Muster-Produktion: Was künftig in Straßkirchen bei BMW „verpackt“ wird

Von Regina Ehm-Klier · 28. Oktober 2023 um 11:00

Wer wissen will, was künftig im BMW-Standort Irlbach-Straßkirchen in Aluminium-Gehäuse gepackt und zum Hochvoltspeicher für E-Autos zusammengeschlossen wird, konnte sich in Parsdorf bei München ein Bild machen. BMW entwickelt die Batteriezellen selbst und ist jetzt auch in die Serien-Produktion eingestiegen, allerdings nicht in die Massenfertigung. In Parsdorf werden die Musterzellen für die 6. Generation der Hochvoltspeicher hergestellt.

Rund eine Million dieser exakt 422 Gramm schweren Zellen kann das Kompetenzzentrum für Batteriezellfertigung (CMCC) in Parsdorf bei München produzieren. Weit kommt man damit allerdings nicht, wie bei der Eröffnung deutlich wurde. Eine Million Zellen ergibt eine Gigwattstunde (GWh) pro Jahr. CATL, chinesischer Batteriehersteller und Zulieferpartner auch von BMW, will seine nahe Erfurt Ende 2022 eröffnete Fabrik auf eine Kapazität von bis zu 100 GWh hochfahren, produziert aber für mehrere Hersteller.

Die Zellen, die bei BMW in Parsdorf vom Band laufen, werden nur für die eigenen Test-Fahrzeuge und Prototypen verwendet. Aber: Der Autobauer will genau wissen, wie die elektrische Energie in die Fahrzeuge kommt, wenngleich er kein Batteriezellenproduzent ist und auch nicht wird, wie Produktionsvorstand Milan Nedeljkovic im Gespräch betonte. Die Zellfertigung im großen Stil sei personalintensiv, ein Zulieferer könne zudem flexibler auf Innovationen reagieren, erklärte er.

20 Prozent mehr Energiedichte, 30 Prozent mehr Reichweite

Dennoch geht BMW bei der Produktion sehr weit, bis dahin, dass das Unternehmen die Zellen exakt für seine Fahrzeuge erforscht, entwickelt und produziert. Die Mischung der Hauptzutaten Lithium, Nickel, Kobalt und Graphit, die mit verschiedenen weiteren Zutaten und Lösungsmitteln zu einer honigartigen Masse (Slurry) verschmolzen wird, die schließlich die wertvolle Beschichtung von Kupfer und Aluminium ergibt, hat die Fachwelt bereits jubeln lassen: 20 Prozent mehr Energiedichte, 30 Prozent mehr Reichweite bei deutlich niedrigerer Ladezeit und geringeren Kosten stecken in der sechsten Batterien-Generation von BMW. Das sind die Batterien, die in Straßkirchen verarbeitet werden. „Ein technologischer Weitsprung“, schwärmte auch Produktionsvorstand Nedeljkovic.

Auf den Mix kommt es an: Die Rezeptur wurde im Batteriekompetenzzentrum von BMW im Münchner Norden entwickelt und als Kleinserie von 5500 Stück hergestellt. Weil die Batterie das komplexeste Teil des Autos ist, in dem Hunderte Prozessparameter präzise aufeinander abgestimmt werden müssen, wird auch der Hochlauf zur Serienreife in Eigenregie übernommen – auf 15.000 Quadratmetern in Parsdorf.

Der Produktionsvorstand vergleicht das mit dem Kochen: Das Rezept ist das eine, es muss aber gekocht und soweit skaliert werden, „dass es auch in der Großküche schmeckt“. Koch in der Großküche, also Zellfertiger, will BMW indes nicht werden. Das erledigen Zulieferer wie CATL oder Samsung, die dabei die Nähe zu den Produktionsstätten ihrer Großkunden suchen: „Local for local“, beschreibt Produktionsvorstand Nedeljkovic die Strategie. Samsung zum Beispiel will seinen Standort in Ungarn entsprechend erweitern, um BMW an seinem neuen europäischen Werk Debrecen (Eröffnung 2025) mit den runden Zellen zu versorgen. Auch in den USA entsteht nahe des Werks Spartanburg eine Zellfabrik eines Zulieferers, ebenso in China, local for local, also.

Zellen für Bayern kommen aus Ungarn und Erfurt

Die Frage, ob auch in Bayern eine Zellfabrik geplant ist, wo BMW mit München, Dingolfing und Regensburg drei große Fahrzeugwerke betreibt, verneint der Produktionsvorstand: Die Zellen, die in Irlbach-Straßkirchen zu Hochvoltbatterien montiert werden, sollen seinen Worten nach aus Ungarn und Erfurt (CATL) kommen. Ein weiterer Zulieferer plane ein Werk in Norwegen.

Ziel der neuen Batterien ist übrigens die komplette Wiederverwertbarkeit. Auch das ist ein Grund, warum der Autobauer exakt wissen will, was in seinen Batterien steckt, um seine eigene Rezeptur wieder in seine Bestandteile zerlegen zu können.

Startsignal mit einer Batteriezelle (v.l.): Markus Fallböhmer, Leiter Batterieproduktion, Produktionsvorstand Milan Nedeljkovic, Werkprojektleiterin Sophia Zielosko, Martin Schuster, Leiter Entwicklung Batteriezelle, und Philipp Hartig, Leiter Einkauf und Qualität Batteriezelle.