Eltern prügeln sich nach Kinder-Fußballspiel – Jetzt packen die Trainer aus

Zu einer Schlägerei zwischen Angehörigen kam es nach einem Fußballspiel zwischen den D-Jugendmannschaften von Abensberg und Neustadt a.d. Donau im Landkreis Kelheim am Mittwochabend. Austragungsort war Neustadt. Das teilt die Kelheimer Polizei mit.
Unter anderem soll ein 19-Jähriger einen 46-Jährigen getreten und versucht haben, ihn zu schlagen, eine 33-Jährige soll eine 49-Jährige beleidigt und ins Gesicht und den Unterleib geschlagen haben, worauf sie von der 49-Jährigen in ein Gebüsch geschubst wurde. Außerdem soll der 46-Jährige einen 13-Jährigen mit der Faust ins Gesicht geschlagen haben. So fasst die Polizei das Geschehen zusammen.
Der genaue Hergang ist bisher nicht bekannt und wird wohl erst in Vernehmungen rekonstruiert werden müssen, teilt Polizeioberkommissar Eric Scheuermann, Sprecher der Kelheimer Polizei, auf Anfrage mit. Vor Ort habe die Polizei fünf Anzeigen aufgenommen, wobei sich Beteiligte auch gegenseitig angezeigt hatten.
Trainer erzählen unterschiedliche Versionen
Wir haben mit den Trainern der beiden Mannschaften gesprochen: Juri Stifter vom TSV Neustadt und Christian Lichtl vom TSV Abensberg. Beide waren am Mittwochabend vor Ort und haben das Geschehen nach eigener Aussage zumindest teilweise gesehen. Demnach hatte sich die Stimmung vor allem der Abensberger Fans schon während des Spiels aufgeheizt. Laut Stifter waren diese einfach aggressiv. Lichtl schildert die Situation anders: Während des Derbys gegen Neustadt habe der Schiedsrichter bei Entscheidungen, die so oder so hätten ausgehen können, immer die für Neustadt günstigere gepfiffen. Das habe zu Verärgerung beim Abensberger Publikum geführt. Neustadt gewann die Partie 3:2. Stifter sagt, man habe den Schiedsrichter zu dessen Sicherheit zum Auto begleitet, weil die Stimmung bei den Abensbergern so aufgeheizt gewesen sei. Der Schiedsrichter wollte sich auf unsere Anfrage nicht zu dem Vorfall äußern.
Nach dem Spiel kam es dann zu der Auseinandersetzung. Hier weichen die Schilderungen der Trainer voneinander ab. Beteiligt waren auf Neustädter Seite der 19-Jährige, die 49-Jährige und der 13-Jährige; auf der Abensberger Seite die 33-Jährige und der 46-Jährige.
Lichter sagt, der 19-Jährige habe ihn noch vor der Schlägerei zweimal angepöbelt, geschubst und deutlich zu erkennen gegeben, dass er sich prügeln wollte. Die 49-Jährige habe ihn ebenfalls verbal attackiert. Er habe daraufhin das Gelände verlassen. Zeitgleich seien die 33-Jährige und der 46-Jährige wieder auf das Gelände gekommen. Was anschließend passiert ist, hat Lichtl nicht mehr gesehen. Dass der 46-Jährige den 13-Jährigen anschließend mit der Faust ins Gesicht geschlagen haben soll, wie die Polizei mitteilte, könne er sich nicht vorstellen, da der Mann eine körperliche Einschränkung habe. Nach Lichtls Ansicht war der 19-Jährige der Auslöser der gesamten Situation.
Laut Stifter habe der 19-Jährige niemanden geschlagen. Vielmehr habe die 33-Jährige vom Team Abensberg die 49-Jährige vom Team Neustadt mit Begriffen wie „Fotze“ und „Hure“ beleidigt und ins Gesicht und den Unterleib geschlagen. Die 49-Jährige habe ihre Widersacherin dann in ein „weiches“ Gebüsch geschubst. Zu dem angeblichen Schlag gegen den 13-Jährigen äußerte Stifter sich nicht.
Hat der Fußball ein Aggressionsproblem am Spielfeldrand?
Laut Polizei wurde keine beteiligte Person ernsthaft verletzt oder musste in einem Krankenhaus behandelt werden. Beide Trainer kündigten gegenüber unserer Zeitung an, den Vorfall an den BFV zu melden.
Eltern prügeln sich nach einem Fußballspiel ihrer elf- oder zwölfjährigen Kinder – ein Beispiel für Verrohung am Spielfeldrand? Der Tenor von Lichtl und Stifter, der Fußball-Abteilungsleiter Daniel Neubaur (Neustadt) und Christian Rengstl (Abensberg), von BFV-Kreis-Jugendleiter Engelbert Zauner: So etwas hat man noch nicht erlebt – auch wenn es manchmal emotional werden könne. Ob Aggressionen zunehmen – darüber herrschte keine Einigkeit. Immerhin: Neustadt und Abensberg dürften in nächster Zeit nicht auf dem Spielfeld aufeinandertreffen.