Schierling: Flüchtlingszahl soll verdoppelt werden - Bürgermeister äußert Bedenken

Die Schierlinger Flüchtlingsunterkunft soll ausgebaut werden. Statt rund 100 Geflüchteten sollen nach Plänen des Landratsamts ab dem kommenden Jahr rund 216 Menschen Platz untergebracht werden.
Die Geflüchteten sollen im Souterrain des Gebäudes in der Fruehaufstraße einziehen, wie Landratsamtssprecher Hans Fichtl mitteilt. Dort leben seit Dezember 2022 Geflüchtete. Die Marktverwaltung äußert Bedenken im Bezug auf den Ausbau. Bürgermeister Christian Kiendl (CSU) kritisiert die mangelnde Qualität der Unterbringung im Souterrain. „Die Leute sollen ja auch Tageslicht bekommen“, betont der Rathaus-Chef. „Wir sehen hier noch Bedarf.“ Die Wohnqualität im Erdgeschoss findet Kiendl annehmbar. „Es passt.“ In jedem der Zimmer der Unterkunft stehen vier Etagenbetten. Die Bewohner leben also zu acht in einem Raum.
Grundsätzlich ist es so: Der Bauausschuss des Marktes darf über das Vorhaben abstimmen – für den Ausbau braucht es nämlich eine Nutzungsänderung. Der Bebauungsplan des Marktes Schierling spricht gegen die Nutzung des Gebäudes als Flüchtlingsunterkunft. Deshalb hat das Gremium mehrfach gegen das Vorhaben gestimmt – zuletzt am vergangenen Dienstag. Der Haken: Das Landratsamt sitzt am längeren Hebel. Auch wenn der Markt das Ansinnen ablehnt, kann die Behörde den Ausbau in die Wege leiten. Der Markt warte nun auf einen rechtsmittelfähigen Bescheid, sagt Bürgermeister Kiendl.
Klar ist: Das Landratsamt steht unter Druck. Jede Woche kommt ein Bus mit 25 Geflüchteten vor der Behörde an – die Menschen müssen verteilt werden. Dabei sind die Plätze rar. Derzeit stehen rund 75 freie Betten zur Verfügung, teilt Landratsamtssprecher Fichtl mit. „Solang der Zuzug immer weitergeht, müssen wir immer weiter nach neuen Unterkunftsmöglichkeiten suchen.“
Zum Beispiel in Schierling. Dort laufe derzeit der Innenausbau des Souterrains, sagt Fichtl. Unter anderem werden Trennwände eingebaut. Auch an der Beleuchtung und an den Böden werde gebaut. „Es müssen aber auch die Kochgelegenheiten und die Waschkapazitäten erhöht werden.“
Die Kritik an der mangelnden Wohnqualität für die Geflüchteten weißt das Landratsamt zurück: „Die Anforderungen, die an eine Notunterkunft gestellt werden, werden dort erfüllt.“ Es gebe Küchen, in denen sich die Bewohnerinnen und Bewohner selbst Speisen zubereiten können. Die Dusch- und WC-Container seien direkt mit dem Bestandsbau verbunden, die Bewohner könnten diese Einrichtungen also trockenen Fußes erreichen. Zudem sei das Gebäude mit W-Lan ausgestattet worden, sagt Landratsamtssprecher Fichtl. Es sieht derzeit also alles danach aus, dass sich die Zahl der Geflüchteten in der Unterkunft mehr als verdoppelt. Bislang komme man mit den Geflüchteten gut zurecht, betont Bürgermeister Kiendl. „Die Frage ist nur: Ist das unbegrenzt möglich?“ Schon 2015 habe sich in Schierling ein Helferkreis zusammengefunden. Inzwischen engagieren sich laut Kiendl auch Syrer, die vor acht Jahren nach Schierling gekommen sind, in der Flüchtlingshilfe.
Kiendl sieht den Bund in der Verantwortung. Der CSU-Politiker fordert von Berlin Weichenstellungen. „Viele Kommunen kommen derzeit an die Grenzen der Belastbarkeit.“ Ein Brennpunkt sei die Flüchtlingsunterkunft bislang nicht, sagt Kiendl. Ein paar wenige Vorfälle habe es gegeben, ansonsten sei es ruhig. „Die Leute sind zum großen Teil dankbar, in Frieden leben zu können.“
Auch Thomas Rölz, Leiter der Polizeiinspektion Neutraubling, die für Schierling zuständig ist, bestätigt, dass die Unterkunft kein Brennpunkt sei. „Ob das so bleibt, muss man abwarten.“