Kulinarische Reise nach Indien: Lücke am Neustädter Stadtplatz schließt sich

Befürchtungen, am Stadtplatz in Neustadt (Landkreis Kelheim) könnte sich eine langfristige gastronomische Lücke auftun, sind vom Tisch. Seit einigen Wochen locken dort Geschmäcker, die es so in Neustadt bisher in einem Restaurant noch nicht gegeben hat.
Wochenlang war die Gaststätte am Stadtplatz 7, in der es unter anderem bayerische Spezialitäten gab, geschlossen. Mittlerweile residieren in den Räumen Balvinder Sinsh und sein Partner Manish Kumar mit ihrem indischen Restaurant, das sie im September eröffnet haben.
„Indian Spices“, auf Deutsch indische Gewürze, prangt über der Eingangstüre. Der Name des Restaurants, in dem fünf Angestellte Arbeit gefunden haben, ist wohl gewählt. Würde man doch sehr auf traditionelle Gewürze der indischen Küche setzen, wie Sinsh im Gespräch mit der Mittelbayerischen betont. Dabei kämen nicht etwa vorgefertigte Gewürzmischungen zum Einsatz, wie es sicherlich bei vielen anderen Betreibern von indischen Restaurants der Fall sei. Sinsh und Manish mischen ihre Kreationen selbst.
Sie verarbeiten dabei Erfahrungen, die beide Gastronomen in ihrer Ausbildung im Heimatland genossen haben. Nicht nur in den großen Metropolen hätten sie sich unterweisen lassen, sondern beide haben nach eigenen Worten auch auf dem flachen Land Wissen angehäuft.
Was sich in der Speisekarte niederschlägt. Sicherlich gibt es für indische Restaurants typische Gerichte mit Huhn, Rind oder Lamm. „Inder essen nicht so viel Fleisch“, berichten die beiden. Grundsätzlich wollen sie typisches Essen aus der Heimat anbieten, weshalb vegetarische und vegane Gerichte angeboten werden.
Aus Großmutters Küche
Sinsh weißt im Gespräch auf weitere Besonderheiten hin. So finden sich auf der Karte Gerichte, die in Deutschland wohl unter dem Motto „Aus Großmutters Küche“ laufen würden. Man wolle den Gästen eben zeigen, was der normale Inder, der auf dem Land lebt, im Alltag isst.
Typisch sei auch, sich am Straßenrand aus Garküchen etwas für den kleinen Hunger zu besorgen. Auch diese Art von Gerichten, Streetfood genannt, bietet das Restaurant in Neustadt an.
Sinsh betont darüber hinaus, dass es weiterhin deutsches Frühstück geben wird, wie es schon beim Vorgänger der Fall gewesen ist. Das sei dessen Wunsch gewesen, weil das Angebot auch immer gut angenommen worden sei.
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Übernommen habe man das Mobiliar des Vorgängers. Nur ein ganz klein wenig seien die Räume indisch dekoriert. Man wollte den Stammgästen das bekannte Ambiente nicht vollständig nehmen.
Vor 15 Jahren kamen Kumar und Sinsh nach ihrer Gastronomieausbildung in Indien nach Deutschland. Beide suchten ganz konkret hier Arbeit, waren einige Jahre lange in mehreren Restaurants beschäftigt, bevor sie 2015 in München ein eigenes eröffneten. Corona machte dem aber ein Ende, beide trennten sich von dem Lokal. Nach der Pandemie übernahmen sie ein italienisches Restaurant in der Landeshauptstadt, das sie weiterhin betreiben.
Gleichzeitig suchten sie nach Möglichkeiten, wieder einheimische Gerichte anzubieten. Per Zufall stießen sie auf die Anzeige, dass in Neustadt ein Lokal zu mieten sei. Man habe recherchiert und herausgefunden, dass es in Neustadt noch kein indisches Restaurant gebe. Schnell war dann die Entscheidung gefallen.
Bollywood an der Donau
„Die Gäste sind zufrieden“, freut sich Sinsh über die Resonanz. Gerne möchten er und Kumar den Neustädtern Indien noch mehr näherbringen. So planen sie eine Bollywood-Nacht, die im Bürgersaal stattfinden soll. Mit Bollywood bezeichnet man ein beliebtes Film-Genre in Indien.
Sie seien auf die Idee gekommen, nachdem ihnen Jugendliche berichtet hätten, dass es in Neustadt kaum Ausgehmöglichkeiten gebe. Passe der Besucherzuspruch, könnten sie sich vorstellen, das zu einer Veranstaltungsreihe auszubauen. Weitere Pläne für Neustadt haben sie ohnehin. Mit ihrem Vermieter sei schon abgesprochen, dass sie bald auch den Bürgersaal, den der noch betreibt, übernehmen.