Wer in Kelheim Kexi bucht, aber nicht fährt, muss bald eine Strafe zahlen

Der Kelheimer Stadt-Rufbus ist bei den Bürgern gefragt – zum Jahreswechsel ändert sich einiges.
Der Kelheimer Stadt-Kexi ist gefragt bei den Bürgern, insbesondere seit Einführung des Deutschland-Tickets. Der Rufbus stößt mittlerweile aber immer öfter an Kapazitätsgrenzen. Über kurz oder lang müssten die Kommunalpolitiker über eine Ausweitung nachdenken. Das war eine der Botschaften, die Stefan Grüttner, der ÖPNV-Stabsstellenleiter im Landratsamt, den Stadträten überbrachte. Zudem kündigte aber einige Neuerungen an. Eine davon: Wer den Bus bucht, aber nicht fährt, muss eine „No-Show-Gebühr“ zahlen.
• Stadt, Land, Verwirrung: Seit Anfang Oktober ist auch der Landkreis-Kexi am Start. Kexi-Nutzer in der Kreisstadt, brauchen seither gegebenenfalls zwei Apps – die blau-weiße Stadt-Kexi-App und die Landkreis-Kexi-App mit schwarz-weißem Logo. (Anschluss-)Fahrten müssen bis dato in der jeweiligen App einzeln gebucht werden. Denn noch sind es getrennte Betriebs- und unterschiedliche Preissysteme. Bis Januar 2024 soll alles in einer App zusammengeführt sein, so Grüttner. Dies sei aber nicht so einfach. Am einfachsten wäre es, die Nutzer eine neue Datenschutzvereinbarung akzeptieren zu lassen. „Schlimmstenfalls müssen sie sich neu anmelden“, so Grüttner.
• „Frischeste“ Zahlen: Auf Antrag von Dennis Diermeier (Freie Wähler) berichtete Mobilitäts-Stabsstellen-Leiter Stefan Grüttner, wie es läuft mit dem Kexi in der Kreisstadt. Dafür hatte er die „frischesten“ Zahlen von Januar bis Ende August 2023 dabei. In der Zeit gab es 23.368 Fahrten mit 28.976 Fahrgästen. Dabei nutzten 1765 unterschiedliche Personen den Rufbus. Die drei Stadt-Kexi-Busse legten in der Zeit 97.477 Kilometer zurück. Bei 47 Prozent aller Fahrten saß mehr als ein Fahrgast im Bus. Pro Fahrerstunde wurden im Schnitt 4,2 Fahrten erledigt.
23.368 durchgeführten Fahrten standen im Buchungssystem 67.382 Anfragen für Fahrten gegenüber. Das heißt, 43 Prozent der potenziell gewünschten Fahrten kamen auch zustande. Beliebteste Einstiege sind nach wie vor Saaler Bahnhof, Schäfflerstraße (Einkaufscenter), Stadtmitte, Donaupark oder Stettiner Straße. Häufigste Ziele von Saal aus sind das Einkaufscenter, die Kelheimerwinzerstraße auf Höhe der Discounter, Stettiner Straße oder Wöhrdplatz. Im Schnitt legen die Fahrgäste 4,2 Kilometer im Stadt-Kexi zurück. Die durchschnittliche Fahrzeit betrage acht, neun Minuten, so Grüttner.
Mehr als drei Viertel der Kunden buchen per App, der Rest über die telefonische Buchungszentrale. Zwischen 8 und 16 Uhr landet man werktags im Landratsamt, dann werde keine Kosten fällig. Wohl aber außerhalb dieser Zeiten, wenn ein externer Dienstleister übernimmt.
Weil Grüttner nichts über die Kosten sagte, kamen Nachfragen. 2022 hatte die Stadt ein Defizit von 110.000 Euro zu tragen, so Grüttner. Bislang waren die Fördersätze höher und das dritte Fahrzeug gab es dank der Kelride-Förderung quasi „umsonst“ dazu. 2024 werden der Sprung dank sinkender Förderung größer. Dann muss die Stadt 260.000 Euro tragen.
