Bayerische Waldprinzessin Simone Brunner drückt in Neunburg wieder die Schulbank

Von Jan Lange · 12. Oktober 2023 um 19:00

Mit ihren 23 Jahren hat Simone Brunner bereits zwei Ausbildungen erfolgreich abgeschlossen und einen Meistertitel in der Tasche. So nebenbei erwarb sie auch noch die Fachhochschulreife. Nun startet die junge Frau in ihre dritte Ausbildung zur Forstwirtin. Sie sei endlich an dem Punkt angekommen, der ihr Spaß mache, sagt Simone Brunner.

An der Berufsschule Neunburg ist die 23-Jährige, die aus Rumeltshausen im Landkreis Dachau stammt, eine besondere Schülerin. Nicht nur, weil sie als Frau eine Männerdomäne erobert – sie ist auch eine „königliche Hoheit“. Seit 2022 trägt Simone Brunner den Titel der Waldprinzessin.

Schon als Kind war ihre Beziehung zum Wald eng. Ihre Eltern betrieben einen landwirtschaftlichen Betrieb mit 130 Hektar Ackerfläche und 20 Hektar Wald. „Ich bin immer gern mit meinem Papa und meinem Opa auf die Jagd gegangen“, erzählt sie.

Nach dem Abitur 2018 wollte sie Forstingenieurwesen studieren. Doch ihre Eltern hatte andere Vorstellungen für die Tochter. Als Mädchen sollte sie nicht so schwer arbeiten, sondern lieber ins Büro gehen.

Dem Wunsch der Eltern folgend, begann Simone Brunner eine kaufmännische Lehre. „Am ersten Tag habe ich gewusst, dass das nichts für mich ist“, meint sie heute rückblickend. Dennoch zog sie die Ausbildung zur Kauffrau für Büromanagement durch und schloss sie nach elf Monaten sogar mit Auszeichnung ab.

Innerhalb eines Jahres beendet

Die Idee, zu studieren, hatte sie verworfen. Sie war ein Jahr im Büro des Bauernverbandes tätig, wechselte dann aber in den elterlichen Betrieb. Dort war ihr drei Jahre älterer Bruder inzwischen Betriebsleiter. Daneben absolvierte sie eine Ausbildung zur Hauswirtschafterin in Schrobenhausen, die sie innerhalb eines Jahres abschloss, und erwarb zudem den Meistertitel in Rosenheim.

Auch wenn sie das Forststudium ad acta gelegt hatte, mit dem Fachbereich wollte sie sich dennoch gern näher befassen. „Wenn ich es jetzt nicht mache, dann gar nicht mehr“, dachte sie sich und meldete sich an der Berufsschule Neunburg an. Ihre Eltern hätten anfangs ihre Zweifel gehabt, doch mittlerweile erkennen sie, dass es der beste Weg ist und stehen voll hinter ihrer Tochter.

In der Pfalzgrafenstadt werden seit einem halben Jahrhundert Forstwirte ausgebildet. Es ist die einzige Berufsschule im Freistaat, die dieses Fach anbietet. Und so kam die Oberbayerin in die Oberpfalz. Sie ist eine von 145Neuen an der Berufsschule, an der aktuell insgesamt 360 Forstwirte, 180Landmaschinenmechatroniker und 100 Landwirte ihre Ausbildung absolvieren.

Eine „königliche Hoheit“ gab es trotz dieser langen Tradition an der Neunburger Bildungsstätte noch nicht. Die Waldbauernvereinigung Dachau hatte sie für das Amt vorgeschlagen. Da sie viel Zuspruch bekommen habe, entschied sie, sich zur Wahl zu stellen.

Auf Herz und Nieren geprüft

Die junge Frau wurde auf Herz und Nieren geprüft. Zusammen mit Antonia Hegele wurde sie schließlich vom Waldbesitzerverband auserkoren. Da ihre Kollegin älter ist, wurde sie die Waldkönigin und Simone Brunner die Waldprinzessin. Sie sind damit die offiziellen Repräsentanten und Sympathieträger des Waldes in Bayern und oft mit Vertretern der Staatsregierung oder auch dem Ministerpräsidenten auf Tour.

„Da geht viel Freizeit drauf“, meint Simone Brunner. Jede Woche ist sie mindestens einmal unterwegs, in manchen Wochen gebe es auch mal vier Termine. Sie war beispielsweise bei der Grünen Woche in Berlin dabei, besuchte Forstmaschinenhersteller, war Gast bei der Jahreshauptversammlung des Waldbesitzerverbandes und bei der Jubiläumsfeier zum 50-jährigen Bestehen der Fortwirtschaftlichen Vereinigung, übernimmt Pflanzaktionen oder eröffnet Gebäude, die aus Holz errichtet wurden.

Bis September 2024 im Amt

Auch als Neunburger Berufsschülerin wird sie solche Termine weiter wahrnehmen – bis zum Bayerischen Zentral-Landwirtschaftsfest in München im September 2024 ist sie im Amt. Wiedergewählt werden kann sie nicht – und auch der Aufstieg zur Waldkönigin ist nicht möglich. Die Auftritte als Waldprinzessin wahrzunehmen, lässt sich mit ihrer Ausbildung gut verbinden. Nach Neunburg kommt sie immer zum Blockunterricht. Das heißt, sie ist abwechselnd ein paar Wochen in der Berufsschule und ein paar Wochen im Praxisbetrieb in München.

Später im Familienbetrieb einzusteigen, kann sich die 23-Jährige nicht unbedingt vorstellen. Der Betrieb sei Sache ihres Bruders, meint sie. Viel eher schwebt ihr eine Laufbahn im staatlichen Bereich vor.