„Volksparteien“ historisch schlecht: Wo CSU und SPD in Ostbayern besonders schwächeln

Während Freie Wähler und AfD nach der Landtagswahl 2023 über Zugewinne jubeln, knabbern CSU und SPD am historisch schlechten Zweitstimmen-Ergebnis. Ein Überblick wie die „Volksparteien“ in den Stimmkreisen Amberg-Sulzbach, Kelheim, Regensburg Stadt und Land, Schwandorf, Cham oder Neumarkt abschnitten.
Das in der Region schlechteste Zweitstimmen-Ergebnis holte die CSU in Attenhofen (Landkreis Kelheim). Lediglich 15,6 Prozent machten dort ihr Kreuzchen bei den Christsozialen. Ähnlich niederschmetternd war das Ergebnis auch in Rohr in Niederbayern mit 16,3 oder Herrngiersdorf mit 17,3 Prozent. Zu den beiden Ortschaften gesellen sich weitere Orte aus dem Landkreis Kelheim: Mainburg mit 19,9 Prozent, Elsendorf mit 21,4 Prozent oder Volkenschwand – immerhin die Heimat von CSU-Direktkandidatin Petra Högl – mit 21,3 Prozent.
Zu Högls Ehrenrettung muss aber auch angemerkt werden, dass sie in Volkenschwand 49,8 Prozent der Erststimmen holte, das Direktmandat im Stimmkreis Kelheim souverän verteidigte und dabei sogar noch einen Prozentpunkt gegenüber 2018 zulegte.
CSU im Landkreis Kelheim historisch schlecht
Dennoch, gerade im Landkreis Kelheim gab es eine herbe Klatsche für die CSU einzustecken: 25,5 Prozent der Zweitstimmen holten die Christsozialen dort. Das bedeutet ein Minus von knapp 6,5 Prozentpunkten gegenüber der Landtagswahl 2018. Und: 2013 hatte die CSU dort noch satte 45 Prozent geholt. Innerhalb von zwei Legislaturperioden beträgt der Verlust also knappe 20 Prozentpunkte bei den Zweitstimmen.
Bestes Ergebnis der CSU im Stimmkreis Kelheim: 30,8 Prozent in Abensberg. Erst- und Zweitstimmen kombiniert erreichte die CSU ein Gesamtergebnis von 31,2 Prozent und war damit hinter den Freien Wählern nur zweitstärkste Kraft im Stimmkreis Kelheim.
Noch brachialer – aber erwartbar – traf die Entscheidung der Wähler die SPD im Landkreis Kelheim, die nur noch 6,1 Prozent der Gesamtstimmen holte und bei den Zweitstimmen gar nur 5,3. Das höchste Zweitstimmen-Ergebnis, das die Sozialdemokraten in einem Stimmbezirk in besagtem Landkreis holten, waren 7,0 Prozent in Painten. Train (2,2 Prozent) und Elsendorf (2,4) sind hingegen die SPD-Schlusslichter im Landkreis. Einzig ein paar gute Teilergebnisse der Direktkandidatin Luisa Haag kitteten das Gesamtergebnis. 7,0 Prozent holte die SPD dort übrigens 2018. Von Volkspartei zu sprechen, trifft es also nicht unbedingt.
SPD im Landkreis Cham unter fünf Prozent
Doch es geht noch ein wenig niederschmetternder. 2,1 Prozent holte die SPD in Pemfling im Landkreis Cham – das Schlusslicht in der gesamten Region. Überhaupt war der Landkreis Cham kein Gutes Pflaster für die SPD: 2,2 Prozent in Michelsneukirchen oder auch Neukirchen-Balbini. 4,2 Prozent erreichte die SPD im Landkreis insgesamt sowohl bei Erst- als auch bei Zweitstimmen. Ein Tiefstwert in der Region.
Für die CSU hingegen ist die Welt hier – trotz 4,5 Prozentpunkten Verlust – noch weitestgehend in Ordnung: Direktmandat geholt und beinahe alle Stimmbezirke bei den Erststimmen gewonnen. Deren zehn holten sich bei den Zweitstimmen allerdings die Freien Wähler. Dennoch: 35 Prozent der Zweitstimmen ging an die CSU, Gesamtergebnis mit 37,2 Prozent auf bayernweitem Niveau.
