Trauer bei Blumenfans im Landkreis Regensburg: Aus für Floristik Pesth in Neutraubling

Von Michael Sperger · 18. Oktober 2023 um 05:00

Ob für Geburtstage, Hochzeiten oder Beerdigungen. Blumen und Floristik Pesth war für zahlreiche Pflanzenfreunde aus Neutraubling und dem ganzen Landkreis über Jahrzehnte eine beliebte Adresse. Jetzt schließt Hannelore Tschurtschenthaler den Laden. Das sind die Gründe.

Die Wurzeln des Betriebs gehen zurück bis in die Nachkriegszeit. Zum Jahresende gibt Hannelore Tschurtschenthaler den Laden schweren Herzens auf. „Ich habe lange gekämpft. Aber jetzt geht es nicht mehr“, sagt die Floristin.

Blumen waren schon ihr ganzes Leben lang ihre Leidenschaft, wie die 65-Jährige stolz erzählt. „Die Liebe zu den Blumen habe ich von meiner Mutter geerbt“, sagt sie. Ihren Beruf hat Tschurtschenthaler zunächst in Regensburg gelernt und danach 16 Jahre in Neumarkt ausgeübt. Dann verschlug es sie in den Landkreis Regensburg – und weil Jürgen Pesth 2006 in Rente gehen wollte, nutzte sie die Gelegenheit, den Laden in der Gärtnersiedlung, in dem sie bereits seit 14 Jahren arbeitete, zu übernehmen – ein großer Schritt, den die umtriebige Floristin am Ende nicht bereute.

Dass eine Gärtnerei viel Zeit in Anspruch nimmt, lernte Tschurtschenthaler schnell. „Blumen wollen gepflegt werden. Da kann man nicht einfach wochenlang in den Urlaub fahren“, sagt die Floristin. Mit sehr viel Leidenschaft kümmert sie sich jeden Tag um die Wünsche ihrer Kundschaft und will das auch bis zum letzten Öffnungstag im Dezember durchziehen. Besonders am Herzen liegt ihr die Begleitung von Beerdigungen. „Ich will, dass der letzte Gang würdevoll ist. Das ist auch eine Art Trauerbegleitung“, erklärt Tschurtschenthaler.

Wenn das Blumen-Geschäft in Neutraubling boomt

Für ihre Branche steht mit Allerheiligen bald einer der umsatzstärksten Tage des Jahres an. „An Valentin, Muttertag, Ostern, Allerheiligen und Weihnachten ist die Hölle los“, sagt sie. Das Rentenalter hat Hannelore Tschurtschenthaler erreicht. Neben zunehmenden gesundheitlichen Problemen zwingen der Mangel an Nachwuchs und die Entwicklung in der Branche sie zum Aufhören. „Die Leute sparen am Luxus und Blumen stehen oft nicht mehr so hoch im Kurs“, sagt sie.

Der Nachwuchs in der Branche hat es zunehmend schwer, sich gegen fachfremde Anbieter durchzusetzen. Etwa 30 junge Menschen hat sie in ihrer Laufbahn mitausgebildet. Eine ihrer Schützlinge sei mittlerweile als erfolgreiche Floristin in Australien angekommen, erzählt Tschurtschenthaler stolz. Andere seien dagegen in andere Branchen abgewandert. „Mit der Flexibilität in anderen Sparten können wir nicht mithalten“, sagt die Floristin.

Hannelore Tschurtschenthaler hat in den gut 17 Jahren in Neutraubling auch Rückschläge erlebt. „Hagelschäden, Sturmschäden, drei Einbrüche habe ich alles gut überstanden. Die Corona-Pandemie und die Einschränkungen für unsere Branche war das Schlimmste“, erinnert sich die 65-Jährige.

Viel Einsatz für Blumen und Floristik Pesth

Mit viel Einsatz hat sich Hannelore Tschurtschenthaler stets zurückgekämpft. Doch jetzt gibt sie ihr „Kind“, wie sie das Geschäft nennt, auf. „Ich höre auf, bevor man mich hinaustragen muss“, sagt sie. Besonders leid tue ihr das Aus des Ladens für die zahlreichen Stammkunden, die ihr über die vielen Jahre die Treue gehalten haben. Die seien ihr besonders ans Herz gewachsen. Wie es mit der Ladenfläche an den Toren der Gärtnersiedlung weitergeht ist unklar. Aktuell suche der Vermieter noch nach einem Nachfolger.

Für Tschurtschenthaler beginnt nun ein neuer Lebensabschnitt. Die neu gewonnene Zeit möchte sie für ihre Leidenschaften – zum Lesen und Reisen – nutzen. Und natürlich kommt auch die Liebe zu Blumen und Pflanzen in der Rente nicht zu kurz. Denn Tschurtschenthaler ist sich sicher: „In meinem Garten werde ich ab nächstes Jahr viel Zeit verbringen.“

Gerhard Hauner: „Grüne Berufe werden wieder attraktiver“

Doch wie ist die Lage der Garten- und Floristikbranche in der Region? Gerhard Hauner sieht die steigenden Energie- und Warenkosten als die größten Herausforderungen. Er ist Obermeister der Gartenbaugruppe Regensburg. „Die Lage ist ähnlich wie bei anderen Branchen, die Konsumgüter verkaufen“, sagt Hauner. Der Umsatz sei weiterhin ziemlich stabil, aber die Kosten steigen. „Im Garten-Bereich sind aktuell Gemüse-Pflänzchen und Co. sehr gefragt. Da sehe ich eine verhalten positive Entwicklung“, sagt Hauner, der 1991 die Gemüsegärtnerei seiner Eltern in Regensburg übernahm und seitdem zum 1A Garten Hauner erweiterte.

Das Interesse an einer Ausbildung in dem Bereich sei aktuell sogar wieder relativ hoch. „Grüne Berufe werden wieder attraktiver“, freut sich Hauner. Im Juli beendeten laut Mitteilung des Landratsamts 30 Absolventen ihre Ausbildung in der Berufsschule für Gärtner, 15 weitere für Floristen und neun an der Berufsfachschule für Ernährung und Versorgung. Schwieriger sei es, die jungen Leute im Job zu halten. „Die Arbeit in der Gartenbranche ist körperlich anstrengend, während Vergütung und Aufstiegschancen eher ausbaufähig sind“, sagt Hauner. „Auch, was Flexibilität betrifft, sind uns andere Branchen einen Schritt voraus.“

Gerhard Hauner sieht seine Branche vor Herausforderungen. Foto: Haala, Archiv