Der Friedhofsgärtner aus Costa Rica: Wie Pablo nach Neutraubling kam

Von Dagmar Unrecht · 31. Oktober 2023 um 15:00

Jose Pablo Arce Serracin pflügt mit dem Laubrechen durch die gelben Blätter. Zwischen den Gräbern und auf den Wegen des Neutraublinger Friedhofs macht sich der Herbst breit. „Wenn kein Laub liegt, dann sind es Pollen, Samen oder im Winter Schnee – irgendwas gibt es immer zu tun“, sagt der 33-Jährige und lächelt freundlich. Kein Zweifel, Pablo mag seinen Job. Als Friedhofsgärtner kümmert er sich um die Grünflächen rund um die etwa 2000 Ruhestätten in Neutraubling. Er schneidet aber nicht nur Hecken und Bäume, säubert Wege und prüft die Standfestigkeit von Grabsteinen, sondern er hat auch ein Ohr für die Besucher. „Manche kommen zweimal am Tag.“

Wenn es auf Allerheiligen zugeht, herrscht auch auf dem Neutraublinger Friedhof viel Betrieb. Gräber werden frisch bepflanzt, Marmorsteine abgewischt und neue Kerzen aufgestellt. Pablo schätzt die Friedhofskultur in Bayern: „Überall brennen Lichter, alles ist geschmückt. Das sieht sehr schön aus. “Aus seiner Heimat Costa Rica kennt er das Totengedenken so nicht.

In Bayerin verliebt

Vor sechs Jahren hat es den jungen Mann nach Deutschland verschlagen. Sein Herz hat ihn hierher geführt. Kathi vom Chiemsee, heute seine Frau, lernte er in Costa Rica kennen. Sie kam über die Hilfsorganisation Brot für die Welt für ein Freiwilligenjahr in sein Heimatland, „ohne ein Wort Spanisch zu sprechen“. Weil er es als gelernter Fremdenführer in Costa Rica vor allem mit Touristen aus den USA zu tun hatte, sprach er gut Englisch und so hatten die Beiden gleich eine Verbindung. Die wurde mit der Zeit fester und 2015 kam Pablo seinerseits zum Freiwilligendienst nach Deutschland – Einsatzort war Berlin.

2017 folgt er seiner Kathi nach Regensburg und begann eine Ausbildung zum Friedhofsgärtner bei Blumen Pappenheimer. „Ein Glücksfall“ sei das gewesen, sagt er heute. „Als Ausländer brauchte ich ein Visum und dafür wiederum eine Arbeitsstelle.“ Parallel zu seiner Ausbildung absolvierte der junge Mann einen Deutschkurs. „Ich mag Sprachen.“ Für nächstes Jahr hat er sich Japanisch vorgenommen. 2019 haben Pablo und Kathi geheiratet. Seit diesem Jahr kümmert er sich um das Grün auf dem Neutraublinger Friedhof und ist froh darüber, eine sichere Arbeitsstelle zu haben. Ein guter Freund, den er während der Ausbildung kennengelernt habe, habe ihn empfohlen. „Für Gärtner ist der Winter ansonsten ein Problem.“ Viele Betriebe in der Branche machen dann zu oder stellen auf Kurzarbeit um.

Der deutsche Winter ist gewöhnungsbedürftig

Überhaupt: der Winter in Deutschland. Der sei schon gewöhnungsbedürftig, vor allem die Dunkelheit, findet Pablo. „Stimmung hat viel mit dem Wetter zu tun.“ Inzwischen habe er sich aber daran gewöhnt, für ein besseres Wohlbefinden setzt er obendrein auf Vitamine: „Das hilft.“

Seit September besitzt er die deutsche Staatsangehörigkeit. Ende Dezember wird er zum ersten Mal seit sechs Jahren wieder in seine alte Heimat reisen. Davor wäre eine Reise über die USA oder Kanada für ihn als Costa-Ricaner kompliziert gewesen, erzählt er. Weit weg von seiner Familie zu sein, sei eine große Umstellung für ihn gewesen. Costa Rica sei zwar ein schönes Land. Aber die wirtschaftlichen Verhältnisse seien schwierig, es gebe viel Korruption. „In Deutschland habe ich bessere Möglichkeiten.“ Heimweh spüre er schon, an manchen Tagen sei es richtig schlimm. „Das ist ein Teil meines Leben.“

Großputz vor Allerheiligen

Die Liebe zu Pflanzen hat der Friedhofsgärtner übrigens von seiner Oma. Sie habe auf dem Land gelebt und er habe sich oft besucht. „Sie hat mir viele Tricks gezeigt.“ In Neutraubling ist Pablo nicht nur rund um die Gräber im Einsatz. Im Sommer hilft er auch in den Parks mit. Sein Lieblingsplatz am Friedhof ist der hintere Teil, bei den großen Bäumen an der Urnenanlage. „Da ist es im Sommer schön schattig.“

Neben der Grünpflege kontrolliert Pablo auch einmal im Jahr den Stand der Grabsteine per Kipp-Tester. „So ein Stein kann bis zu 500 Kilo wiegen. Das wäre gefährlich, wenn einer umfällt.“ Sieht er Trauernde am Grab stehen, achte er darauf, nicht zu stören. Ein respektvoller Umgang mit den meist älteren Besuchern ist ihm wichtig. „Viele kommen täglich.“ Am Friedhof erlebt Pablo aber nicht nur Trauer, sondern auch schöne Momente. Ein älteres Pärchen habe sich hier kennengelernt, erzählt er. Beide hätten zuvor ihren Partner verloren. „Die zwei sind richtig süß.“

Kurz vor Allerheiligen steht noch ein Großputz an. „Kollegen vom Bauhof kommen dazu und helfen mir.“ Zum Gräbergang soll der Friedhof schließlich tipptopp aussehen.