Konzert-Veranstalter Olli Zilk erhält den Bayerischen Popkulturpreis

Es ist, als ob es das Wort Stillstand in seinem Vokabular nicht gäbe. Olli Zilk, der das Alte Spital in Viechtach (Landkreis Regen) und den Bahnhof in Bad Kötzting (Landkreis Cham) betreibt, macht aus Leerständen Musikspielstätten, sorgt dafür, dass Kunst stets mehr Menschen erreicht und die Kulturszene im Bayerischen Wald schon lange über die Grenzen der Provinz hinausgewachsen ist.
Für sein Wirken erhält Olli Zilk, 51, den Bayerischen Popkulturpreis in der Kategorie „Pop-Raute“. Die Preisverleihung findet am 23. November im Feierwerk München statt. Diesen Preis zu bekommen ist für ihn eine schöne Würdigung seiner Arbeit und „natürlich eine sehr große Freude“, sagt Zilk am Telefon. Er hofft, dass sich das auf den Besuch bei den Konzerten auswirkt und „somit auch meine Künstler was davon haben“.
An die 1000 Konzerte seit 2016 veranstaltet
An die 1000 Konzerte hat Zilk seit 2016 veranstaltet und Musiker aus über 80 Ländern in den Bayerischen Wald geholt. Von Hip-Hop über Jazz bis Bluesrock – abwechselnd im Alten Spital in Viechtach und im Bahnhof in Bad Kötzting, in dem er auch wohnt, bietet Zilk an mindestens drei Abenden pro Woche Konzerte an. „Was auf jeden Fall beachtlich ist, wir haben an jedem Öffnungstag neue Gäste da. Und auf die, die seit Corona nicht mehr kommen, muss man eben leider verzichten.“ Eine Gruppe aus Landshut war letztens da, einige Gäste aus Pfaffenhofen kommen regelmäßig.
„Das Schöne ist, dass in den Stunden, die man bei uns verbringt, andere Probleme oft ausgeblendet werden. Wenn man so ein bisschen eine Oase der Glückseligkeit vorfindet, in der es natürlich bei jedem einzelnen Konzert etwas Neues zu entdecken gibt.“
Man braucht extrem viel Idealismus
Aber bei aller Liebe zur Musik bleibt die Arbeit in der Branche ein Balanceakt. „Auf der einen Seite will man Kultur machen und möchte, dass sich die Gäste auf die Konzerte einlassen, auf der anderen Seite lebe ich natürlich vom Getränkeverkauf. Das war schon immer ein schmaler Grad“, sagt Zilk. Mit Spenden hat er die Konzerte anfangs finanziert, inzwischen kosten sie in der Regel Eintritt. Von den Einnahmen geht ein großer Anteil an die Bands als Gage. Der Getränkeverkauf sei zurzeit etwas zurückgegangen, da Besucher mehr aufs Geld achten. Das kompensiert Zilk aus eigener Tasche. „Das Eintrittsgeld macht es einfacher, über die Runden zu kommen.“
Wie viel Idealismus braucht man also, um in der Kulturszene zu arbeiten? „Extrem viel“, sagt Zilk. Zwar sei es auf dem Land schwieriger, viele Leute zu Veranstaltungen zu locken, „aber dafür ist die Schwelle, die ich mit Nebenkosten und festen Ausgaben habe, erheblich niedriger“. Er könne daher das Risiko leichter eingehen. Seine Live-Clubs im Bayerwald vermietet er auch für private Feiern, „dann generiert man so noch Geld“.
Vor und und nach den Konzerten gibt es viel zu tun
Bevor es im Bahnhof eigene Unterkünfte für die Musiker gab, brachte Zilk diese kurzerhand in seinen eigenen vier Wänden unter. „Wenn ich drei Bands in der Woche hatte, waren das ab und zu insgesamt so 20 Musiker, die bei mir übernachtet haben.“ Egal, was es war, es war Zilks Aufgabe: Putzen, Aufräumen nach den Konzerten, die Betten machen, Tonmischen bei den Auftritten oder das Buchen der Bands. Für das Drumherum ist er auch heute noch zuständig.
Hilfe erhält er von seiner Mutter, die den Dienst an der Bar oder am Einlass übernimmt. „Meine Tochter arbeitet auch einmal die Woche mit, meine Freundin hat es lang aushalten müssen mit den Bands, die bei uns zu Hause waren.“ Jetzt sind die Musiker in einem eigenen Stockwerk untergebracht, der Aufwand ist aber nicht weniger geworden. „Das sehen viele Leute nicht. Natürlich stehe ich am Freitagabend unter Umständen relaxed im Laden, mische die Band ab und genieße die Musik. Dann sieht das aus wie das schönste Leben, aber es hängt viel dran, bis es so weit ist.“
Leerstehender Laden wird zur Konzertlocation
Seiner Begeisterung für Kultur tut das aber keinen Abbruch. Olli Zilk hat schon wieder neue Ideen in petto. Am morgigen Donnerstag plant er ein Konzert in Bad Kötzting in dem Ladengeschäft, in dem Optik Meier früher war, um „den Fokus auf unentdeckte oder vergessene Perlen zu richten“. Vielleicht werde daraus eine neue Konzertlocation. Es geht darum, zu Kulturveranstaltungen zu inspirieren und den Dialog anzuregen. Im Dezember würde er gerne ein Konzert auf Schloss Miltach machen. „Und mir fallen noch viele Sachen ein.“
Kommende Konzerte:
•Dead Wolf, ehem. Optik Meier, Marktstraße 20 in Bad Kötzting, 2.11, 20 Uhr
•Tolyqyn im Bahnhof Kötzting, am 3.11., 21 Uhr
•Laura Llorens & The Shadows of Love, Altes Spital, 4.11., 21 Uhr
•Angela Aux im Bahnhof Kötzting, 5.11, 21 Uhr