Neue Unterkunft für Geflüchtete: Landkreis will Containerdorf in Roding erweitern

Die Flüchtlingslage bleibt angespannt. Mit einer neuen Unterkunft in Roding verschafft sich der Landkreis vor dem Winter aber nun etwas Luft. Dort soll das bestehende Containerdorf erweitert werden, wie Landrat Franz Löffler und Bürgermeisterin Alexandra Riedl am Dienstag gemeinsam bekannt gaben. Damit möchten die Politiker auch verhindern, dass Sporthallen umfunktioniert werden müssen.
Asyl und Migration seien Dauerthemen, die Situation sei weiter sehr herausfordernd, sagte der Landrat. Er sei froh, dass in Berlin endlich Bewegung in die Debatte komme, zumal sich die Landräte ja schon vor einiger Zeit intensiv bemerkbar gemacht hätten – auch mit konstruktiven Vorschlägen. Zum ersten Mal seit Langem sei man auf Gehör gestoßen, so Löffler. Die Aussage von Kanzler Olaf Scholz, künftig in größerem Stil abschieben zu wollen, hätte er sich schon früher gewünscht, betonte der Landrat.
Auch wenn angedachte Maßnahmen greifen, werde der Zuzug nicht auf Null zurückgehen, weiß Löffler. Die Zahl der Flüchtlinge werde sich weiter auf einem hohen Niveau bewegen. Derzeit würden pro Woche 25 Menschen im Landkreis Cham ankommen, in vier Wochen also rund 100. Die Zahl der ankommenden Flüchtlinge ändere sich aber laufend, die Entwicklung dynamisch. Deshalb, so Löffler, sei es eine große Herausforderung, die Leute in der Region unterzubringen.
Die Unterbringung erfolge immer im Dialog mit den Kommunen. Ziel sei es, die Flüchtlinge „einigermaßen gleich im Landkreis zu verteilen“, um diese Belastung auf vielen Schultern verteilen zu können. Wichtig ist dem Landrat dabei auch, die Bevölkerung zu informieren. Dies gelte besonders dann, wenn – wie in Roding – größere Einrichtungen geplant sind.
Kein zweiter Brennpunkt
In enger Abstimmung mit der Stadt habe man sich entschieden, den Containerbau Am Richterholz zu erweitern. Neben der staatlichen Unterkunft mit rund 80 Plätzen plant der Landkreis dort eine Erweiterung mit Platz für bis zu 80 weitere Geflüchtete. Wie die bestehende Einrichtung soll auch der Erweiterungsbau in Container-Form entstehen, da ein gewisser Zeitdruck herrscht. „Auskömmlich, aber ohne Komfort“, wie der Landrat betonte. Ihm sei klar, dass keine Kommune begeistert sei, er dankte aber der Stadt Roding ausdrücklich für den „guten Austausch und die Solidarität“.
Bürgermeisterin Alexandra Riedl unterstrich beim Pressegespräch, dass man das Problem nicht allein lösen könne, und rief zum Zusammenhalt auf. In Roding seien mehrere Flächen in Betracht gezogen worden, letztlich habe man sich aber bewusst für eine Erweiterung hinter dem Bauhof verständigt. Diese Option bezeichnete sie als das „geringste Übel“. „Wir wollen keinen zweiten Brennpunkt schaffen“, so Riedl. Sie stellte aber auch klar, dass es für die Stadt nicht um die Frage ging, ob Kapazitäten geschaffen werden, sondern nur wo.
Bei der bestehenden Unterkunft der Regierung ist kein Ansprechpartner vor Ort. Das soll sich künftig ändern. Angedacht ist ein Kümmerer, der vom Landkreis angestellt wird. „Das ist ein Vorteil, dass jemand vor Ort sein wird und bei Fragen und Problemen weiterhelfen kann“, sagte Riedl. Wie Amtsleiterin Patricia Stoiber ergänzte, bekomme man pro 75 Plätzen eine Art Hausverwalter vom Staat finanziert. Die Bedingungen dafür wären in Roding demnach erfüllt.
Die beiden Einrichtungen Am Richterholz bleiben von einander getrennt. Die bestehende Anlage mit 80 Plätze betreibt weiterhin die Regierung, den Erweiterungsbau mit ebenfalls rund 80 Plätzen der Landkreis. Zudem sind im Stadtgebiet momentan zwischen 70 und 80 Menschen dezentral untergebracht. Auf rund 13000 Einwohner kommen demnach künftig etwas über 300 Geflüchtete.
Appell an Bürger
„Solche Entscheidungen fallen keinem leicht. Keiner will das gerne. Aber die Leute sind da und müssen irgendwo untergebracht werden“, sagte die Bürgermeisterin und warb bei den Bürgern um Verständnis. Sie betonte, dass es ihr lieber sei, wenn ein Containerdorf errichtet werde. Denn alternativ könne man nur eine Turnhalle schließen. Doch diese Stätten sollen sowohl dem Schulsport als auch den Vereinen zur Verfügung stehen.
Riedl appellierte auch an ihre Bürgermeister-Kollegen. Roding leiste nun einen großen Beitrag, aber auch andere Kommunen müssten mithelfen. Löffler betonte, dass die geplante Erweiterung im Westen des Landkreises nicht die Alternative für den Standort in Weiding sei. Dort hatten im Sommer rund 300 Bürger gegen ein Containerdorf für 80 Flüchtlinge neben dem alten Sportplatz demonstriert.
„Wir werden uns die Situation für jeden Ort genau anschauen“, so Löffler. Das sei ein ständiger Prozess, die Gespräche mit anderen Kommunen laufen. Alle müssten sich der Verantwortung stellen. Er habe den Eindruck, dass die Bürgermeister sorgsam mit dem Thema umgehen und sehr bemüht seien.
Auch der Landrat will vermeiden, dass Schulturnhallen umfunktioniert werden müssen: „Das ist das Ziel. Aber niemand kann sagen, wie die Lage in acht Wochen ist!“ Bei einem Landrats-Kollegen in Oberbayern seien schon jetzt vier von fünf Landkreishallen gesperrt. In diese Situation möchte Chams Landkreischef nicht kommen. „Ob uns das auf Dauer gelingt, ist fraglich.“
Schon in der kommenden Woche soll mit der Umsetzung der geplanten Unterkunft in Roding begonnen werden. Der Bauantrag liegt dem Stadtrat in seiner Sitzung am Donnerstagabend zur Abstimmung vor. Die Container seien relativ schnell lieferbar, berichtete Christoph Serwuschok von der Bauverwaltung.