Schwarzenfelds Storchenbeauftragter ist jetzt Pilz-Experte

Von Josef Schaller · 21. Oktober 2023 um 15:00

Schon seit 2017 vermittelt der heute 22-jährige Julian Hunzinger aus Schwarzenfeld auf Pilzexkursionen sein umfangreiches Wissen über die heimischen Schwammerlarten an zahlreiche wissbegierige Teilnehmer. Aber das ist nicht das einzige Hobby, das den Studenten der Betriebswirtschaft von seinen Altersgenossen unterscheidet.

Von 2015 bis 2021 war er Storchenbeauftragter der Marktgemeinde Schwarzenfeld. Im Alter von 14 Jahren hat er angefangen, seine Klamotten selbst zu designen, und von September bis Dezember 2022 hat er als Student das Projekt „Gemeinsam Brücken bauen“ der Bayerischen Staatsregierung unterstützt und dabei an der Fachoberschule Schwandorf Biologie unterrichtet.

In der Corona-Zeit Unterricht gegeben

Durch Mithilfe von „geeignetem pädagogischen Personal“ sollten Kinder und Jugendliche durch dieses Projekt unterstützt werden, um die durch die Corona-Pandemie angefallenen Lernlücken abzubauen. Da er selbst einst an der FOS den Zweig Biologie belegt habe, nach dem Fachabitur auch noch das allgemeine Abitur ablegte, und an der Universität Regensburg Betriebswirtschaft studierte, sei das übergangsweise möglich gewesen, wie Hunzinger betont.

Schon mit 14 Jahren hat er begonnen, mit Hilfe der Software Gimp und Photoshop seine eigenen T-Shirts zu designen und sogar eine Firma gefunden, die diese Klamotten für ihn produziert. Er wolle einfach wissen, wo die Klamotten, die er trage, herkommen. Die industriell gefertigten Produkte seien nicht immer die besten, sagt er. Schon als Kind habe er Störche faszinierend gefunden. Da er in Schwarzenfeld nah an einem Storchennest gewohnt und von Zuhause aus einen guten Blick auf den Horst gehabt habe, habe er angefangen, über Facebook Fotos und Berichte über die heimischen Störche zu veröffentlichen. Schließlich habe er auch den LBV damit versorgt und sei so als Jugendlicher zum Storchenbeauftragten der Marktgemeinde Schwarzenfeld geworden, wie er erzählt.

Schon als Kind gern im Wald unterwegs

Seine Leidenschaft für Pilze war schon in Kinderjahren entstanden. Seine Großeltern und Eltern hatten ihn bereits als kleines Kind zum Sammeln mit in den Wald genommen. Irgendwann habe es ihm nicht mehr gereicht, nur die gängigsten heimischen Arten wie Steinpilz, Pfifferling oder den Maronen zu kennen. Mit Lektüre und Youtube-Videos eignete er sich nach und nach Wissen an. Schließlich habe er Online-Seminare belegt und sich bei Pilzsachverständigen informiert, wie der 22-Jährige betont. Schließlich sei er in den Wald gegangen und habe versucht, sein theoretisches Wissen in die Praxis umzusetzen.

Im Alter von 17 Jahren hat er über Facebook seine erste Pilzexkursion beworben. Das Interesse sei überraschend groß gewesen, erinnert sich Hunzinger. Schon einen Monat später leitete er seine erste eigene Pilzexkursion in der Nähe von Schwarzenfeld. Die vielen positiven Rückmeldungen der Teilnehmer hätten ihn dazu animiert, diese Exkursionen jährlich und häufiger anzubieten. Seit zwei Jahren führt er die Veranstaltungen in Zusammenarbeit mit der Marktgemeinde Schwarzenfeld durch. Julian Hunzinger hat auch schon einen gemeinsamen Vortrag mit dem Schwarzenfelder Apotheker Thomas Wittleben veranstaltet zum Thema „Vitalpilze zur Leistungssteigerung und zur Stärkung der allgemeinen Gesundheit". Am vergangenen Samstagvormittag war er mit rund 30 interessierten Teilnehmern unterwegs in einem Wald bei Wackersdorf. Sogar bis aus dem Raum Oberviechtach waren Schwammerlkundige gekommen, um an seiner Exkursion teilzunehmen und ihr Wissen zu erweitern.

Sammeln ist das ganze Jahr über möglich

Pilze könne man eigentlich das ganze Jahr über sammeln, sagt der 22-Jährige, der noch am Parkplatz seine ersten Tipps und Empfehlungen an die Kursteilnehmer weitergab. Man solle sich aber auf keinen Fall blind auf irgendwelche Apps verlassen. Pilze sollte man entgegen vieler gut gemeinter Ratschläge eben nicht mit dem Messer abschneiden. Denn dabei gingen einige wichtige Bestimmungsmerkmale verloren, sagt er. Stattdessen sollte man Pilze vorsichtig aus der Erde drehen, dann bleibe das Pilzgeflecht im Boden unbeschädigt. Bäume seien bei der Bestimmung der Pilze eine wichtige Orientierung. Der Goldröhrling wachse zum Beispiel nur in der Nähe von Lärchen, der Edelreizker nur im Kiefernwald. Die meisten Pilzvergiftungen kämen übrigens nicht durch giftige, sondern durch zu alte essbare Pilzen zustande.

Seit kurzem hat Julian Hunzinger nach eigenen Worten ein neues Interessengebiet für sich entdeckt. Aktuell beschäftigt er sich neben seinem Studium viel mit Heilkräutern und will sich auch hier ein umfangreiches Wissen aneignen.