Heimatliebe auf dem Nummernschild: Immer mehr Bürger zeigen auf ihren Autos, wo sie herkommen

Von Tanja Fenzl · 13. Oktober 2023 um 05:00

Ein kleines Jubiläum: Roding, Bad Kötzting und Waldmünchen haben seit zehn Jahren wieder ihr eigenes Nummernschild. Seit einem Jahrzehnt fahren wieder ROD-, WÜM- und KÖZ-Autos durch die Welt. Dabei war die Wiedereinführung der alten Kfz-Kennzeichen, die auf die früheren Landkreise verweisen, hart umkämpft. Und heute?

Pfiffige Idee

Heute erfreuen sich die Kennzeichen zunehmender Beliebtheit. Jedes Jahr steigt der Anteil der Fahrzeugzulassungen mit nostalgisch anmutenden Nummernschildern. Denn eine ganze Weile waren ROD, KÖZ und WÜM nur auf uralten oder historischen Fahrzeugen zu finden. „Ich erinnere mich noch, dass ich mich in meiner Kindheit immer gefreut habe, wenn ich einen alten Bulldog mit KÖZ-Kennzeichen entdeckt habe“, erinnert sich Bad Kötztings Bürgermeister Markus Ackermann – übrigens ein klarer Fan der alten Kennzeichen. „Ich fand das von Anfang an eine pfiffige und witzige Idee, die alten Kennzeichen wiedereinzuführen.“ Schließlich habe er eben die alten Kennzeichen eigentlich fast nur auf landwirtschaftlichen Fahrzeugen erlebt. „Natürlich ist das jetzt nichts, was unbedingt notwendig gewesen wäre. Aber ich finde es eine schöne Sache, dass man die Vergangenheit einbindet.“ Auch sein eigenes Auto und der gesamte Fuhrpark der Pfingstrittstadt fahre unter einem KÖZ-Kennzeichen, Lustiger Nebeneffekt. „Ich finde es interessant, wenn man auf der Straße wieder Kennzeichen sieht, wo man sich fragen muss, wo kommen die Fahrzeuge her. Zum Beispiel gibt es in Freyung-Grafenau ein Kennzeichen WOS, das war mir nicht geläufig; es steht für Wolfstein, habe ich herausgefunden.“

Lokalpatriotische Maßnahme

Auch in Waldmünchen steht Hofmanns Bürgermeister- und Namenskollege hinter der Idee, die alten Landkreise zu neuen Ehren kommen zu lassen. Markus Ackermann: „Ich finde, das ist eine lokalpatriotische Maßnahme, die die Wertschätzung gegenüber der eigenen Region zum Ausdruck bringt.“ Keineswegs verbinde er damit irgendeine Art von Separatismus. Im Gegenteil: „Im Landkreis Cham arbeiten wir alle gut zusammen. Aber man kann ja trotzdem auf diese Art zeigen, ich komme aus der Ecke.“

Hintergrund: In den 1960er und 1970er Jahren wurden in Deutschland viele alte Autokennzeichen abgeschafft. Durch Gebietsreformen waren neue Landkreise geschaffen worden, die künftig auch auf den Kennzeichen zu finden waren. Seit der neuen Verordnung im Jahr 2010 haben nun aber Landkreise und kreisfreie Städte wieder die Möglichkeit, nicht nur eines, sondern mehrere Kfz Kennzeichen zu vergeben, die sich aus den Stadt- und Kreiskürzeln der aufgelösten Landkreise und kreisfreien Städte ergeben. Diese alten Kfz-Kennzeichen sind gefragt. Rund 300 der früher ausrangierten Regional-Nummernschilder wurden seit 2012 wiederbelebt.

Tendenz steigend

Stand 30. Juni waren im Landkreis Cham knapp 30000 Fahrzeuge mit den Altlandkreis-Kennzeichen unterwegs (11371 KÖZ, 13232 ROD, 4696 WÜM). Zum Vergleich: 131335 Fahrzeuge haben ein CHA-Kennzeichen. Während die Zahl der CHA-Kennzeichen stagniert, steigt die Zahl der regionalen Kennzeichen seit 2013 kontinuierlich an.

Auch Landrat Franz Löffler räumt ein: „Die Angst, dass die neuen Kennzeichen die Einheit des Landkreises negativ beeinflussen, hat sich in keiner Weise bestätigt. Die Kennzeichen tragen zur regionalen Identität bei. Nach zehn Jahren kann man sagen, dass das keine negativen Auswirkungen hatte.“