• Viele buchen jetzt vor: Eigentlich ist der Kexi als „On demand“-Bus, sprich bei (spontanem) Bedarf, gedacht. Weil die Busse – insbesondere in den Spitzenzeiten (6-7 Uhr morgens oder zwischen 12-15 Uhr) – an ihre Auslastungsgrenze stoßen, ist es mittlerweile so, dass 60 Prozent der Fahrten vorab gebucht werden, 40 spontan. „Die Leute haben mitbekommen, dass sie zu bestimmten Zeiten nur eine Fahrt bekommen, wenn sie vorgebucht haben.“ Diese Erfahrung haben auch Grüttner und Bürgermeister Christian Schweiger persönlich gemacht. Weil Vorbuchungen aber nicht unbegrenzt im Voraus Sinn machen, gehe dies nur maximal sieben Tage vorab.
• Das ändert sich ab Dezember: Ab Dezember werden in der Kernstadt sechs autonome Busse mitfahren. Damit können die Kelheimer kostenlos Donaupark, Altstadt, Bauersiedlung, Einkaufscenter, Fischerdörfl und das Mitterfeld erreichen.
• Das ändert sich 2024: Ab 1. Januar 2024 soll es eine Kexi-App für Stadt und Landkreis geben. Mutmaßlich wird es die Land-Kexi-App (schwarz-weißes Logo) sein. Auch preislich ändert sich etwas. Erwachsene zahlen in der Zone 1 drei Euro, für Fahrten in Zone 2 vier Euro. Die Preise in Kelheim und Neustadt werden damit angeglichen. Weil seit Einführung des Deutschland-Tickets Fahrten oftmals gebucht, aber dann nicht angetreten werden, weil sie ja „nichts kosten“, wird ab 1. Januar als „erzieherische Maßnahme“ laut Grüttner eine „No-Show“-Gebühr von zwei Euro eingeführt. In den vergangenen Monaten hätte aufgrund der großen Nachfrage vielfach jemand anderes fahren können, so Grüttner über das Problem. Zudem soll es Änderungen in der Schichtplanung geben. Weil insbesondere am Morgen (zwischen 6 und 7 Uhr) viele Kelheimer Kexi fahren wollen, sollen ab Januar statt einem gleich zwei Busse ab sechs Uhr fahren, ein dritter ab 9 Uhr dazukommen.
• Laufend weiterentwickeln: Der Kexi sei kein „fertiges System von der Stange“, sondern eine laufende Entwicklung, betonte Bürgermeister Christian Schweiger. So sei bislang etwa das Frauenhäusl nicht angebunden, weil es „unbewohnt“ ist. Schweiger sähe dennoch Sinn darin, auch mit dem Rufbus zur dortigen Gaststätte mit Biergarten fahren zu können. Hier werde man künftig nachjustieren.
Lösung für ein Problem, das es öfter gibt
Grünen-Stadtrat Franz Aunkofer brachte das Problem eines Bürgers vor, der die Erfahrung machte, dass er am Saaler Bahnhof spontan, ohne im Besitz der Kexi-App zu sein, angesichts leerer Sitzplätze mitfahren wollte – aber nicht durfte. „Warum kann man dem Fahrer nicht einfach den Fahrpreis in die Hand drücken und mitfahren?“, fragte Aunkofer.
ÖPNV-Mann Grüttner kennt das Problem, entgegnete er. Für den Einzelnen sei ein leerer Bus jedoch nur eine „Momentaufnahme“. Der Bürger sehe nicht, welche Anschluss-Fahrten im System bereits gebucht seien. Der Fahrer könne nicht einfach von voraus gebuchten Routen abweichen. Zum anderen komme das Geld für die Fahrt bar „nicht ins System“. Denn über die Buchungsapp funktioniere quasi auch das Bezahlsystem. Jedoch will man sich für diesen Fall, der durchaus öfter vorkommt, bis Januar eine Lösung überlegen, sagte Grüttner. Dann sollen App-Nutzer den Button „Gleiches Ziel“ drücken können und so Dritte, die kein Handy haben, spontan „mitnehmen“ können.
