Südostlink: Endgültiges „Nein“ zur Stromtrasse vom Gemeinderat Wiesent

Von Daniel Steffen · 22. Oktober 2023 um 12:17

Es bedurfte keiner Diskussion mehr, denn im Gemeinderat Wiesent waren sich längst alle einig. Für den Abschnittsverlauf D2 Nittenau-Pfatter der geplanten Südostlink-Höchstspannungsleitung bleibt es in der Gemeinde bei einer ablehnenden Haltung. Auf mehreren Seiten ist dies in einer kommunalen Stellungnahme begründet, die nun vom Gemeinderat einstimmig durchgewunken wurde.

„Mit Nachdruck“, betont die Gemeinde in dem Schreiben, dass das Vorhaben ebenso „die Belange des Naturschutzes und der Landschaftspflege beeinträchtigt“ wie auch eine Gefährdung der gemeindlichen Wasserversorgungsanlage herbeiführe. Zudem werde die städtebauliche Entwicklung eingeschränkt, geht aus der Stellungnahme hervor.

„Hohes Schutzgut Natur und Landschaft“

Verwiesen wurde auch auf das Landesentwicklungsprogramm, das das „hohe Schutzgut Natur und Landschaft“ betone. Das Vorhaben stünde einer nachhaltigen Raumentwicklung entgegen. Weiter argumentierte die Gemeinde mit dem Regionalplan Regensburg, der für den Erhalt und die Stärkung der Land- und Forstwirtschaft eintritt. Eine Stromtrasse mit einer Arbeitsbreite von 40 Metern zusätzlich zur bestehenden Kreisstraße R42 stehe dem konträr entgegen. Es gelte, eine Zerschneidung geschlossener Waldgebiete durch Infrastruktureinrichtungen zu vermeiden. Hier bezog sich die Gemeinde Wiesent konkret auf den Forstmühler Forst.

Die Wasserwirtschaft sei insofern gefährdet, weil die Flachbrunnen der Wassergewinnungsanlage lediglich 300 Meter entfernt seien und man die Auswirkungen noch nicht abschätzen könne. Grundsätzlich messe die Gemeinde Wiesent dieser Anlage eine „herausragende Bedeutung“ zu und verwies darauf, in den vergangenen Jahren rund zwei Millionen Euro dafür investiert zu haben.

Argumente gegen Südostlink

Eine Reihe weiterer Argumentationen folgte. Neben der Beeinträchtigung der städtebaulichen Entwicklung gefährde die Trasse in ihrem Verlauf auch die Erweiterung von Gewerbeflächen des Zweckverbandes, heißt es. Grundsätzlich fordert die Gemeinde eine „Gesamtbetrachtung aller geplanten Maßnahmen“ ein – auch bezüglich des Steinbruchs und des Flutpolders Wörthhof. Die Trassenvariante durch den Flutpolder stelle einen „nicht vereinbaren Konflikt“ dar.

Aktuell läuft auf Bundesebene das Planfeststellungsverfahren und nach Einreichung der gemeinsamen Unterlagen sowie der Anhörung aller Bedenkenträger wird in der Bundesnetzagentur ein Beschluss gefasst. Bei der Bundesnetzagentur gehen auch die Stellungnahmen aus den Gemeinden zu dem Projekt ein.

540 Kilometer lange Stromtrasse

Der Südostlink soll etwa 540 Kilometer lang sein und reicht von Wolmirstedt bei Magdeburg bis zum Standort Isar bei Landshut. Im Südostlink sollen zwei Gleichstromverbindungen realisiert werden: Eine Verbindung (Vorhaben Nr. 5) bringt Strom von Wolmirstedt nach Isar. Eine zweite Verbindung (Vorhaben 5a) transportiert Strom von Klein Rogahn in Mecklenburg-Vorpommern bis nach Isar. Beide Verbindungen befördern jeweils 2000 Megawatt Strom, der im Norden Deutschlands aus der Windkraft gewonnen wird. Sie dienen der Versorgungssicherheit im Freistaat. Den „bayerischen“ Teil von Südostlink verantwortet der Übertragungsnetzbetreiber TenneT.