In Regensburg gibt es offiziell 308 Prostituierte – Polizei registriert kaum Straftaten

Von Philip Hell · 25. Oktober 2023 um 19:00

Das älteste Gewerbe der Welt floriert in Regensburg: Das geht aus Zahlen des Statistischen Landesamts zur Prostitution im Freistaat hervor.

Zum 31. Dezember 2022 waren 308 Prostituierte in Regensburg angemeldet – nur in München und Nürnberg gibt es mehr Sex-Arbeiter. Bei den Prostituierten in Regensburg handelt es sich laut Stadt zu rund 90 Prozent um Frauen. Acht Prozent sind divers oder transsexuell, zwei Prozent sind Männer.

Anmeldung nicht verpflichtend

Aber: Die Prostituierten sind nicht verpflichtet, sich bei der Stadt anzumelden, wie Sprecherin Juliane von Roenne-Styra mitteilt. Die Statistik sei daher wenig aussagekräftig. „Eine Dunkelziffer gibt es in diesem Bereich sicher.“ Wie hoch diese ist? Schwierig zu sagen.

Zu Bordellen gibt es belastbarere Zahlen. Dem Statistischen Landesamt zufolge gab es zum Jahreswechsel 48 Prostitutionsstätten in Regensburg. Auch hier landet die Domstadt im Bayern-Vergleich auf Platz drei – erneut liegen Nürnberg und München auf den Spitzenplätzen.

Seit Jahresbeginn ist die Zahl der Prostitutionsstätten in Regensburg allerdings gesunken. Laut Stadt sind es derzeit 43. Interessant ist ein Blick nach Augsburg: Die Schwaben-Metropole hat in etwa doppelt so viele Einwohner wie Regensburg – dafür allerdings deutlich weniger Bordelle. Zum 31. Dezember des vergangenen Jahres waren es 27.

Schwerpunkt im Stadtosten

Allerdings ist die Zahl der Prostitutionsstätten in Regensburg im laufenden Jahr geschrumpft. Derzeit gibt es 43 in der Domstadt, wie die Stadt mitteilt. Zu Prostitutionsstätten zählen Bordelle, Laufhäuser, Terminwohnungen, Massagestudios oder Prostitutionsvermittlungen (wie etwa Escort-Services).

Der Schwerpunkt der Prostitution in Regensburg befindet sich im (Süd-)Osten der Stadt, wie von Roenne-Styra mitteilt. „Jedoch befinden sich auch in anderen Stadtteilen in Regensburg Prostitutionsstätten.“ Sicherlich gebe es auch in diesem Bereich eine Dunkelziffer, sagt von Roenne-Styra. Diese falle allerdings geringer aus, als bei der Zahl der Prostituierten. Die Stadtsprecherin schätzt die Dunkelziffer auf rund zehn Prozent. Zuletzt machte das Rotlichtmilieu in Regensburg im Dezember 2021 Schlagzeilen. Damals beschloss der Stadtrat, dem Straßenstrich in der Guerickestraße endgültig den Garaus zu machen. Grund dafür waren auch Beschwerden von Anwohnern.

Derzeit keine Beschwerden

Laut Roenne-Styra gibt es derzeit keine Beschwerden über Straßenprostitution, die bei der Stadt eingehen. Derzeit dürfen Sex-Arbeiter noch im Bereich um den Donauhafen ihre Dienste auf der Straße anbieten. Die Stadt plant nach Auskunft von Roenne-Styra nicht, dieses Gebiet noch weiter einzuschränken. Im Regensburger Rotlicht-Milieu finden „situationsbedingt“ Kontrollen statt. Dabei werden laut Roenne-Styra zwischen zwölf und 36 Prostitutionsstätten pro Jahr kontrolliert.

Auch die Polizei schließt mit Blick auf die Zahl von Prostituierten und Bordellen eine Dunkelziffer nicht aus, wie Sprecherin Corinna Wild mitteilt. 2017 sorgte ein schreckliches Verbrechen für Aufsehen in Regensburg: Ein 22-Jähriger erwürgte eine 33-jährige Prostituierte in der Landshuter Straße. Der Mann wurde später vom Landgericht Regensburg zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt. Die Kammer sah es als erwiesen an, dass der Angeklagte die Frau aus Habgier umgebracht hat.

Auch die Polizei kontrolliert

Seit dem Vorfall habe es allerdings keine Straftaten gegen Prostituierte mehr gegeben, teilt Polizeisprecherin Wild mit. Auch Prostituierte selbst geraten in Regensburg in Konflikt mit dem Gesetz – wenn auch äußerst selten. Im Zeitraum von 2019 bis 2022 haben Prostituierte laut Polizei Ordnungswidrigkeiten im niedrigen einstelligen Bereich begangen.

Die Polizei kontrolliert regelmäßig Prostituierte und Bordelle. Anlassbezogen und anlassunabhängig, wie Polizeisprecherin Wild betont. „Hierzu können auch andere Behörden, wie der Zoll und die originär zuständige Stadt Regensburg, eingebunden sein.“

Zahlen für die Region:

In Bayern ist Prostitution erst in Städten mit mehr als 30.000 Einwohnern erlaubt. In der Oberpfalz sind das neben Regensburg die Städte Amberg, Neumarkt und Schwandorf. Weiden wäre zwar groß genug, dort ist Prostitution allerdings verboten. In Amberg gibt es laut Statistischem Landesamt offiziell 118Prostituierte. In Neumarkt sind es neun. Für Schwandorf sind noch keine Zahlen bekannt, dort ist Prostitution erst seit Kurzem erlaubt.

Deshalb gibt es auch keine offiziellen Zahlen dazu, wie viele Prostitutionsstätten es in der Großen Kreisstadt Schwandorf gibt. Fünf Prostitutionsstätten gibt es laut Statistischem Landesamt in Amberg. In Neumarkt gibt es offiziellen Zahlen zufolge keine Bordelle.