Spurensuche per Klingelputzen zur Geschichte von drei Regensburger Stadtteilen

Von Rainer Wendl · 27. Oktober 2023 um 10:00

Nach dem Überraschungserfolg ihres Buchs über Großprüfening haben die beiden Hobby-Historiker Fritz Rehbach und Gabriele Deml jetzt erneut zugeschlagen.

Nein, sie haben keinerlei geschichtswissenschaftlichen Anspruch. Das betonen Gabriele Deml und Fritz Rehbach immer wieder, wenn sie über ihr neues Buch „Dechbetten, Ziegetsdorf und Königswiesen – damals und heute“ sprechen.

„Wir sind ja keine Historiker“, sagt Rehbach, der bis zur Rente im Technischen Vertrieb bei Siemens arbeitete. „Und ich war Tippse“, beschreibt Deml flapsig ihre Tätigkeit als Büroangestellte bei Starkstrom-Gerätebau. Dennoch haben sie jetzt schon zum zweiten Mal ein stattliches Werk fertiggestellt, das durchaus als wichtiger Beitrag zur Bewahrung von Stadtteil-Geschichte gesehen werden darf.

Dabei hatten es die beiden Autoren gar nicht geplant, zu Wiederholungstätern zu werden. Erst vor zwei Jahren hatten sie ihren Erstling zur Lokalgeschichte von Großprüfening fertiggestellt – und dabei sollte es eigentlich bleiben, obwohl es eine große und wohlwollende Leserschaft gab „Das Feedback war sehr gut. Den Leuten hat vor allem gefallen, dass wir Sachen festgehalten haben, die sonst in Vergessenheit geraten wären“, erzählt das Duo.

Dieses Mal ohne Heimvorteil

Daher reifte nach einigen Monaten Verschnaufpause der Gedanke, sich auch den angrenzenden ehemaligen Dörfern Dechbetten, Ziegetsdorf und Königswiesen zu widmen, die wie Großprüfening 1938 nach Regensburg eingemeindet worden waren.

Der Weg zu einem zweiten großen Opus war dann gar nicht mehr so weit, zumal auch der MZ-Buchverlag sofort Feuer und Flamme war. „Das erste Buch muss gut gegangen sein – sonst hätte sich der Verlag nicht so gefreut, als wir ein neues Werk angekündigt haben“, stellt Rehbach nicht ohne Stolz fest.

Die Recherche war dieses Mal allerdings ein bisschen herausfordernder. Während Deml als lebenslange Großprüfeningerin und Rehbach als immerhin schon seit 1990 dort lebender „Zuagroasta“ beim Erstling voll ihren Heimvorteil ausspielen konnten, gab es nach Dechbetten und Ziegetsdorf nur ein paar lose Verbindungen.

Dieses Manko kompensierten sie durch klassisches Klingelputzen. Sie gingen von Haus zu Haus und fragten die Bewohner nach Geschichten und Fotos von früher. Mit ergiebigem Erfolg, wie Deml berichtet: „Die Leute, bei denen wir geklingelt haben, waren durchgehend nett und auskunftsfreudig. Das hat wirklich Spaß gemacht.“

Herausgekommen sind 150Seiten mit wissenswerten Fakten, netten Anekdoten und unzähligen historischen Bildern. Das fotografische Rückgrat bilden dabei Aufnahmen der städtischen Bilddokumentation. Auch und vor allem fürs Kapitel mit der ab 1970 entstandenen Trabantenstadt Königswiesen, wo älteres Material rar ist.

Wo ist sonst noch Bedarf?

„Jetzt hoffen wir, dass dieses Buch genauso gut ankommt wie das erste“, sagen Deml und Rehbach. Für einen möglichen dritten Streich – das ist ihnen bewusst – werden die Stadtteile rar. Denn entweder sind sie bestens dokumentiert, wie beispielsweise Kumpfmühl. Oder es gibt Lokalmatadore, die vor Ort besser vernetzt sind. Doch wenn irgendwo Bedarf sein sollte, per Klingelputzen Lokalgeschichte(n) zu retten: Deml und Rehbach wären bereit.

Der Bau der Westumgehung zerschnitt Dechbetten in zwei Teile.