Banges Warten nach der großen Wahlparty: Julian Preidl (FW) zieht in den Landtag ein

Anstatt am Sonntag stundenlang auf einen Bildschirm zu starren, hatte sich Julian Preidl mit Schließung der Wahllokale etwas ganz anderes einfallen lassen: Einfach mal einen Club im Landkreis Cham mieten und gut 130 Unterstützer einladen, um gemeinsam zu feiern und Danke zu sagen – aber auch ein Stück weit, um sich selbst abzulenken.
Dass es lange Stunden werden würden, bis feststeht, ob Preidl in den Landtag einziehen wird oder nicht, das war ihm klar. Doch dass es dann eine so lange Zitterpartie werden würde, das hatte er nicht erwartet.
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Die letzten Gästen hatten die Party zwischen 2 und 3 Uhr morgens verlassen, da ließen die Ergebnisse der beiden für Bad Kötztinger Kandidaten schon als „traumatisch“ zu bezeichnenden Stimmkreise noch immer auf sich warten. Regensburg-Land und Regensburg-Stadt waren schon vor fünf Jahren auch für Robert Riedl zum Stolperstein geworden.
Als es vor fünf Jahren eng wurde
Der erinnert sich am Montagnachmittag im Gespräch mit unserer Zeitung noch sehr gut daran: „Ich hatte damals schon 100 Anrufe, in denen mir gratuliert wurde“, sagt der Noch-Abgeordnete der Freien Wähler, der nicht mehr angetreten ist und Julian Preidl gerne als seinen Nachfolger sehen wollte. Riedl war 2018 über rund 4500 Stimmen in den beiden Regensburger Stimmkreisen mittags nach dem Wahlabend doch noch von dem Platz, der zum Einzug gereicht hätte, verdrängt worden. Er kam erst 2022 als Nachrücker in den Landtag.
Fünf Jahre später weiß er am frühen Montagnachmittag zumindest sicher, dass es vier Abgeordnete der Freien Wähler für die Oberpfalz geben wird. Die Ergebnisse aus Regensburg lassen noch immer auf sich warten. Julian Preidl steht bei rund 19 000 Stimmen auf Platz vier hinter Tobias Gotthardt, Martin Scharf und Bernhard Heinisch. „Da sollte nichts mehr passieren“, meint Robert Riedl – oder doch?
Es ist nur wenige Minuten später, als Bürgermeister Markus Hofmann in seinem Amtszimmer zum x-ten Male die Zahlen aktualisiert. Regensburg-Land ist da – und beschert Bernhard Schmidt satte 4379 Stimmen, der so auf einmal mit insgesamt 18 534 Stimmen Julian Preidl gefährlich nahekommt. Noch fehlt das Ergebnis von Regensburg-Stadt, und Hofmann ist der Verzweiflung nahe. Sollte der schon zum Greifen nahe Wahlsieg doch noch in Gefahr geraten können?
Dem Bürgermeister lässt das keine Ruhe, und auf der Internetseite der Stadt Regensburg findet er gegen 15.30 Uhr, was er gesucht hat: Das Ergebnis der Stimmenauszählung – noch bevor es über die Seite des Landeswahlleiters veröffentlicht worden ist. In der Stadt Regensburg hat Julian Preidl zwar nur 127 Stimmen erhalten, Bernhard Schmidt aber auch nur noch 262. Damit reicht es dem Bad Kötztinger, um in seinem ersten Anlauf ins Maximilianeum einzuziehen. Er hat seinen vierten Platz verteidigt.
19 773 Stimmen stehen laut vorläufigem Ergebnis fast 24 Stunden nach Schließung der Wahllokale auf seiner Seite. Zu den ersten Gratulanten gehören natürlich der Bürgermeister und MdL Robert Riedl. im Gespräch mit unserer Zeitung braucht der frischgebackene Abgeordnete erst einmal eine halbe Stunde, bis sich die Aufregung wieder gelegt hat. Nur rund 1200 Stimmen haben darüber entschieden, ob der vierte Abgeordnete der Freien Wähler aus der Oberpfalz Schmidt oder Preidl heißt.
Der Erfolg ist am späteren Nachmittag noch so frisch, dass der neue Abgeordnete noch gar nicht viel dazu sagen kann. „Weißt du, wie knapp das war?“ und: „Es war ein Krimi bis zum Schluss, und in so einer Gefühlslage befinde ich mich jetzt gerade noch“, sagt Julian Preidl im Gespräch mit unserer Zeitung als erste Reaktion, während im Hintergrund die Telefone heiß laufen und die Zahlen in den Messenger-Symbolen des Handys sekündlich steigen – Preidl hat es geschafft.



