan Castel“ für die Spielfilme „James Bond 007“, „Braveheart“ und „Highlander“ vorbeigekommen.
Nächste Tour schon geplant
„Für nächstes Jahr haben wir eine anspruchsvolle Tour durch das Hochmoor oder die Isle of Skye (Nebelinsel) ins Auge gefasst“, verrät Mutschler. Sein Spitzname „Mac“ habe nichts mit den Schottlandtrips zu tun, sondern rührt aus seiner Jugendzeit, verrät er.


