Abtauchen im Trommelwirbel: Seit 15 Jahren gibt es in Cham Jakolo von Sigi Lee Nachreiner

Von Christoph Klöckner · 20. Oktober 2023 um 11:00

Sigi Lee Nachreiner hat einst den Punk in den Bayerwald gebracht. Das war in den 70er Jahren, als er mit anderen bunten Gesellen Mikro und Instrumente gequält hat. Eine wilde, laute Zeit – und laut ist sie für ihn bis jetzt geblieben, auch wenn er heute dem Jazz frönt. In Cham wird‘s einmal im Monat in der Förderschule an der Unteren Regenstraße sogar richtig laut. Wenn‘s dort Dienstagabends taktvoll aus der Schule wummert, ist Jakolo in Aktion.

Dahinter verstecken sich Trommelbegeisterte unter Leitung von Sigi Lee Nachreiner, die seit nunmehr 15 Jahren das Trommelfell ihrer Djemben oder Kongas wie auch das menschliche Trommelfell ordentlich in Schwingungen bringen. Es ist dann für die aktuell 16 Jakolo-Bandmitglieder – vor allem Frauen begeistern sich fürs Trommeln – die Zeit gekommen, die Augen zuzumachen, den Kopf abschalten und im eigenen Trommelwirbel zu versinken. „Es geht darum, alles loszulassen, nicht mehr zu denken“, beschreibt Nachreiner, sich dem Rhythmus der Trommeln hinzugeben und sich nur noch auf Takt und Ton zu konzentrieren.

„Wenn wir alle zusammenspielen, gibt das einen geilen Groove! Das haut richtig rein!“, sagt Sigi Lee Nachreiner und beschreibt damit auch das Hauptziel: Spaß haben. Ähnlich der Klangschalenmeditation – nur halt mit deutlich lauteren Mitteln – versinke man im Klangteppich, den alle gemeinsam bei Jakolo erzeugen würden. Ziel sei der Spaß oder der Wohlfühleffekt, den das Trommeln über die eineinhalb Stunden auslöst. Am Ende soll das spürbar sein, was das senegalesische Wort Jakolo, also der Bandname, bedeutet: Alles gut! Und manchem bleibt auch schon einmal ein Muskelkater, meint der 63-Jährige, je nach Intensität des eigenen Trommelns. Für ihn hat das Trommeln auch eine gesundheitsfördernde Wirkung – es lasse sich mit dem Spiel viel Aufgestautes wie Aggressionen oder Sorgen wegtrommeln. Nicht umsonst gebe es schamanisches Trommeln, etwa der Ureinwohner Amerikas. Trommeln habe etwas Archaisches, wirke auf die Seele.

Bei Jakolo sind es afrikanische – spezieller: senegalesische – Trommeltakte und Trommeltöne, die maßgeblich sind. Vor allem, weil der Mastertrommler, der auch Sigi Lee Nachreiner begleitet, aus dem Senegal kommt, im Sommer hier wohnt und nun wieder in die Heimat zurückgekehrt ist.

Gestartet sind die Trommelbegeisterten zunächst in Roding, wo die Gruppe aus einem Workshop hervorgegangen ist. Der Wunsch, regelmäßig gemeinsam zu trommeln, sei schnell aufgekommen. „Drei Gründungsmitglieder sind heute noch dabei“, sagt Sigi Lee Nachreiner. Als sich Roding als Veranstaltungsort zerschlug, wechselte die Gruppe ins Josefsheim nach Cham, in Isolde Bauers Tanzfabrik, wo dann ebenfalls Percussion-Workshops angeboten wurden.

Die 15 Djemben, eine Conga sowie die große Samba-Trommel, die Nachreiner vor 40 Jahren als Handgepäck aus Brasilien mitgebracht hat, spielen aber nicht unsortiert durcheinander – es gebe eigene Stücke wie ein Repertoire aus der ganzen Welt, denen man sich widme. Neben afrikanischem Sound wird etwa kubanisches Trommelspiel oder Samba eingeübt. In Europa gebe es Trommelnoten, woanders spiele man nach Gefühl und Gehör. Viele unterschiedliche Töne versteckten sich in einer Trommel, weiß der Musiker, der bereits mit acht Jahren mit dem Schlagzeug angefangen hat. Wer sie kennenlernen will, soll vorbeikommen, sagt Sigi Lee Nachreiner – „je mehr mitspielen, desto besser!“

Gemeinsam trommeln und alles Drumherum vergessen — der Spaß stehe hier im Vordergrund, sagt Sigi Lee Nachreiner, der Leiter der Gruppe Jakolo, die jetzt seit 15 Jahren besteht. Foto: Nachreiner