Baderhäusl soll erhalten bleiben: Unabhängige Bürger wollen den Verfall stoppen

Ein historisches Gebäude beim sanierten Zehentstadel führte zu Diskussionen im Marktrat. Die Grundmauern wurden nachweisbar 1566 errichtet.
Alteingesessene können sich bestimmt noch gut an die frühen 80er Jahre erinnern, als ein Baudenkmal die Marktgemeinde spaltete: der historische Zehentstadel am Schlossplatz. Bürgerschaft und Gemeinderat zerfielen in zwei Blöcke – Freunde und Gegner. Am Ende setzten sich die Befürworter einer Sanierung des profanen Gebäudes durch. Brauereibesitzer Michael Wiendl hatte es dem Markt geschenkt.
Ganz aktuell führte nun das benachbarte historische Gebäude zu Diskussionen im jetzt amtierenden Marktrat. Die Unabhängigen Bürger (UB) hatten einen Antrag zum Erhalt des Baderhäusls gestellt. Dessen Grundmauern wurden nachweisbar 1566 errichtet und über die Jahre mehrmals aufgestockt und umgebaut.
Herbert Gabriel (UB) erläuterte in der jüngsten Sitzung des Gremiums die Überlegungen seiner Fraktion, nun endlich ein vernünftiges Konzept auszuarbeiten, bevor die Substanz der alten Mauern noch schlechter würde. Wie ernst die Markträte diese Anregung nahmen, zeigte der weitere Sitzungsverlauf über eine knappe Stunde.
Am Zehenstadel angebaut
Eine entscheidende Frage konnte Bürgermeister Matthias Beer (CSU) schon beantworten: das Gebäude stehe nicht unter Denkmalschutz. Damit sei der Weg zu relativ vielen Gestaltungsmöglichkeiten offen, selbstverständlich immer mit Blick auf den historischen Zehentstadel, an den das Baderhäusl angebaut ist. Klar, dass im Gebäude allerhand zu untersuchen und erledigen sei: etwa Schimmelbefall, Statik, Trockenlegung, energetische Sanierung.
Bei der aktuell sehr angespannten Finanzsituation der Marktgemeinde eine schwierige Überlegung. Für Andreas Niebler (CSU) eine klare Sache: Abriss und Freiflächengestaltung! Ins gleiche Horn stießen Robert Achhammer (CWV) und Sebastian Liedtke (CSU), der mit Blick auf eine mittlerweile 17 Jahre alte Planung feststellte: „Man kann uns viel vorwerfen, aber nicht, dass wir etwas übern Zaun brechen.“
Indes kämpfte Christian Kraus (UB) mit seiner Gefühlslage, weil er gerne „was Gutes schaffen“ würde, aber aktuell auch keine Idee habe. Deshalb sein Vorschlag, „zum Brainstorming im Frühjahr“, um die verschiedenen Möglichkeiten, Bedürfnisse und Ideen auszuloten. „Geld haben wir nie“, stellte Herbert Gabriel fest und erinnerte an die fehlenden Nutzflächen bei Veranstaltungen im Zehentstadel. Gerhard Rinkes und Josef Weigert jun. (beide SPD) sprachen sich für den Erhalt des Baderhäusls aus und regten Untersuchungen durch die Städteplanerin Ulrike Seywald vom Ingenieurbüro Dömges an. Dabei sollte auch überlegt werden, wie der Zehentstadel platzmäßig besser genutzt werden könnte.
Doch wenn die Gemeinde für ihre Maßnahme – welche auch immer – noch Fördergelder bekommen möchte, sollte bald eine Entscheidung fallen, gab Niebler zu bedenken, „denn die Förderrichtlinien werden zusehends schlechter“. Aktuell lägen die Fördersätze laut Bürgermeister bei 15 Prozent für Abbruch und Neubau, und bei jeweils 60 Prozent für Sanierung oder Abbruch und Platzgestaltung.Genau auf den letzten Punkt einigte sich das Gremium mit 14:4 Stimmen – konkret auf eine Machbarkeitsstudie zum Abbruch des Baderhäusl und zwei Alternativvorschlägen zur Gestaltung der damit entstehenden Freifläche neben dem Zehentstadel. Zuvor war der UB-Antrag mit 6:12 Stimmen durchgefallen.
Hangsicherung erforderlich
Einig war sich das Gremium über die Notwendigkeit einer Sanierung des Unteren Zehentbergweges. Dazu stellte Thomas Hecht vom Ingenieurbüro Kehrer verschiedene Varianten vor. Weil die Straßenkante sich zum ehemaligen Netto hin senkt und bröckelt, sei zunächst eine massive Hangsicherung erforderlich. Als Vorzugsvariante stellte der Fachmann ein Hydro-Zementaktives Verfahren vor, das den Hang mit Betonbalken und Erdbeton stabilisieren soll. Die Kosten dafür lägen bei 120000 Euro. Dazu komme der Straßenbau mit 250000 Euro und eine Kanalvergrößerung zur Entlastung des Zehentberges mit 90000 Euro. Unterm Strich rechnet der Planer mit Kosten von insgesamt 460000 Euro, was der Gemeinderat einstimmig befürwortete. Als Zeitschiene nannte Bürgermeister Beer die Ausschreibung noch heuer und Baubeginn im kommenden Jahr.