Der Wert der Kultur in der Oberpfalz war Thema im Konzerthaus in Blaibach

Von Stefan Weber · 9. November 2023 um 17:00

In großer Runde kamen am Mittwochabend Vertreter von Städten und Gemeinden mit denen des Amtes für Ländliche Entwicklung in der Oberpfalz in Blaibach zusammen, um beim Tag zur Integrierten Ländlichen Entwicklung (ILE) vor allem über ein Thema zu sprechen: Die Kultur. Welcher Ort würde sich da besser eigenen als das Konzerthaus?

Geladen waren neben den Vertretern aus der Politik auch Mitarbeiter des zuständigen Amtes für Ländliche Entwicklung in der Oberpfalz und Menschen, die selbst im Auftrag der Kultur unterwegs sind - sei es im Verein oder als selbstständige Künstler. Landrat und Bezirkstags-Präsident Franz Löffler eröffnete am späten Nachmittag das Treffen und freute sich auf „interessante Impulse aus den Vorträgen und im Anschluss auf eine interessante Podiumsdiskussion mit vielfältigen Perspektiven“.

Braucht Menschen vor Ort

Die gab es dann auch an diesem Abend - nicht nur für die Gäste, die zum ersten Mal aus dem gesamten Regierungsbezirk in das Konzerthaus gekommen waren. Architekt Peter Haimerl legte in einem kurzen Vortrag dar, wie sich das Projekt vor rund zehn Jahren gerade im Ländlichen Raum und gegen Widerstände hatte realisieren lassen. Er öffnete den Blick weg von den zu erwartenden Förderungen bei Projekten dieser Art und führte hin zu dem, was seiner Meinung nach immer die wichtigste Ressource sei: „Das sind die Menschen vor Ort und deren Einsatz“, sagte er.

Darüber hinaus brauche es bei Projekten dieser Größe auch immer private Investoren, die weit über staatliche Fördermöglichkeiten hinausgingen; „Menschen, die nicht in Punktelisten in Gremien und in den Verfahren die meisten Punkte erreichen, sondern solche, die Erfahrung mitbringen.“ Deren persönliches Engagement sei unbezahlbar und mehr wert als eine geförderte Leistung, „die für 1000 Euro ausgeschrieben ist und die auch genauso viel wert ist“, sagte er. Engagement, das bringe auch Sponsoren von weiter her, die Geld in innovative Projekte investieren könnten. Auch zum Erfolg gehörten aber auch die politischen Entscheidungsträger vor Ort, die - gerade in Blaibach - auch im Vorfeld schon viel an Diskussion hatten aushalten müssen.

Möglichkeiten fehlen

In der anschließenden Diskussions-Runde zwischen staatlichen und privaten Kultur-Schaffenden stellte sich vor allem ein Problem heraus, das Kunstschaffenden in der Region haben: Es fehlt an den Möglichkeiten. Davon zeigten sich besonders Schauspielerin und Regisseurin Christina Baumer sowie die Kulturkreative Franzi Glaser - beide aus der nördlichen Oberpfalz - überzeugt. Denn auch wenn Bezirksheimatpfleger Tobias Appl betonte, dass das Ausfüllen eines Förderantrages nicht länger als 20 Minuten dauern würde, waren Summen von 250 Euro den beiden Frauen zu wenig: „Vor allem, wenn ich einen Film produziere, der low Budget schon 120 000 Euro kostet“, so Baumer. Beide betonten, dass sie viel lieber in ihrer Heimat, also in der Oberpfalz, arbeiten wollten, es dafür in der Region aber schlicht an Möglichkeiten, also am Rahmen überhaupt fehle.

Dass es auch anders sein kann, das erzählte Fotografin Evi Lemberger aus Lam. Nach rund zehn Jahren, in denen sie in vielen Ländern unterwegs gewesen war, kehrte sie wieder in ihre Heimat zurück. An Möglichkeiten, ihre Kunst auch im Bayerischen Wald verfolgen zu können, fehle es nicht, ganz im Gegenteil: „Fremd ist ja nicht spannend an sich - im Gegenteil: Das Bekannte kann auch Tiefe bieten, um Dinge besser zu begreifen.“ Darum sei sei auch in der Oberpfalz mit ihrer Kunst gut aufgestellt und habe dank Fördermitteln auch gemeinsam mit weiteren Unterstützern das Lichtspielhaus Lam ins Leben gerufen.

Dass der Bezirk über weniger Mittel für die Kultur als der Freistaat verfüge, das räumten auch die Vertreter vom Amt ein. Doch dafür hätten sie das Land im Blick, und das sei ja auch viel Wert - und blieb an diesem Abend doch ein Problem für die Kulturschaffenden, das sich nicht lösen ließ.

Daniela Wehner (l.) moderierte die Diskussions-runde mit Christina Baumer, Tobias Appl, Evi Lemberger, Roland Spiller und Franzi Glaser (v.r.)