Umstrukturierung: In der Regensburger Herzchirurgie brodelt es – mit Folgen für Patienten

Zahlreiche OP-Schwestern verlassen das Uniklinikum Regensburg. Das hat Folgen für die Patienten.
Die Herzchirurgie am Regensburger Universitätsklinikum (UKR) genießt einen herausragenden Ruf. Das Magazin Focus Gesundheit würdigte erst im März Professor Christof Schmid, Direktor der Klinik und Poliklinik für Herz-, Thorax- und herznahe Gefäßchirurgie, als Top-Spezialisten. Auf der UKR-Website loben Patienten die Versorgung durchwegs in höchsten Tönen.
Doch nach der Zusammenlegung der OP-Pflege für Herz- und Gefäßchirurgie in diesem Jahr haben zahlreiche OP-Schwestern aufgehört. Sie hatten sich wegen zusätzlicher Bereitschaftsdienste und befürchteter höherer Arbeitsbelastung gegen die Fusion ausgesprochen.
Der Personalengpass setzt der Abteilung zu und hat nach Einschätzung einer Beschäftigten auch Folgen für die Patienten. „Wie es bei uns in der Herzchirurgie läuft, ist besorgniserregend“, kritisiert die Insiderin, die anonym bleiben möchte.
Die Abteilung habe zu wenig OP-Schwestern. „Das ist hausgemacht“, urteilt sie. Zwei Drittel der Krankenschwestern aus dem Herz-OP hätten nach der Zusammenlegung gekündigt, unter anderem wegen häufiger Rufbereitschaft. „Wir decken jetzt auch nachts zwei Disziplinen ab.“
Das OP-Team musste warten
Aushelfen sollten die Kolleginnen der Mund-Kiefer-Gesichtschirurgie. „Auch von ihnen haben die Ersten gekündigt.“
Als einmal auch noch eine OP-Schwester plötzlich erkrankt sei, habe das Operationsteam Stunden auf Ersatz warten müssen.
Patienten warteten mittlerweile sechs bis acht Monate auf eine Herz-OP. „Wenn jemand eine koronare Herzerkrankung hat, wird die in der Wartezeit nicht besser“, sagt die Mitarbeiterin. Weil sie die Situation bedenklich findet und sich Gedanken über die Qualität der Versorgung macht, wird sie an Oberbürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer schreiben.
Professor Oliver Kölbl, Ärztlicher Direktor des Universitätsklinikums Regensburg, bestätigt Umstrukturierungen beim OP-Personal. Der Hintergrund sei nicht ökonomisch. „Ziel der Umstrukturierungen ist, den OP-Bereich effektiver aufzustellen, gerade aufgrund des nicht nur in Regensburg, sondern deutschlandweit herrschenden Mangels an Pflegekräften.“ Dieser betreffe nicht nur die Allgemein- und Intensivstationen, sondern eben auch die OP-Bereiche.
Die Umstrukturierungen bedeuteten für viele Beteiligte auch Veränderungen und neue Herausforderungen. Diesen müssten sich alle Mitarbeiter täglich stellen, um den Anforderungen des immer komplexer werdenden Gesundheitssystems gerecht werden zu können. „Was wir daher zunehmend von unseren Mitarbeitern einfordern müssen, ist eine höhere Flexibilität“, sagt Kölbl. „Insofern wurde ein OP-Flexi-Pool für Mitarbeiter eingerichtet, um die täglich wechselnden Anforderungen im Operationssaal bewältigen zu können.“
Nicht nur die Herzchirurgie, auch viele andere medizinische Bereiche am UKR genießen einen exzellenten nationalen oder sogar internationalem Ruf. „Dies freut uns einerseits und macht uns in gewisser Weise auch stolz. Es führt aber auch dazu, dass sich sehr viele Patienten bei uns behandeln lassen wollen“, sagt der Ärztliche Direktor.
Daher gebe es nicht erst heute, sondern habe es schon in der Vergangenheit Wartelisten für medizinische Eingriffe gegeben. „Die Patienten auf diesen Wartelisten werden nach medizinischer Notwendigkeit behandelt.“ Ein solches Vorgehen sei nicht UKR-spezifisch, sondern finde sich an beinahe allen Kliniken in Deutschland, betont Kölbl.
„Allerdings hoffen wir, dass sich die gegenwärtige Situation durch Neueinstellungen und die Übernahme von Auszubildenden in den nächsten Monaten etwas normalisieren wird.“
Noch scheinen die Patienten abgesehen von den Wartezeiten zufrieden zu sein. Ein Betroffener, der Mitte März nach einem Infarkt drei Bypässe erhalten hat, schreibt auf der UKR-Website: „Sehr gute ärztliche und pflegerische Versorgung.“
„Mir wurde super geholfen“
Ein anderer Bypass-Patient formuliert: „Mir wurde super geholfen. Ob vor der Operation oder danach. (...) Danke aber speziell dem OP-Team. Ohne euch wäre ich wahrscheinlich nicht mehr am Leben“.
Dankbar äußert sich auch ein weiterer Betroffener: „Ich kam als völlig aussichtsloser Herz-Patient noch ins Universitätsklinikum. Durch die außerordentliche Fachkompetenz von Professor Schmid und Kollegen wurde mein Zustand stabilisiert. Letztlich wurde ich (...) herztransplantiert“.