CSU-Hochburg Amberg-Sulzbach
Im Stimmkreis Amberg-Sulzbach lag die CSU mit 39,9 Prozent der Zweitstimmen über dem bayernweiten Ergebnis. Das schlechteste Ergebnis liegt hier bei 30,1 Prozent der Zweitstimmen und zwar in Hirschbach. Dennoch holte die CSU hier alle Stimmbezirke sowohl bei den Erst-, als auch bei den Zweitstimmen.
Die SPD holte im Stimmkreis zwar 9,5 Prozent der Zweitstimmen, lag aber oftmals unter fünf Prozent: So etwa in Gebenbach und dort mit 3,4 Prozent am schlechtesten im Stimmkreis.
Hop oder top im Stimmkreis Neumarkt
Der Stimmkreis Neumarkt festigte seinen Ruf als CSU-Hochburg. 47,4 Prozent lautet das Gesamtergebnis, 43,5 Prozent beträgt der Anteil der Zweitstimmen. Das – mit Verlaub – schlechteste Ergebnis fuhren die Christsozialen in Dietfurt ein, holten dort 25,1 Prozent.
Von solchen Zahlen können die Sozialdemokraten nur träumen. Stärkster Stimmbezirk war Pyrbaum mit 7,4, schwächster war Breitenbrunn mit 2,8 Prozent. Im Gesamtergebnis reichte es für 5,3 Prozent. Gegenüber 2018 ein Verlust von 0,8 Prozentpunkten.
Regensburg-Land wählt konservativ
Im Stimmkreis Regensburg-Land wurde konservativ gewählt - bis auf Wolfsegg holte die CSU alle Stimmbezirke, was die Zweitstimmen angeht. Dort ist auch das landkreisweit schlechteste Ergebnis zu verzeichnen: 27,5 Prozent. Dennoch reichte es dank einiger Hochburgen zu einem Gesamtergebnis von 37,2 Prozent, was dennoch 2,3 Prozent weniger sind, als noch 2018.
Die konservative Haltung im Landkreis spürte auch die SPD: In zehn Gemeinden blieb sie unter fünf Prozent. Schlusslicht war Altenthann mit 2,4 Prozent Zweitstimmenanteil. Gesamtergebnis in Regensburg-Land: 6,4 Prozent, bei einem, Verlust von 0,6 Prozentpunkten.
Zugewinne für schwarz und rot in Regensburg-Stadt
Jeweils ein leichtes Plus notierten CSU und SPD im Stimmkreis Regensburg-Stadt: Die CSU gewann 0,9 Prozentpunkte gegenüber der Wahl 2018 landete bei 30,4 Prozent. Die SPD erreicht 10,4 Prozent und gewinnt 0,4 Prozentpuntke hinzu. Außer in Pentling blieb die CSU im Stimmkreis aber unter dem bayernweiten Parteiergebnis. Die SPD liegt mit ihrem schlechtesten Ergebnis - Pentling mit 7,9 Prozent - knapp unter dem bayernweiten Ergebnis.
Entgegen des bayerweiten Trends legte die CSU im Stimmkreis Schwandorf zu: 2,4 Prozent mehr als 2018 bedeuten am Ende ein Gesamtergebnis von 36,4 Prozent. Verantwortlich für das Plus war vor allem der Nordosten des Stimmbezirks, eher mau sah es im Süden aus - in Burglengenfeld waren es beispielsweise 29,8 Prozent Zweitstimmenanteil.
CSU gewinnt in Schwandorf, die SPD verliert
Was die CSU zulegte, gab die SPD ab - 2,5 Prozentpunkte fehlten zum Ergebnis von 2018. Besonders abgestraft wurden die Sozialdemokraten im Nordosten: In Guteneck, Niedermurach, Teunz, Oberviechtach, Weiding, Schönsee, Winklarn, Dieterskirchen oder Thanstein lag die SPD weit unter fünf Prozent Zweitstimmenanteil. In einer guten Handvoll Gemeinde reichte es ganz knapp für den Sprung über diese magische Linie. Insgesamt erreichte die SPD im Stimmkreis ein Gesamtergebnis von 8,0 Prozent.